Thüringen zeigt in seinen Sonderausstellungen Kunst und Kulturgeschichte in einer weit gefächerten Bandbreite. Interessante Konzepte und nachhaltige Begegnungen mit Werken von alten Meistern bis zur zeitgenössischen Avantgarde überraschen Entdecker ebenso wie leidenschaftliche Kunstkenner. Die vielfältigen Ausstellungskalender umfassen Malerei, Grafik, Fotografie, Skulptur, Installation, Kunsthandwerk, und vieles mehr. Was sollte man auf keinen Fall verpassen? Hier verraten unsere Redakteurinnen und Redakteure ihre Favoriten unter dem Siegel „ein Besuch lohnt sich“.
„Wo die Citronen glüh‘n“ in Weimar

Bis 4. Oktober in der ACC Galerie Weimar; Öffnungszeiten: So-Do 12-18 Uhr, Fr-Sa 12-20 Uhr.

Eine wahrhaft ausgezeichnete Momentaufnahme deutscher Gegenwartskunst hat die Weimarer ACC Galerie in einer sensationellen Schau zu bieten. Dort präsentieren sich 22 bildende Künstler, Schriftsteller, Komponisten, Architekten und Filmemacher, die in den zurückliegenden zwei Jahren als Stipendiaten in der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom ein Zuhause auf Zeit beziehen durften – also allesamt Rompreisträger. Die Schau zeigt ihre kreativen Erträge aus diesem Aufenthalt. Unser Rezensent war begeistert.
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„feste feiern“ in Gera

Bis 18. Oktober im Otto-Dix-Haus Gera, Öffnungszeiten: Di-So, Feiertag 11-17 Uhr
„feste feiern!„ nennt das Otto-Dix-Haus Gera seine neue Ausstellung, kuratiert von Claudia Schönjahn, die rund 450 Jahre Kunstgeschichte des Feierns Revue passieren lässt – von barocken Festen über antike Bacchanalien bis zur hedonistischen DDR-Jugendkultur. Die 37 Arbeiten aus den Sammlungsbeständen zeigen Werke von Otto Dix, Kurt Günther, Thomas Holle und weiteren, mal exzessiv-ausgelassen, mal subtil-unterwandernd.
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Plastiken von Beate Debus in Jena

Bis 22. Oktober im Botanischen Garten Jena; Öffnungszeiten: Mo-So 10-17 Uhr.
„Beate Debus – gewachsen & gegossen“ nennt der Jenaer Kunstverein eine Open-Air-Schau mit Plastiken der Thüringer Künstlerin aus Dermbach (Rhön). Debus‘ Arbeitsprinzip ist meist dasselbe: Aus natürlich gewachsenen Holzstämmen erschafft die Bildhauerin Skulpturen, die sie dann in Bronze abgießen lässt. Die Skulpturen erscheinen einzeln oder in Gruppen. Tänzerisch sind ihre Bewegungen, exzessiv oder introvertiert, ineinander verschlungen oder auseinandertreibend. Durch die mit Bedacht gestaltete Vegetation des Gartens flanierend, wird man sie unschwer entdecken.
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Werner Schubert-Deister in Friedrichroda

Bis 30. Oktober in der Begegnungsstätte Wir3 in Friedrichroda; Öffnungszeiten: Mo-Fr 12-17 Uhr.
Eine Retrospektive mit Werken des zu Unrecht vergessenen Thüringer Künstlers Werner Schubert-Deister wird in Friedrichroda, seiner jahrzehntelangen Wahlheimat, in der Begegnungsstätte Wir3 aus Anlass seines 105. Geburtstages gezeigt. Kuratiert hat sie Gert Weber; der Maler aus Gräfenroda war Schubert-Deisters Freund und Weggefährte. Er wünscht sich eine kunstwissenschaftliche Aufarbeitung und Neubewertung dessen überlieferten Oeuvres.
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Humoriges von Heinz Jankofsky in Greiz

