Die Susanne-Bohl-Straße in der Lobedaer Altstadt erinnert an eine bemerkenswerte Frau, die selbst in ihrer einstigen Heimat weitgehend unbekannt sein dürfte.

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Der genaue Geburtstag von Johanna Susanne Eberhardt, die am 4. Januar 1738 in Lobeda getauft wurde, ist nicht bekannt. Ihr Vater Bartel Eberhardt war nicht nur Bürger und Instrumentenmacher, sondern auch Gotteskastenvorsteher, also Verwalter der Finanzen der örtlichen Kirchgemeinde.

Mit 17 heiratete sie Anfang November 1755 den damaligen Lobedaer Bürgermeister, Steuereinnehmer und Steuerrevisor Johann Justin Bohl, welcher elf Jahre älter war als sie und ursprünglich aus Eisenach stammte. Zwischen 1756 und 1778 bekam das Paar sieben Kinder, wobei zwei von ihnen unmittelbar im Säuglingsalter verstarben. Nur zwei Töchter überlebten die Mutter.

Susanne Bohl hatte einen umfangreichen Haushalt zu bewältigen. Erstmals machte sie 1775 auf sich aufmerksam, als sie Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach zu seiner Hochzeit und dem gleichzeitigen Regierungsantritt ein Gedicht widmete. Weithin Bekanntheit erwarb sich Bohl mit einer Erwiderung auf „Dr. Sherdians“ Gedicht „Wolken und Weiber“, welches in der von Christoph Martin Wieland herausgegebenen Zeitschrift „Teutscher Merkur“ im Mai 1782 erschien. Dieses, von den Zeitgenossen als „scherzhaft“ eingestufte Gedicht, zielte bewusst auf weibliche Stereotype und reduzierte Frauen im Stil der Zeit auf ihre vermeintlichen Eitelkeiten. Bohl konterte mit intellektuell überlegenen und klugen Versen in Form des Gedichts „Winde und Männer“ jene männliche Polemik, die Wieland ebenfalls in seiner Zeitschrift abdrucken ließ. So wurden nicht nur Goethe und Schiller auf die Bürgermeistergattin aufmerksam, sondern auch manche adelige Frau.

Vier Jahre später konterte sie Aloys Blumauers „Versöhnungslied an die Schwestern“, in dem der österreichische Schriftsteller sich ebenfalls über die Frauen seiner Zeit lustig machte. Bohl schrieb, dass sie es ihrem „Geschlechte schuldig“ sei, „den Spott“, den Blumauer „über uns insgesamt ausgegossen“ habe, „im gleichen Tone zurückzugeben“.

Goethe besuchte sie des Öfteren in Lobeda. Und Friedrich Schillers Frau Charlotte war mit Susanne Bohl freundschaftlich verbunden. Dass die Bürgermeistergattin eine herausgehobene Stellung innerhalb der Jena-Weimarischen Intellektuellenwelt besaß, beweist zudem der Umstand, dass Wieland gemeinsam mit Christian Gottfried Schütz und dem Verleger Friedrich Justin Bertuch in Bohls Gartenpavillon im Sommer 1784 die Herausgabe der „Allgemeine Literatur-Zeitung“ beschloss, die sich zum auflagenstärksten deutschen Rezensionsorgan entwickelte.

Das Leben hielt harte Prüfungen für Susanne Bohl bereit. Ihre älteste Tochter verlor 1785 ihren Ehemann, mit dem sie ebenfalls sieben Kinder hatte. Diese mussten nun von Susanne Bohl mitversorgt werden. Nur dank der Hilfe Goethes blieb sie von vollkommener Armut verschont. Am 29. August 1806 starb die Dichterin im Alter von 68 Jahren in Lobeda.