Wer weiß, wie die Landschaft heute entlang der Werra aussehen würde, wenn ein langgehegter Traum tatsächlich in die Tat umgesetzt worden wäre? Schlussendlich verhinderten verschiedene Faktoren den Bau eines Kanals, der eine direkte Verbindung zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer hergestellt hätte.

Sonntag
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Bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte vor allem Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha ehrgeizige Pläne verfolgt, die Werra mit dem Main zu verbinden. Er wollte die beiden Flüsse dabei von Zeil am Main über Römhild bis etwa Untermaßfeld zusammenführen. Höhenunterschiede machten den Plan faktisch nicht realisierbar. Weitere Versuche bis 1669 blieben ebenfalls in der Planungsphase stecken. Das ganze Bestreben endete schließlich vorerst mit dem Tod des Herzogs 1675.
Doch gut 200 Jahre später erinnerte man sich an die einstigen Versuche, eine schiffbare Wasserstraße durch Thüringen zu führen. Dies lag vor allem an der gesteigerten wirtschaftlichen Bedeutung Westthüringens, etwa durch den Kaliabbau. Von 1906 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurden mehrere Varianten für den Verlauf der Wasserstraße diskutiert. Eine dieser Überlegungen sah vor, den Kanal bei Bamberg beginnen zu lassen, ihn über Heldburg und Römhild bis nach Meiningen zu führen, um dann weiter die Werra bis zu deren Einmündung bei Hannoversch Münden in die Weser zu nutzen. Hierbei wäre der Kanal etwas mehr als 284 Kilometer lang und Eisenach durch einen Stichkanal ebenfalls an das Bauwerk angebunden worden. Allerdings hätten auch 45 Schleusen, mehrere Schiffshebewerke, Kanalbrücken und Talsperren gebaut werden müssen.
Der Erste Weltkrieg verhinderte zunächst die Realisierung des Vorhabens. Die Planungen wurden erst von 1921 an weiterverfolgt. In Eisenach richtet man ein „Vorarbeitenamt“ ein. Zudem war der Berliner Bauingenieur Max Contag, der bereits vor dem Weltkrieg die Planungen federführend betreute, in das Projekt involviert. Dieser veröffentlichte vor etwas mehr als 100 Jahren eine Denkschrift über den geplanten Kanal. Er sollte etwas nördlich von Bamberg bei Breitengüßbach beginnen und dann in nordwestlicher Richtung über Kaltenbrunn, Heldburg, Römhild, Reitschenhausen nach Meiningen führen, wo er in die Werra mündete. Geplant war auch, mittels eines Stichkanals, Coburg anzuschließen. Anschließend sollte er der Werra weiter folgen. Vorgesehen war ein Bauwerk von etwas mehr als 276 Kilometern Länge. Es wären Höhenunterschiede von 239 Metern zu überwinden gewesen, was Bauten wie Schiffshebewerke, quergeneigte Ebenen und Ähnliches erfordert hätte. Die Gesamtkosten wurden 1929 auf 320 Millionen Reichsmark (heute fast 1,4 Milliarden Euro) veranschlagt. Die Planungen gingen auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten weiter, wobei 1942 ein als „baureif“ bezeichneter Entwurf vorlag. Der Krieg verhinderte alles Weitere. Nach 1945 wurden die Überlegungen zwar nochmals aufgenommen, doch die Teilung Deutschlands verhinderte das Vorhaben und 1961 wurde der alte Traum schlussendlich begraben.




