Wer mit aufmerksamem Blick von Rudolstadt in Richtung Saalfeld fährt, wird in Wöhlsdorf linker Hand der B85 ein monumentales Denkmal entdecken. Es ist einem Mann gewidmet, der hier „kämpfend für sein Vaterland“ vor genau 220 Jahren sein Leben ließ.

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Damals begannen sich jene verhängnisvollen Ereignisse zu entfalten, die wenige Tage später in der Niederlage des preußisch-sächsischen Heeres bei Jena und Auerstedt gipfelten. Das Gefecht bei Saalfeld vom 10. Oktober 1806 und sein Hauptakteur stehen allerdings ein wenig im Schatten der großen Niederlage.

Preußen stellt Frankreich Ultimatum und droht mit Krieg

Im Herbst des Jahres 1806 standen das Zeichnen im Deutschen Raum neuerlich auf Krieg. Der preußische König Friedrich Wilhelm III., gedrängt durch die Kriegspartei im eigenen Land, stellte an Frankreich ein Ultimatum: Entweder man hält sich an die 1805 besiegelte Neutralität und zieht französische Truppen hinter den Rhein zurück, oder es gibt Krieg. Napoleon ließ sich von den Drohungen aus Berlin nicht beeindrucken und mobilisierte vielmehr seine Soldaten.

Dass es zu einem Konflikt mit dem Korsen kommen würde, ahnte bereits ein Jahr zuvor Prinz Louis Ferdinand von Preußen, als er sagte, es werde Krieg geben. In beinahe prophetischer Vorahnung fügte er hinzu: „Statt ihn mit Glanz zu führen, wie wir hätten tun sollen, wird die Last auf uns fallen.“

Der Prinz gehörte zu jenen Anhängern der Kriegspartei in Preußen, die den König zum Handeln zwingen wollten. Friedrich Wilhelm III. galt er als „Enfant terrible“ des Königshauses, da der 1772 Geborene – immerhin ein Neffe Friedrichs des Großen – als Lebemann galt, der nicht mit Geld umgehen konnte und zahlreiche Affären inklusive unehelicher Kinder hatte. Dem entgegen stand die große Popularität des 33-Jährigen, der sich im 1. Koalitionskrieg gegen Frankreich auszeichnete und vielen seiner Soldaten als Vorbild galt. Er sei, so die langläufige Meinung der Untergebenen, „ein Mensch wie wir“ und „gar nicht hochmütig“.

Mosnier, Jean Laurent (Grassi): Prinz Louis Ferdinand, GK I 9044.
Überzeugter Militär und passionierter Musiker: Prinz Louis Ferdinand, gemalt von Jean Laurent Mosnier 1799, starb in jungen Jahren auf dem Schlachtfeld zwischen Rudolstadt und Saalfeld. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Berlin-Brandenburg; Foto-Inventar-Nr.: F0013997; Fotograf: Handrick, Roland; Aufnahmedatum: 1999© BM | bm

Anfang Oktober 1806 sollte sich nun das preußische Heer, unterstützt durch Truppen aus Sachsen und Sachsen-Weimar, in Thüringen sammeln. Die napoleonischen Truppen rückten ihrerseits vom Main aus in dieselbe Gegend vor.  

Vormarsch scheitert an französischem Gegenangriff

Ein Teil der Preußen und Sachsen hielt die Pässe im Thüringer Wald besetzt, der andere befand sich im Raum Schleiz. Hier kam es am 9. Oktober zu einem ersten Gefecht zwischen Preußen und Franzosen, welches letztere für sich entschieden. Louis Ferdinand stand unterdessen als Teil des Armeekorps des Fürsten Friedrich Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen am Abend desselben Tages in Rudolstadt.

Die Franzosen hatten währenddessen bereits die günstigeren Höhen rechts der Saale bei Saalfeld besetzt und sich so eine wesentlich bessere Ausgangsposition geschaffen. Louis Ferdinand erhielt nun den Befehl, mit der Avantgarde den Saaleübergang bei Rudolstadt zu halten. Dennoch entschied sich der Generalleutnant, auf Saalfeld vorzugehen, indem er am Morgen des 10. Oktober seine Truppen zwischen Rudolstadt und Volkstedt sammelte. Zwar gelang es ihm im Laufe des Vormittags, bis an die Stadtgrenze von Saalfeld vorzudringen. Doch das Kriegsglück stand nicht aufseiten der preußisch-sächsischen Truppen, da die Franzosen ihrerseits die rechte Flanke des Prinzen umgingen und ihn so nach mehrstündigem Kampf zum Rückzug zwangen.

Statt aufzugeben, beschimpft er Husaren als Lausbuben

Louis Ferdinand gelang es noch, einen Teil seiner Männer zu motivieren, das Gefecht wieder aufzunehmen, doch geriet er in der Nähe von Wöhlsdorf in einem Hohlweg mit mehreren französischen Husaren aneinander, die ihn erheblich verwundeten. Die Aufforderung eines Husaren „Rendez-vous, général, ou je vous tue!“ (Ergeben Sie sich, General, oder ich töte Sie!) erwiderte der Prinz mit einem Säbelhieb und dem Ausruf „Non, coquin!“ (Nein, du Lausbub!).

Auf welche Weise Louis Ferdinand schließlich fiel, ist umstritten. Eine populäre Variante spricht von einem Blankwaffenstich in die Brust. Die Leiche des Adeligen konnten die eigenen Truppen zunächst nicht bergen, da sie sich in Richtung Schwarza und Rudolstadt, teils chaotisch durch die Saale flüchtend, zurückzogen. Louis Ferdinand wurde anschließend in der Fürstengruft der Saalfelder Johanniskirche beigesetzt und erst 1811 nach Berlin überführt. Der Tod des jungen Offiziers drückte die Moral der eigenen Truppen erheblich.

Als Held mit Gedenkstein und Schinkel-Denkmal geehrt

Vielen Zeitgenossen galt der tote Prinz später als Held. Noch 1857 beschrieb ihn Theodor Fontane als „Kriegsgott“ und „Liebling der Genossen“. Daher wurde dem Adeligen schon 1808 ein erster, schlichter Gedenkstein an der Stelle seines Todes gesetzt. 1821–23 folgte dann das eingangs erwähnte, vom bekannten Architekten Carl Friedrich Schinkel entworfene Denkmal.