Bis 1. November im Sommerpalais Greiz; Öffnungszeiten: Mi-So 11-17 Uhr.
Das Greizer Sommerpalais widmet Heinz Jankofsky (1935-2002) eine große Sommerausstellung – mit über 130 Bildwitzen. Der Berliner Humorzeichner gehörte zu den bekanntesten Künstlern der Gattung in der DDR. Auch nach der Wende konnte er sich mit seinen gezeichneten Kommentaren zum Zeitgeschehen behaupten und seine Fangemeinde begeistern. Wegen der großen Nasen seiner Figuren wurde er auch als der „ostdeutsche Uli Stein“ bezeichnet. Die Ausstellung gibt mit Unterstützung der Berliner Cartoonlobby-Stiftung einen Überblick über vier Schaffensjahrzehnte.
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Goethe als Marke in Weimar

Bis 13. Dezember im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar; Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa-So 11-16 Uhr.
„Die Entstehung der Marke Goethe“ rekapituliert eine kleine, höchst exquisite Ausstellung im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar mithilfe originaler Handschriften. Wie die meisten seiner Schriftstellerkollegen, jedoch in herausragender Weise war der Weimarer Dichterfürst zu Lebzeiten um seinen Nachruhm bedacht. Als Archivar seiner selbst erwog er zum Beispiel präzise, welche Dokumente er für die Nachwelt bewahrte – und welche nicht. Dichtung und Wahrheit gehen bei der Formung des Selbstbildnisses Hand in Hand. Anlass der Schau ist die Aufnahme des handschriftlichen Nachlasses Goethes ins Unesco-Weltdokumentenerbe vor 25 Jahren. Der Eintritt ist frei.
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Napoleonische Kriege in Apolda

Bis 20. November im Eiermannbau Apolda; Öffnungszeiten: Di-So 11-17 Uhr.
Weltpolitische Ereignisse reflektiert die Schau „C’est la guerre! – 220 Jahre Schlacht von Jena & Auerstedt“ im Eiermannbau Apolda. Frank Hartmann hat Figuren seines Dioramas, das eine Szene der Schlacht von Auerstedt zeigt, auf einer drei mal 4,60 Meter großen Grundplatte drapiert. Mit mehr als 2000 Figuren sei das Diorama des Leipzigers das weltweit größte Diorama zu Auerstedt, sagt Michael Rauch, Vorsitzender des Vereins Institut zur militärgeschichtlichen Forschung Jena 1806.
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Rembrandt in Gotha

Bis 6. Dezember im Herzoglichen Museum Gotha; Öffnungszeiten: Di-Do 10-17 Uhr, Fr -So 11-17 Uhr.
Den absoluten Ausstellung-Höhepunkt des Jahres markiert die Sonderschau „Rembrandt 1632: Entstehung einer Marke“ der Friedenstein-Stiftung in Gotha. Gezeigt werden 94 Werke von Rembrandt und Zeitgenossen; viele der Porträts sind in mehreren Varianten zu sehen. Das fordert Vergleiche heraus – insbesondere dann, wenn es um die Autorschaft geht.

Das gilt etwa für die Charakterstudie „Bärtiger alter Mann“ (1630/31) im Eigentum der Friedenstein-Stiftung, die zurzeit als Werkstattbild gilt und sowohl mit Darstellungen desselben Motivs von Rembrandt und von seinem Freund Jan Lievens konfrontiert wird. Das macht diese famose, wenngleich etwas porträtlastige Schau so anspruchsvoll, aber auch anstrengend. Wie auch immer: Man kann sich auch schlicht an der exzeptionellen Malkunst Rembrandts berauschen. – Mit hohem Besucherandrang ist zu rechnen.
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Volker und Lester Kielstein in Gera

Bis 20. Dezember im Haus Schulenburg Gera; Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr 10-17 Uhr, Sa, So 14-17 Uhr.
Großvater und Enkel korrespondieren kraft ihrer Werke im Haus Schulenburg Gera unter dem Titel „Papiergedichte – Fotografien – Visionen: Volker und Lester Kielstein im Dialog“. Da treffen Papiercollagen auf Hochglanz-Fotografien, die beiden Künstler sind 60 Lebensjahre voneinander entfernt, in ihren Ausdrucksmitteln indes einander recht nah. Die Schau ist der Höhepunkt des Jubiläumsjahres „30 Jahre Restaurierung Haus Schulenburg“ und wird in die seit März laufende Ausstellung „Haus Schulenburg – ein europäisches Kulturgut“ integriert. Haus Schulenburg ist ohnehin einen Besuch wert; die Villa wurde von dem ikonischen Architekten und Designer Henry van de Velde entworfen.
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Theaterherzog Georg II. in Meiningen

