Wer einen Dinosaurier als Haustier halten will, braucht vor allem eines: ziemlich viel Platz – und einen Tieflader. Das ist schnell ersichtlich, wenn man derzeit am Thüringen Park in Erfurt unterwegs ist. Rund 70 lebensgroße Dinosaurier sind dort noch kurze Zeit zu Gast. Der mobile „Jurassic Freizeitpark – Giganten der Urzeit“ ist jedoch kein Museum und schon gar kein gewöhnlicher Freizeitpark. Er zieht von Stadt zu Stadt und bringt seine Urzeitriesen dorthin, wo sie heute vermutlich niemand mehr erwartet: auf Parkplätze und Veranstaltungsflächen.

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Die Idee dazu entstand vor etwa zehn bis zwölf Jahren. David Justin Freiwald war schon als Kind Dinofan. „Bei uns hat es mit ,Littlefoot‘ angefangen“, erzählt er. Irgendwann wurde aus der Begeisterung eine Geschäftsidee. Im Urlaub sah die Familie in Amerika einen mobilen Dinopark und beschloss, so etwas auch nach Deutschland zu bringen. Vier Jahre später begann die konkrete Umsetzung, vor acht Jahren startete der mobile Dino-Park. „Manche betreiben ein Hüpfburgenland, andere machen Zirkus. Wir haben uns für einen Dinosaurierpark entschieden“, sagt Freiwald.

Jurassic Freizeitpark in Erfurt

  • Noch bis 13. September in Erfurt
  • Veranstaltungsort: am Thüringen Park
  • Täglich: 14 bis 18; Samstag, Sonntag & Feiertage: 11 bis 18 Uhr

Seitdem reist die Familie mit ihrer ziemlich ungewöhnlichen Haustier-Sammlung durch Deutschland. Die Dinosaurier werden eigens für den Park angefertigt. Vieles daran ist Handarbeit, an einem großen Modell können die Hersteller bis zu einem halben Jahr arbeiten, sagt der Dino-Chef. Dabei kooperieren die Konstrukteur:innen mit Archäologen und orientieren sich bei Form und Farbgebung an dem, was über die Tiere anhand von Originalfunden bekannt ist.

Auch der Umzug eines solchen Parks ist eine kleine logistische Großtat. Für die Modelle gibt es Kräne, Teleskopstapler und spezielle Tieflader. Für einen Umzug werden 20 Spezial-Lkw benötigt. Der Abbau dauert etwa zweieinhalb Tage, der Aufbau rund fünf. „In dieser Zeit arbeiten wir allerdings wirklich von früh bis abends“, sagt Freiwald. Für Außenstehende dürfte das ungefähr so aussehen, als würde jemand einen ganzen Zoo umziehen. Nur dass die Bewohner seit 66 Millionen Jahren nicht mehr selbst mithelfen können.

KI-Modelle bewegen sich

Im Park stehen die Dinos allerdings nicht einfach dekorativ herum. Einige Modelle können bestiegen oder beklettert werden, andere sind beweglich. Bei den sogenannten KI-Modellen bewegen sich etwa Kopf, Arme, Mund und Augenlider; manche zeigen sogar Atembewegungen. Strom an, Dino an. Nur die Beine bleiben dort, wo sie sind.

Die Mischung aus Erlebnis und Information ist Teil des Konzepts. Auf den Tafeln erfahren Besucher:innen unter anderem, wie groß die Tiere waren, wo sie lebten, wo ihre Überreste gefunden wurden, was sie fraßen und wie ihre Knochen aufgebaut waren. Dazu kommen Kletter- und Streicheldinos, Hüpfburgen, Rutschen und ein Ausgrabungscamp. Hauptsächlich kommen Familien, doch auch Jugendliche interessieren sich für die Ausstellung. „Unser Publikum ist wirklich bunt gemischt“, sagt Freiwald.

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Dass Dinosaurier offenbar eine erstaunlich langlebige Karriere als Publikumslieblinge haben, wundert ihn nicht. Neue Filme und Serien, Dinosaurier-Spielzeug bei McDonald’s – der Urzeit-Hype hält sich hartnäckig. Besonders beliebt sind die Klassiker: T-Rex und Brachiosaurus. Freiwald selbst favorisiert den Brachiosaurus: „Er ist einfach der größte und vom gesamten Aufbau her meiner Meinung nach der schönste Dinosaurier.“

Die kleinen Dino-Profis wissen Bescheid

Und manchmal sind die Besucher:innen den Betreibern sogar eine Nasenlänge voraus. David Freiwald berichtet von Kindern, die bereits im Grundschulalter nahezu jede Dinosaurierart erkennen. Wenn ein Mitarbeiter einmal ein Schild am falschen Modell aufstellt, kann es deshalb passieren, dass ein Sechsjähriger korrigierend eingreift: „Das ist nicht der. Das ist der andere. Ihr habt die Schilder vertauscht“, zitiert der Dino-Papa junge Gäste.

Nach dem Gastspiel in Erfurt zieht die mobile Urzeitkolonne weiter nach Chemnitz. Laut Freiwald kehrt der Park aber etwa alle zwei Jahre in dieselbe Region zurück. Ein Wiedersehen mit Thüringer Dino-Fans ist demnach in absehbarer Zeit möglich. Und wer es nicht so lange aushält, wie wäre es mit einem Miet-Dino? Denn Saurier stehen nicht nur im Park herum. Auch an Kinos, Einkaufszentren oder Kindergeburtstage werden die Urzeit-Tierchen vermietet. Naja, wir sagten ja: Haustiere sind Geschmackssache.