An diesem Wochenende starten bei uns in Thüringen die Herbstferien. Doch schon in der letzten Schulwoche herrschte bei uns zu Hause eine ganz besondere Aufregung: Im Flur standen gepackte Koffer und Rucksäcke voll mit ungesundem Zeug, Handy und Ladekabel – meine Kinder haben die Woche auf Klassenfahrt verbracht.

Wenn der Alltag plötzlich entschleunigt wird

Wenn die Kinder unterwegs sind, bedeutet das für mich wie für viele andere Eltern: Tschüss sagen, den Bussen hinterherwinken und die Kinder in ihr eigenes, kleines Abenteuer verabschieden.

Und zu Hause? Da ist es plötzlich still. Es kehrt ein anderer Rhythmus ein – nämlich mein eigener. Ich stehe auf, wenn ich zur Arbeit muss, nicht wenn meine Kinder zur Schule müssen. Morgens muss ich keine Pausenbrote schmieren, nachmittags keine Fahrdienste übernehmen und mal nicht im Kopf die Liste an Hausaufgaben, Terminen und Erledigungen abarbeiten.

Sonntag

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Ich erlebe plötzlich einen Freiraum, den wir Mütter uns im Alltag viel zu selten zugestehen. Wir stellen unsere eigenen Bedürfnisse hinten an. Doch nach Feierabend einfach eine Tasse Kaffee trinken, am Abend ganz spontan entscheiden, worauf ich gerade Lust habe, oder einfach mal die Stille genießen: Das ist kein Luxus, sondern Selbstfürsorge. Es ist eine heilsame Erfahrung auf Zeit, die mich an eine Kunst erinnert, die im vollen Familienalltag manchmal zu kurz kommt: das Loslassen. Die eigenen Kinder Schritt für Schritt ziehen lassen – im Vertrauen darauf, dass sie gut aufgehoben sind, dass sie an ihren eigenen Erfahrungen wachsen und ihren eigenen Weg gehen werden.

Zeit für Pausen erkennen und bewusst genießen

In der Bibel, im Buch Kohelet, begegnet mir dazu ein Satz, der mich genau daran erinnert. „Alles hat seine Zeit.“ Es gibt für mich als Mama eine Zeit des engen Miteinanders, eine Zeit des Alltagstrubels, des Sorgens, Behütens und Organisierens. Und es gibt eine Zeit für mich, fürs Innehalten und fürs Durchatmen. Beides darf und beides muss sein. Für mich sind diese Tage eine Zeit des Krafttankens für unseren bunten Alltag. Aber auch als eine Zeit der Sehnsucht und des Vermissens.

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie sich mal eine Pause gönnen können – ganz ohne schlechtes Gewissen oder das Gefühl, etwas zu vernachlässigen. Dass Sie durchatmen und Ihren eigenen Rhythmus genießen können, um sich dann auch wieder auf das Chaos, den Trubel und die Abwechslung zu freuen, die hoffentlich schon ganz bald wieder zurückkehren werden.