Bis 10. Januar auf Schloss Elisabethenburg in Meiningen. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr.
„Die Meininger kommen!“ Dieser Ruf entzückte im 19. Jahrhundert die Theater-Fans in halb Europa, denn mit mehr als 2500 Vorstellungen machte das Hoftheater des kleinen Herzogtums Sachsen-Meiningen auf Gastspielreisen international Furore. Die Meininger wirkten somit stilprägend in dieser Zeit, und ihr kunstsinniger Herzog Georg II. erwies sich als vorzüglicher Organisator und Regisseur der Bühne.

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Deshalb widmen nun die Meininger Museen auf Schloss Elisabethenburg dem „Theaterherzog“ Georg (1826-1914) aus Anlass seines 200. Geburtstags eine große Ausstellung, über die wir ausführlich mit Museumsdirektor Philipp Adlung gesprochen haben.
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Multitalent Eva Bruszis in Erfurt

Bis 10. Januar 2027 im Angermuseum Erfurt; Öffnungszeiten Di-So 10-18 Uhr.
„Nur Mut! Eva Bruszis. Wege und Welten einer Künstlerin.“ So heißt die aktuelle Sonderausstellung im Angermuseum Erfurt. Diese widmet der Künstlerin Eva Bruszis, die in Erfurt heimisch wurde, eine erste umfassende Retrospektive. Sie zeigt deren facettenreiches Schaffen und verortet es in der ostdeutschen Kunstgeschichte seit den 1960er Jahren über die Wendezeit bis heute.
Zu sehen sind Zeichnungen, Grafiken und skulpturale Werke. Im Zentrum steht Bruszis‘ Arbeit an der Druckerpresse und die Frage, wie sie die Möglichkeiten und Herausforderungen der Drucktechniken künstlerisch nutzte. Die Ausstellung leistet einen wichtigen Beitrag zur Sichtbarkeit von Künstlerinnen.
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Bauhaus-Meister Marcks in Weimar

Bis 11. Januar 2027 im Bauhaus-Museum Weimar; Öffnungszeiten: Mi-Mo 10-18 Uhr.
Die zweitgrößte Sammlung von Druckgrafik des Künstlers Gerhard Marcks aus seiner Bauhaus-Zeit nennt inzwischen die Klassik-Stiftung Weimar ihr eigen. Dies verdankt sich einer großzügigen Schenkung: Dazu hatte sich das Sammler-Ehepaar Herbert und Hildegard Wippel 2023 in Karlsruhe entschlossen. Berühmt gewordene Motive und solche, die sich neu entdecken lassen, versammelt nun die Ausstellung „Gerhard Marcks. Frühe Holzschnitte des Bauhaus-Meisters aus der Sammlung HHW“. Dort sind 29 der 67 neu hinzugekommenen Werke zu sehen. Sie entstanden alle auf den Dornburger Schlössern beziehungsweise in deren Umfeld. Dort leitete Marcks bis 1925 die Keramik-Werkstatt des Bauhauses. Später wurde er als Bildhauer bekannt. Von ihm stammt zum Beispiel die Bronzeskulptur der vier Stadtmusikanten für Bremen.
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548 Bewerbungen: Gera zeigt Gewinner des Aenne-Biermann-Preises

Bis 14. Februar 2027 im Museum für Angewandte Kunst Gera
Beim 15. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie gingen 548 Bewerbungen ein, so viele wie nie zuvor. Wer den renommierten Fotopreis gewonnen hat, zeigt aktuell das Museum für Angewandte Kunst in Gera. Dort läuft noch bis 14. Februar 2027 eine Ausstellung mit den Arbeiten der fünf Bestplatzierten. Der erste Preisträger, Raisan Hameed aus Leipzig, präsentiert sein Werk „After Image“ (Nachbild), das sich unter anderem mit den Familienfotos seiner Eltern befasst, die im Irakkrieg zerstört wurden. Martin Ruckert (Leipzig, 2. Preis) rückt die Dunkelkammer in den Fokus. Nora Schwarz (Hamburg, 3. Preis) setzt der schwedischen Taiga ein Denkmal. Benjamin Friedle (Leipzig, lobende Erwähnung) beschäftigt sich mit KI und Fotografie; und Anika Werk (Berlin, Amateurpreis) thematisiert in ihren Fotos Gewalt gegen Frauen.
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Sozialgeschichte der Burgsanierung in Eisenach

