Am Mittwoch, 13. April 1994, standen nicht nur in Weimar große Teile der Innenstadt unter Wasser, auch in anderen Städten Mittelthüringens erschwerte die Hochwasserkatastrophe das Leben und die Arbeit. Redakteure und Redakteurinnen brachten von unterwegs Erlebnisse und Fotos mit. Da die fertigen Seiten nicht wie heute auf elektronischem Wege übermittelt werden konnten, war schon gegen Mittag Redaktionsschluss. Teils auf höher gelegenen Feldwegen und auf riesigen Umwegen ging es in die Druckerei in Erfurt. Der Umfang der Ausgabe war reduziert, die TLZ erschien am Donnerstag, 14. April 1994, mit dem Banner „Notausgabe“ auf der Titelseite.
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Berichtet wurde vom Leid der Menschen, von überfluteten Wohnungen und Häusern, vom Dauereinsatz der Feuerwehr in ganz Mittelthüringen. Großflächige Überschwemmungen gab es an der Saale, Schwarza, Gera, Werra und deren Zuflüssen. Ursache waren starke Niederschläge sowie das Abtauen größerer Schneemengen in den Mittelgebirgen. Tausende Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren tagelang im Dauereinsatz. Bei diesem April-Hochwasser 1994 wurden in Thüringen mehrere Personen verletzt und zwei Menschen getötet. Die Gesamtschadenssumme belief sich auf rund 165,13 Millionen D-Mark, wobei allein 40 Millionen DM auf kommunales Eigentum und 55,3 Millionen DM auf die Verkehrsinfrastruktur entfielen, wie später das Thüringer Umweltministerium bilanzierte.

Für die Einwohner der betroffenen Regionen hieß das Motto: „Retten, was noch zu retten war“ – so der Titel einer der zahlreichen TLZ‑Sonderseiten. Der Strom fiel stundenlang aus, 50 Bewohner im Erfurter Ortsteil Bischleben mussten aus ihren Häusern per Boot evakuiert werden. In Neudietendorf musste ein Mann seine betagte Mutter aus ihrem Haus tragen und in Sicherheit bringen. In Erfurt und Weimar wurden Notquartiere beispielsweise in Turnhallen der Schulen eingerichtet. Auch die Bundeswehr half mit fünf Schlauchbooten und jeweils zehn Mann Besatzung bei den Evakuierungsmaßnahmen rund um die Landeshauptstadt. Besonders kritisch war die Lage am Gebeseer Damm unterhalb von Erfurt. Es wurde sogar die Möglichkeit einer Teilsprengung des Damms geprüft. Diese allerletzte Notmaßnahme war dann doch nicht erforderlich.
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Stark betroffen war auch der Südteil des Weimarer Landes. In Tannroda an der B 85 war die Ilm zu einem reißenden Fluss geworden, ebenso wie in den Orten weiter flussabwärts. Das Dörfchen Thangelstadt mit seinen damals 360 Einwohnern war von der Außenwelt abgeschnitten. In Bad Berka mussten Häuser geräumt werden.

Rainer Simmen, der seinerzeit Leiter des Thüringer Talsperrenbetriebes war, reagierte wie viele andere Experten fassungslos: „An so viel Wasser kann sich bei uns keiner erinnern“, sagte er der TLZ. Auch die Rekordflut von 1981 sei übertroffen worden. In den Krisenregionen des Freistaates gingen binnen kurzer Zeit zwischen 60 und 100 Liter Regen je Quadratmeter nieder. Die Gera im Raum Erfurt, die Nesse und die Hörsel im Raum Eisenach und Saale und Schwarza in der Region Rudolstadt führten teilweise Wassermassen, die den Normalpegel um bis zu vier Meter überstiegen.


















