Jahr für Jahr zieht es zahlreiche Thüringerinnen und Thüringer während der Urlaubssaison nach Schweden. Weitgehend unbekannt dürfte dagegen sein, dass einige Thüringer vor allem im 17. und 18. Jahrhundert dort wirkten und ihre Spuren hinterließen.
Meurer prägt als Buchdrucker frühe Medienwelt
Ein hierzulande wohl vollkommen vergessener Mann, der speziell in Stockholm Bedeutendes erwirkte, war Ignatius Meurer. Er kam 1586 im schwarzburgischen Blankenburg als Sohn des Bürgermeisters zur Welt. Zwar studierte er zunächst Rechtswissenschaften in Erfurt, ging dann aber nach Rostock, um zwischen 1605 und 1608 eine Buchdruckerlehre abzuschließen. Nur ein Jahr nach seinem Abschluss zog er nach Stockholm und fand in der Königlichen Druckerei eine Anstellung. Wenig später wechselte er in die Druckerei von Anund Olofsson Helsing, der allerdings 1610 starb. Meurer heiratete drei Jahre später dessen Witwe und übernahm damit auch die Firma. Er machte sich schon bald einen Namen für hochwertige Druckerzeugnisse und ging vor allem deshalb in die schwedische Geschichte ein, weil er 1628 das erste Buch auf Schwedisch druckte. Außerdem wurde bei ihm 1645 die erste schwedische Zeitung („Ordinari Post Tijdender“) gedruckt. 1672 starb der Auswanderer in Stockholm. In der „Gamla stan“, der Altstadt der Hauptstadt, ist bis heute eine Gasse als „Ignatiigränd“ nach Meurers Vornamen benannt.
Hofmusik und Kirchenleben erfahren eine Bereicherung
Auch andere Thüringer fanden den Weg nach Schweden, so Johann Jakob Bach, ein älterer Bruder des bekannten Komponisten. Der Eisenacher schloss sich 1704 als Oboist der Hofkapelle des schwedischen Königs Karl XII. an und begleitete ihn so auch während der Feldzüge in Nord- und vor allem Osteuropa, ehe Bach 1713 in Stockholm landete. Doch sein weiteres Leben fern der Heimat verlief tragisch. Seine Frau, die er 1715 geheiratet hatte, starb bereits vier Jahre später. Zwar avancierte er zum Hofkapellmeister, doch währte auch dieses Glück nicht lange, da Johann Jakob Bach 1722 im Alter von nur 40 Jahren starb.

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Dagegen prägte ein weiterer Thüringer die schwedische Musikgeschichte nachhaltig. Die Rede ist von Johann Christian Friedrich Haeffner, der 1759 in Oberschönau (heute zu Steinbach-Hallenberg gehörend) zur Welt kam. Bereits früh zeigte er musikalisches Talent. Nachdem seine Familie später nach Schmalkalden gezogen war, begleitete er bereits als Neunjähriger auf der Orgel Gottesdienste. In den 1770er Jahren betätigte er sich als Dirigent an verschiedensten Theatern, ehe er 1781 eine Stelle als Organist an der deutschen Kirchgemeinde St. Gertrud in Stockholm annahm.
Der Oberschönauer Haeffner tritt in Bachs Fußstapfen
Es folgten weitere Engagements, bis Haeffner 1786 in die Fußstapfen Johann Jakob Bachs trat und ebenfalls zum Hofkapellmeister ernannt wurde. Als solcher schrieb er zahlreiche Opern. 1808 wechselte er als Universitätsmusikdirektor nach Uppsala und wurde gleichzeitig Organist der örtlichen Domkirche. In jenen Jahren schlug Haeffner die Überarbeitung der schwedischen Choralbücher vor, die etwa 1820/21 als „Haeffners koralbok“ herausgegeben wurden. Nicht zuletzt gilt er in Schweden als der Vater des Studentengesanges. 1833 starb er an seiner letzten Wirkungsstätte.