Bis 31. März 2027 auf der Wartburg; Öffnungszeiten: Mo-So 10-17 Uhr.
Die großen Bauvorhaben auf der Wartburg im Jahr 2027, die die Sanierung von Festsaalgeschoss und Dach des Palas, Neuem Treppenhaus und Gadem umfassen, werfen ihre Schatten voraus: Schon jetzt lädt die Wartburg-Stiftung ihre Gäste auf die „Baustelle Wartburg“ ein: zur Sonderschau „Schätze, Schutt, Skurrilitäten. Geschichten von der Baustelle“. Der Name ist dabei Programm, denn während zahlreicher Baumaßnahmen ereignete sich viel Erzählenswertes: Kostbare Schätze, aber auch skurrile Fundstücke traten aus dem Schutt der Jahrhunderte zu Tage, nicht mehr dem Zeitgeist entsprechende Zierelemente verschwanden im Depot. Zahllose Handwerker bezwangen den Berg mit verschiedensten Transportmitteln, trotzten den Widrigkeiten der exponierten Lage, und manch einer von ihnen verewigte sich stolz an der Bausubstanz. Davon erzählt die Schau mit vielen, teils anekdotischen Geschichten.
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Jiddische Sprachschätze in Erfurt

Bis 4. April 2027 in der Kleinen Synagoge Erfurt; Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr.
Das Wort „jiddisch” bedeutet nichts anderes als „jüdisch”. Die 2025 erstmals in Trier gezeigte Sonderausstellung verdeutlicht die Vielfalt des frühen Jiddischen – einer Komponentensprache aus deutschen Dialekten sowie hebräischen, romanischen und slawischen Elementen. Gezeigt werden nicht zuletzt historische Schriftzeugnisse aus Thüringen, darunter eine Bauinschrift aus Erfurt, die wahrscheinlich auf das Pogromjahr 1349 verweist und als eines der ältesten jiddischen Schriftzeugnisse überhaupt gilt.
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125 Jahre Bachfeste in Eisenach

Bis 31. Oktober 2027 im Bachhaus Eisenach; Öffnungszeiten: Mo-So 10-18 Uhr.
Unter dem Titel „Phänomen Bachfest: 125 Jahre Bachfeste – 100 Bachfeste“ erinnert das Bachhaus an die Erfindung der Bachfeste durch die Neue Bachgesellschaft (NBG) vor 125 Jahren. Heute werden weltweit jährlich über 80 Bachfeste zelebriert: als Festivals, Bachtage oder Bachwochen. Die Ausstellung in Eisenach erzählt von der Geburt eines Phänomens.
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Goethes „Faust“ in Weimar

Bis 1. November 2027 im Schillermuseum; Öffnungszeiten Di-So 10-18 Uhr.
Spektakulär, substanziell, supermodern: So präsentiert die Klassik-Stiftung ihre Faust-Ausstellung im Schiller-Museum Weimar. Mit Johann Wolfgang von Goethes Weltendrama rückt die Stiftung ihren Markenkern in den Mittelpunkt und beweist, wie aufregend aktuell dieser 200 Jahre alte Text zu verstehen ist. Wer da noch glaubt, Literaturausstellungen seien spröde und belehrend, mag sich hier eines Besseren belehren lassen. Das Drama und seine Rezeptionsgeschichte stehen im Zentrum, doch zugleich wird auch der Autor, Goethe höchstselbst, anhand ausgewählter Exponate aus seinen Sammlungen als faustischer Charakter kenntlich. Und junge Besucherinnen und Besucher finden in den exklusiv gezeichneten Szenen von Graphic Novelist Simon Schwartz ein erhellendes Vergnügen. Das ewig Faustische zieht uns hinan...
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