An diesem 23. September 2011 sind die Erwartungen sehr hoch: Der Papst im Kernland der Reformation, in jenem Erfurter Kloster, in dem Martin Luther als Mönch gelebt hatte. Wird es ein deutliches Zeichen der Ökumene vom deutschen Papst geben? Wird Joseph Ratzinger einen Schritt auf die Mitchristen der evangelischen Kirche zugehen?

Sonntag

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Die Journalisten stehen auf der Empore des Klosters, unten sind die Reihen voll mit geladenen Gästen. Zwei Stunden vorher war der Einlass. Dann erwartungsvolle Stille. Das Gespräch zwischen dem Papst und den Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands dauert länger als geplant. Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Rätselraten. Erst als die den Papst begleitenden Vatikan-Journalisten auf die Empore geführt werden, ist klar, dass es gleich losgehen wird.

Freiluftmesse auf dem Domplatz Erfurt mit Papst Benedikt.
Freiluftmesse auf dem Domplatz Erfurt mit Papst Benedikt.© TLZ | Peter Michaelis

Was dann passiert, enttäuscht die hochgesteckten Erwartungen. Zwar würdigt Benedikt in seiner Ansprache Luthers Ringen um Gott, der entscheidende Satz aber fällt danach: Nein, „ökumenische Geschenke“ werde es nicht geben, unterstreicht das Oberhaupt der Katholiken. Ernüchterung macht sich breit. Benedikt betont, im Mittelpunkt der Begegnung habe das gemeinsame Gebet an dem Ort gestanden, wo Luther Theologie studiert hatte und 1507 seine erste Heilige Messe feierte.

Papst Benedikt auf dem Weg zur Heiligen Messe auf dem Erfurter Domplatz.
Papst Benedikt auf dem Weg zur Heiligen Messe auf dem Erfurter Domplatz.© TLZ | Peter Michaelis

Trotz der Ernüchterung in Sachen Ökumene ist der Besuch von Papst Benedikt historisch. Denn auf dem Erfurter Domplatz feiert Benedikt den ersten Papstgottesdienst auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Und sein Besuch in der Marienwallfahrtsstätte in Etzelsbach im Eichsfeld ist theologischer Höhepunkt der Reise und bei den Gläubigen mit großen Emotionen verbunden.

Heilige Messe auf dem Domplatz Erfurt.
Heilige Messe auf dem Domplatz Erfurt.© TLZ | Peter Michaelis

Der Papst-Besuch ist für die TLZ nicht nur eine journalistische, sondern auch eine logistische Herausforderung. Alle Stationen des Besuchs sollen mit Berichterstattern abgedeckt werden. Das enge zeitliche Korsett macht es aber unmöglich, dass ein Reporter an einem Tag mehrere Stationen besucht. Stunden bevor der Papst ankommt, müssen die Journalisten und Fotografen ihre Plätze bezogen haben und dürfen sie erst lange nach Ende der Veranstaltung wieder verlassen. Trotzdem schafft es die TLZ, mit fünf Sonderseiten an zwei Tagen die Leserinnen und Leser umfassend zu informieren.

Besuch von Papst Benedikt XVI. in Etzelsbach
Besuch von Papst Benedikt XVI. in Etzelsbach© TLZ | Jürgen Backhaus

90.000 Besucher sind es allein in Etzelsbach im Eichsfeld, die an der Marienvesper mit Benedikt teilnehmen. Die nahe Autobahn wird gesperrt und zum Parkplatz umfunktioniert. Von dort können die Menschenmassen zu Fuß zu der kleinen Kapelle pilgern, die an diesem Tag weltweit bekannt wird. Die weite Wiesenlandschaft rund um die kleine Kapelle bot Platz genug für die Menschenmassen. „Tief haben sich die Bilder von Etzelsbach in die Herzen der Menschen eingeprägt“, sagte der damalige Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, der TLZ.

Das Papstbuch dieser Zeitung wurde in der Wallfahrtskapelle Etzelsbach präsentiert. Mit dabei waren unter anderem Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Landrat Werner Henning, Propst Heinz Josef Durstewitz, Fabian Klaus, Gerlinde Sommer und Hartmut Kaczmarek für die TLZ.
Das Papstbuch dieser Zeitung wurde in der Wallfahrtskapelle Etzelsbach präsentiert. Mit dabei waren unter anderem Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, Landrat Werner Henning, Propst Heinz Josef Durstewitz, Fabian Klaus, Gerlinde Sommer und Hartmut Kaczmarek für die TLZ.© TLZ | Peter Michaelis

Es gab Gesang und Gebete, eine Marien-Meditation. Etzelsbach war der emotionale Höhepunkt der Papstreise. Beeindruckend für die Besucher waren auch die Strahlen der im Abendrot untergehenden Sonne, die dieses „Fest des Glaubens“ (so titelte die TLZ) in ein unvergessliches Erlebnis verwandelten.