Nachdem Martin Luther die Kirche reformiert hatte, gab es zahlreiche Konflikte und Kriege, in denen Katholiken und Protestanten gegeneinander kämpften. Selbst nach dem 30-jährigen Krieg waren die Streitigkeiten keineswegs überall beigelegt, wenngleich der Westfälische Friede von 1648 zwar keine Religionsfreiheit garantierte, aber eine großzügige Haltung gegenüber Andersgläubigen einforderte.

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Zu Beginn der 1730er Jahre spitzte sich der Konflikt im österreichischen Salzburg erneut zu, denn der seit 1727 neu eingesetzte Erzbischof Leopold Anton von Firmian war ein glühender Verfechter der Gegenreformation und hatte sich zum Ziel gesetzt, alle Protestanten in seinem Einflussbereich zu konvertieren oder sie zu vertreiben.

Blick aus dem Türmerstübchen
Blick aus dem Türmerstübchen der Saalfelder Johanneskirche auf den Saalfelder Markt, auf dem sich einst die Glaubensflüchtlinge einfanden.© OTZ | Guido Berg

Damals lebten vor allem auf dem Land viele evangelische Christen, die ihren Glauben aber nur im Untergrund ausleben konnten. Der Erzbischof holte schließlich Jesuiten ins Land, die Loyalitätsbekundungen gegenüber der katholischen Kirche einforderten. Wer diesen nicht nachkam, wurde ausgewiesen. Als sich schließlich herausstellte, dass in Salzburg und seiner Umgebung mehr als 20.000 Protestanten lebten, eskalierte die Lage. Mittels eines Emigrationspatents vom 31. Oktober 1731 verwies der Erzbischof die ungeliebten Menschen des Landes. Wer mittellos war, musste binnen acht Tagen gehen; wer Besitz hatte, bekam bis zu drei Monate Zeit. Somit flohen in einer ersten Welle zahlreiche Menschen gen Norden. Denn zwischenzeitlich hatte sich der preußische König Friedrich Wilhelm I. als Retter der Protestanten inszeniert und diese „eingeladen“, nach Preußen überzusiedeln. Das Ganze war natürlich nicht ohne Eigennutz geschehen, denn in Ostpreußen benötigte der Hohenzoller die willkommenen Arbeitskräfte.

Nach und nach zogen die Salzburger „Exulanten“, wie sie damals genannt wurden, vor allem im Frühjahr und Sommer 1732 nach Preußen und wurden auf ihrem Weg in protestantischen Gegenden wie Helden gefeiert. Dabei passierten die Flüchtlingstrecks, die zumeist aus rund 1000 Personen (mitunter auch mehr) bestanden, auch Thüringen.

Für Saalfeld sind mindestens drei Durchzüge der Salzburger belegt. Herzog Christian Ernst von Sachsen-Saalfeld bereitete den Geflüchteten jeweils einen gebührenden Empfang. Nicht nur wurden vor dem Eintreffen Kollekten gesammelt, die die Not der Menschen lindern sollten. Der Herzog sorgte außerdem für die „liebreiche Aufnahme“ und die „christliche Verpflegung“ vor Ort. Der Einzug und die Unterbringung der Menschen folgten einem von Christian Ernst festgelegten „Reglement“. Hierbei wurden die Salzburger durch die Bürgerschaft von Saalfeld begrüßt, während in der ganzen Stadt die Glocken läuteten. Auf dem Weg zum Markt sangen die Menschen unter anderem die Lieder „O Herr Gott, dein göttlich Wort“ und „Verzage nicht, du Häuflein klein“. Des Weiteren wurde die Kollekte ausgezahlt und Gottesdienste vor Ort abgehalten. Saalfeld beherbergte so mehr als 3700 Menschen. Auch durch andere thüringische Orte, wie etwa Lobenstein und Ebersdorf, zogen die Salzburger in jenem Jahr.