Das Klezmer-Orchester Erfurt feiert am Samstag sein zehnjähriges Bestehen mit einem Konzert im Theater Erfurt. Das sei in dieser Form weltweit einzigartig, sagte Projektleiter Johannes Gräßer: „Es sind über 90 Musizierende, die an einem Wochenende zusammenkommen, um ein Konzert aufzuführen.“

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Dabei handele es sich überwiegend um Laienmusikerinnen und -musiker, ergänzt durch professionelle Künstlerinnen und Künstler, die das Projekt unterstützen: „Das ist etwas Besonderes.“

Klezmer-Musik bezeichnet die traditionelle Fest- und Hochzeitsmusik der aschkenasischen (aus Mittel- und Osteuropa) Juden in Osteuropa.

Seit dem ersten Konzert 2016 läuft die Vorbereitung laut Gräßer immer gleich ab. Die Musikerinnen und Musiker treffen sich zu einem ersten Workshop, erhalten danach Notenmaterial und Hörbeispiele und bereiten sich eigenständig vor. Erst kurz vor dem Konzert kommen sie erneut zu intensiven Proben zusammen.

Musiker reisen aus ganz Europa zum Konzert nach Thüringen an

„Eine Auswahl nach Leistungsniveau gibt es nicht“, sagte Gräßer. Begrenzt werde die Teilnahme durch Platz- und Instrumentenkapazitäten: „Innerhalb von zwei Stunden waren die ersten Abschnitte für das diesjährige Konzert ausgebucht.“ Das Interesse gehe weit über Thüringen hinaus. Die Musiker reisten aus ganz Deutschland sowie aus Belgien, Großbritannien, Österreich und der Schweiz an.

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Auch in der Fachwelt findet das Projekt laut Gräßer Beachtung. Professionelle Musikerinnen und Musiker engagierten sich bewusst in dem Ensemble, weil gemeinsames Musizieren in dieser Größenordnung selten sei. „Musik verbindet“, sagte Gräßer, der selbst Geige spielt. Das Projekt schaffe Begegnung und Gemeinschaft über kulturelle Grenzen hinweg.

Rein ehrenamtliches Projekt

Finanziell basiert das Projekt vor allem auf Ehrenamt. Zudem bezahlen die Beteiligten einen Beitrag für die Workshops. Unterstützung kommt vom Land, von Kommunen und der Sparkassen-Finanzgruppe. Jedoch seien die öffentlichen Fördermittel in den vergangenen Jahren gesunken, sagte Gräßer. Zwar sei das Klezmer-Orchester nicht gefährdet, doch die finanzielle Lage bleibe angespannt: „Wenn die Unterstützung weiter zurückgeht, bekommen wir Probleme.“

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Das Orchester wird derzeit rein ehrenamtlich von einem rund 15-köpfigen Team organisiert. Hier würde sich Gräßer mehr Unterstützung wünschen: „Man darf nicht alles auf das Ehrenamt abwälzen.“

Klezmer mit großem Ensemble

Musikalisch versteht sich das Ensemble als Weiterentwicklung der traditionellen jüdischen Klezmer-Tradition. „Wir greifen historische Einflüsse auf, übertragen sie in ein zeitgemäßes, groß besetztes Ensembleformat und entwickeln den Stil kreativ weiter“, sagte Gräßer.