Das Arnold-Paulssen-Haus in der Anton-Wilhelm-Amo-Straße 64 ist die Landesvertretung Thüringens in Berlin. Haus und Ort blicken auf eine wechselvolle Geschichte zurück.

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Das junge Land Thüringen benötigte in der Weimarer Republik in der Reichshauptstadt eine offizielle Vertretung. Die wirtschaftliche Not in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg erlaubte es nicht, ein neues Gebäude zu errichten oder ein bestehendes zu übernehmen und umzubauen. Der stellvertretende Bevollmächtigte Thüringens beim Reichsrat, der Jurist Hermann Münzel, konnte seine Dienstgeschäfte zunächst nur in bescheidenen Verhältnissen ausführen. Ihm standen lediglich drei Büroräume in einer Privatwohnung im Berliner Stadtteil Wilmersdorf zur Verfügung. Nicht nur war es für Münzel damit umständlich, ins Berliner Zentrum zu gelangen. Auch fehlten Tagungs- und Arbeitsräume für den Fall, dass sich Mitglieder der Thüringer Landesregierung in der Hauptstadt aufhielten. Von einer Repräsentationsfläche der heimischen Wirtschaft ganz zu schweigen. Allein die wirtschaftlich schwierigen Verhältnisse der 1920er Jahre und Geldmangel verhinderten eine Verbesserung der Situation.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die in Thüringen freilich schon früher als im Reich vonstatten ging, kam neue Bewegung in die Sache. Fritz Sauckel, in seiner Doppelrolle als Ministerpräsident und Gauleiter Thüringens, ließ bereits im Mai 1933 das Haus der Preußischen Hypotheken-Actien-Bank (1910 erbaut) in der damaligen Mohrenstraße 65 ankaufen und anschließend umbauen. Der Standort lag zentral: Reichstag, Reichskanzlei und die Ministerien waren bequem zu Fuß erreichbar. Zudem bot die Gegend repräsentatives Flair. Das Gebäude selbst trug fortan den Namen „Thüringenhaus“.

Sauckel ließ dafür eigens eine „Thüringenhaus Verwaltungsgesellschaft“ mit Sitz in Weimar gründen. Die Thüringische Landesbank finanzierte den Umbau mit einem Darlehen von einer Million Reichsmark (heute etwa 5,6 Millionen Euro). Die Leitung desselben hatte der aus Weimar stammende Architekt Hans Füllgrabe erhalten. Bereits Ende September 1933 waren die Arbeiten abgeschlossen. Nun gab es auch eine Präsentationsfläche für die Thüringer Wirtschaft, die sich in einer „Landesschau“ vorstellte. Ein gutes halbes Jahr später lösten die Nationalsozialisten mit dem „Gesetz über die Aufhebung des Reichsrats“ diesen auf, wobei das „Thüringenhaus“ dennoch als Präsentationsfläche der Wirtschaft erhalten blieb. Ab 1942 diente es als Dienstsitz für Sauckel, der nun zum „Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz“ ernannt worden war, um die Zwangsarbeit für die Nationalsozialisten zu organisieren. Ende Februar 1945 wurde das Haus bei einem Luftangriff vollständig zerstört.

Der Neubau erfolgte erst nach der politischen Wende zwischen 1997 und 1999 am alten Standort. Im Zuge des 100-jährigen Jubiläums des Freistaates kam die Idee auf, das Haus nach dem ersten Thüringer Ministerpräsidenten, Arnold Paulssen, zu benennen, was unter Rot-Rot-Grün schließlich in die Tat umgesetzt wurde.