Außerhalb der Geburtsstadt von Friedrich August Stüler werden hierzulande wohl nur wenige Menschen seinen Namen kennen. Anders dagegen in Berlin und Potsdam, denn der Thüringer gehörte zu den bedeutendsten Architekten, die einstmals in den preußischen Residenzen wirkten.

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Geboren wurde Stüler am 28. Januar 1800 als Sohn eines Diakons in Mühlhausen. Hier besuchte er zwischen 1810 und 1817 das Gymnasium und nahm dazu privaten Zeichen- und Mathematikunterricht. Außerdem ließ er sich in Erfurt zum Feldmesser (Landvermesser) ausbilden.

Im Bild ist die Mühlhäuser Marienkirche.
Friedrich August Stüler lieferte 1846 die Pläne zur Sanierung der Mühlhäuser Marienkirche, die allerdings erst gut 20 Jahre nach seinem Tod ausgeführt wurden.© Daniel Volkmann | Daniel Volkmann

Der Vater sah den Sohn eigentlich als künftigen Theologen, doch Stüler ging vielmehr nach Berlin und ließ sich an der Bau- und Kunstakademie zwischen 1819 und 1827 zum Baumeister ausbilden. Stüler war ein Schüler des bedeutenden Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Anschließend reiste Schüler nach Italien und gewann dort zahlreiche Eindrücke, die prägend für seine künftigen Projekte wurden. In schneller Folge stieg Stüler innerhalb der preußischen Schlossbaukommission auf und wurde bereits 1830 zum Baurat ernannt. Doch zunächst blieb es bei wenigen Aufträgen, vor allem für wohlhabende Privatleute, und einer Lehrtätigkeit an der Berliner Kunstakademie.

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Friedrich August Stüler wurde 1842 unter Friedrich Wilhelm IV. zum Architekten des Königs ernannt. Er gehört auch zu den Gründern des Architektenvereins zu Berlin. © Daniel Volkmann | Daniel Volkmann

Stülers Stunde schlug mit dem Regierungsantritt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. 1840, denn gleichzeitig schied sein Lehrmeister Schinkel aus gesundheitlichen Gründen als Oberlandesbaudirektor aus. Stüler etablierte sich als „Architekt des Königs“ und trat an die Spitze des preußischen Bauwesens. So plante Stüler drei maßgebliche Bauten, die als ideelles Zentrum Berlins galten. Zum einen den Berliner Dom, der allerdings in der von ihm erdachten Form nie gebaut wurde. Zum anderen das 1855 entstandene Neue Museum und schließlich die Schlosskapelle. Zahlreiche weitere Berliner Kirchenbauten gehen auf Stülers Pläne zurück. So etwa die St.-Jacobi-Kirche oder die St.-Matthäus-Kirche. Auch gestaltete er die Potsdamer Friedenskirche.

Schwäbische Alb - Burg Hohenzollern
Luftaufnahme der Burg Hohenzollern bei Hechingen auf der Schwäbischen Alb, für die Friedrich August Stüler 1850 einen Auftrag des Königs erhielt.© picture-alliance/ dpa | Carsten Schmidt

Mit einem besonders prestigeträchtigen Projekt beauftragte Friedrich Wilhelm IV. „seinen“ Architekten ab 1850, da er sich um den Wiederaufbau der Burg Hohenzollern bei Hechingen, also den Stammsitz der Hohenzollern, kümmern sollte.

Seine thüringische Heimat hatte der Architekt dennoch nicht ganz vergessen, wenngleich das Zentrum seines Schaffens klar in Preußen lag. So lieferte Stüler 1846 die Pläne zur Sanierung der Mühlhäuser Marienkirche, die allerdings erst gut 20 Jahre nach seinem Tod ausgeführt wurden. Zudem entwarf er den Marstall in Bad Liebenstein und lieferte Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen die Pläne für dekorative Möbel.

Müffling-Büste im Brühler Garten wieder saniert
Das Grabmal des preußischen Generalfeldmarschalls und Landvermessers Karl von Müffling, genannt Weiß (1775–1851), im Brühler Garten in Erfurt.© Funke Medien Thüringen | Markus Stelle

Auf Stüler geht auch das Grabmal für den preußischen Generalfeldmarschall Karl von Müffling, genannt Weiß, zurück, welches 1853 in Erfurt aufgestellt wurde und sich bis heute im Brühler Garten befindet. Eines seiner Spätwerke war schließlich der Meininger Marstall, welcher zwischen 1854 und 1858 gebaut wurde.

Der Thüringer gilt bis heute als bedeutendster Architekt jener Generation, die nach Karl Friedrich Schinkel das Zepter übernahm. Er starb am 18. März 1865 in Berlin und wird durch ein Ehrengrab der Stadt Berlin in Erinnerung gehalten.