30.000 Menschen sind an diesem 14. Mai 1998 in Eisenach begeistert. Sie haben sich auf dem Marktplatz versammelt, um US-Präsident Bill Clinton zu feiern, der an diesem Tag die Wartburgstadt gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl besucht. Es ist heiß, die Sonne brennt unbarmherzig auf die Massen herab. Zwei Stunden vorher musste man bereits da sein, der Zugang wurde strikt kontrolliert. Glücklich ist, wer einen Sonnenschutz hat und ein kleines Getränk dabei. Clinton würdigt in seiner mit Spannung erwarteten Rede vor allem die friedliche Wende in der DDR. „Unterschätzen Sie nie, was Sie als freie Menschen aus Ihren Träumen machen konnten“, ruft er den begeisterten Massen zu. Es ist der Satz, der sich später auch auf der Gedenktafel am Rathaus wiederfindet, mit dem die Stadt an den Besuch Clintons erinnert.

Sonntag

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Die Sicherheitsvorkehrungen bei diesem Besuch sind – wie immer bei US-Präsidenten – enorm, denn: Clinton besteht darauf, nicht nur vom Balkon des Rathauses zu sprechen, sondern auch eine kleine Strecke durch die Fußgängerzone zu Fuß zu gehen.

Das Personal in Läden und Lokalen ist überprüft worden. In der City fallen viele junge Damen und Herren auf, die scheinbar unbeteiligt in den Außenbereichen der Restaurants und Cafés Platz genommen haben, trotz der Hitze ihre ausgebeulten Jacketts nicht ablegen – und wer genau hinschaut, kann auch den kleinen Knopf im Ohr entdecken.

Amerikas Secret Service hat an diesem Tag die Wartburgstadt fest im Griff – aber alles soll ganz normal erscheinen. Als Clinton mit dem damaligen Eisenacher Oberbürgermeister Hans-Peter Brodhun die vorher exakt festgelegte Strecke durchläuft, ist alles in bester Ordnung. Sobald der Präsident und der ihm folgende Tross an den wartenden Secret-Service-Agenten vorbei sind, stehen die auf und verschwinden schnell – Arbeit erfolgreich getan.

Ziel des Spaziergangs durch die Innenstadt ist das Bachhaus, wo ein Konzert auf historischen Tasteninstrumenten vorbereitet war. Danach geht es – was bei einem Eisenach-Besuch nicht fehlen darf – auf die Wartburg, wo sich Clinton in das goldene Buch der Stadt einträgt und bei einem kurzen Rundgang die historische Burg besichtigt. Am Abend spielt die Landeskapelle Eisenach Ausschnitte aus der Oper „Tannhäuser“ im Rahmen eines festlichen Empfangs.

Clinton war aus Berlin gekommen, wo er an den 50. Jahrestag der Luftbrücke erinnert und Deutsche sowie Amerikaner zur Verteidigung der Freiheit aufgerufen hatte. Als Gast des Eisenacher Opel-Werkes bezeichnete er die Fabrik als ein Symbol, das aller Welt zeige, was in den östlichen Bundesländern, die er zum ersten Mal besuchte, geleistet werde.

Die Eisenacher sind an diesem Tag stolz und zufrieden, trotz der vielen Behinderungen durch die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Zufrieden ist auch Theo Brenig (+2025). Der Promi-Jäger aus dem Rheinland hat es auch an diesem Tag mit Witz und Wagemut geschafft, alle Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden und ein Foto zu schießen, das ihn an der Seite von Bill Clinton zeigt. Wie er das angestellt hat, das wollte er allerdings auch der TLZ nicht verraten.