Am Mittwoch, 13. April 1994, standen nicht nur in Weimar große Teile der Innenstadt unter Wasser, auch in anderen Städten Mittelthüringens erschwerte die Hochwasserkatastrophe das Leben und die Arbeit. Redakteure und Redakteurinnen brachten von unterwegs Erlebnisse und Fotos mit. Da die fertigen Seiten nicht wie heute auf elektronischem Wege übermittelt werden konnten, war schon gegen Mittag Redaktionsschluss. Teils auf höher gelegenen Feldwegen und auf riesigen Umwegen ging es in die Druckerei in Erfurt. Der Umfang  der Ausgabe war reduziert, die TLZ erschien am Donnerstag, 14. April 1994, mit dem Banner „Notausgabe“ auf der Titelseite.

Goethe-Galerie in Jena eröffnete vor 30 Jahren: Wie es auf der Baustelle ausgesehen hat

Richtfest Goethe Galerie Jena
Die Goethe-Galerie in Jena wurde am 29. Februar 1996 eröffnet. Ein Jahr zuvor zum Richtfest war das Areal noch eine Großbaustelle.© FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Entstanden sind das Einkaufszentrum, ein Hotel und der Bürokomplex auf einem Teil des früheren Werkgeländes von Zeiss.© FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Vor der Wende hatten hier tausende Menschen gearbeitet. Nach den Abrissarbeiten und dem ersten Spatenstich zeigte sich Ende 1993 dieses Bild. © FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Aufwändig war das Gelände für den Neubau beräumt worden. © FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Danach wuchsen langsam die neuen Gebäude in die Höhe. Im Hintergrund ist das Jenoptik-Hochhaus zu sehen. © FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Gebaut wurde die Goethe-Galerie von der Grundag Bauconsult GmbH, die 280 Millionen D-Mark investierte. © FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
7200 Lkw-Ladungen mit Fertigbeton wurden für den Bau angeliefert. © FMG | Günter Rybka
Richtfest Goethe Galerie Jena
Das große Interesse vor der Neueröffnung zeigte sich bereits beim Richtfest. Heute befindet sich an dieser Stelle die Hauptpassage.© FMG | Günter Rybka
Richtfest Goethe Galerie Jena
Die Richtkrone wird auf das Gebäude gehoben.© FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Bis zu sieben Kräne und 150 Bauarbeiter waren zeitgleich im Einsatz. © FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Einen Rückschlag gab es 1994: Durch ein Hochwasser der Leutra war die Baugrube mit Wasser vollgelaufen. Einige Fahrzeuge verschwanden in den Fluten.© FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Bald darauf wurde aber weitergebaut – auch bei Schnee, wie hier Ende 1994.© FMG | Günter Rybka
Neubau Goethe Galerie Jena
Die für die Goethe-Galerie typische Rotunde ist schon zu erkennen.© FMG | Günter Rybka
Richtfest Goethe Galerie Jena
Und war zum Richtfest ein beliebter Ort für Gespräche.© FMG | Günter Rybka
Richtfest Goethe Galerie Jena
Wie aufmerksam die Menschen in Jena den Bau der Goethe-Galerie verfolgten, zeigt dieses Bild.© FMG | Günter Rybka

Berichtet wurde vom Leid der Menschen, von überfluteten Wohnungen und Häusern, vom Dauereinsatz der Feuerwehr in ganz Mittelthüringen. Großflächige Überschwemmungen gab es an der Saale, Schwarza, Gera, Werra und deren Zuflüssen. Ursache waren starke Niederschläge sowie das Abtauen größerer Schneemengen in den Mittelgebirgen. Tausende Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte waren tagelang im Dauereinsatz. Bei diesem April-Hochwasser 1994 wurden in Thüringen mehrere Personen verletzt und zwei Menschen getötet. Die Gesamtschadenssumme belief sich auf rund 165,13 Millionen D-Mark, wobei allein 40 Millionen DM auf kommunales Eigentum und 55,3 Millionen DM auf die Verkehrsinfrastruktur entfielen, wie später das Thüringer Umweltministerium bilanzierte.

Hochwasser 13./14. April 1994
Hochwasser 1994: Hier am Einlauf des Asbach am Stadion in Weimar.© Archiv

Für die Einwohner der betroffenen Regionen hieß das Motto: „Retten, was noch zu retten war“ – so der Titel einer der zahlreichen TLZ‑Sonderseiten. Der Strom fiel stundenlang aus, 50 Bewohner im Erfurter Ortsteil Bischleben mussten aus ihren Häusern per Boot evakuiert werden. In Neudietendorf musste ein Mann seine betagte Mutter aus ihrem Haus tragen und in Sicherheit bringen. In Erfurt und Weimar wurden Notquartiere beispielsweise in Turnhallen der Schulen eingerichtet. Auch die Bundeswehr half mit fünf Schlauchbooten und jeweils zehn Mann Besatzung bei den Evakuierungsmaßnahmen rund um die Landeshauptstadt. Besonders kritisch war die Lage am Gebeseer Damm unterhalb von Erfurt. Es wurde sogar die Möglichkeit einer Teilsprengung des Damms geprüft. Diese allerletzte Notmaßnahme war dann doch nicht erforderlich.

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Stark betroffen war auch der Südteil des Weimarer Landes. In Tannroda an der B 85 war die Ilm zu einem reißenden Fluss geworden, ebenso wie in den Orten weiter flussabwärts. Das Dörfchen Thangelstadt mit seinen damals 360 Einwohnern war von der Außenwelt abgeschnitten. In Bad Berka mussten Häuser geräumt werden.

Pegel
Die Flüsse und Bäche im Landkreis Sömmerda haben aufgrund der langen Hitze und Trockenheit extrem niedrige Pegel. Auch die Gera in Ringleben ist nur noch ein Rinnsal. An der Brücke angezeichnet sind die Hochwasserstände von 1946, 1981 und der höchste Stand von 1994.© Ilona Stark

Rainer Simmen, der seinerzeit Leiter des Thüringer Talsperrenbetriebes war, reagierte wie viele andere Experten fassungslos: „An so viel Wasser kann sich bei uns keiner erinnern“, sagte er der TLZ. Auch die Rekordflut von 1981 sei übertroffen worden. In den Krisenregionen des Freistaates gingen binnen kurzer Zeit zwischen 60 und 100 Liter Regen je Quadratmeter nieder. Die Gera im Raum Erfurt, die Nesse und die Hörsel im Raum Eisenach und Saale und Schwarza in der Region Rudolstadt führten teilweise Wassermassen, die den Normalpegel um bis zu vier Meter überstiegen.