Neben der Bratwurst sind es die Thüringer Klöße, die nicht nur zur kulinarischen Identität unseres Landes gehören, sondern auch Kulturgut sind. Doch woher stammen sie und seit wann gibt es sie bei uns?

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Würde man Vogtländer und Thüringer fragen, wer die aus rohen Kartoffeln gemachten Klöße erfunden hat, würden wohl beide für sich die Urheberschaft beanspruchen. Fakt ist, dass die eigentliche Herkunft des Kloßes im Dunkeln liegt. Mitunter ranken sich Sagen und Mythen um die runden Teigbälle. Um Meiningen, wo Klöße „Hütes“ heißen, soll Frau Holle einer Hausfrau das Rezept verraten haben unter dem Siegel der Verschwiegenheit: „Hüt es!“ Doch weil „Heit“ einst „Kopf“ bedeutete und Kohlköpfe „Krautheite“ hießen, könnten Hütes auch eine Anspielung auf die runde Form sein. Gleiches gilt für das im Thüringer Wald verwendete Wort „Höbes“ für Klöße. Es bedeutet schlicht „Klumpen“ oder auch „Kugel“. Eine Ausnahme bildet Lauscha: Dort wird von „Knella“ gesprochen, wenn man Klöße meint. Der Begriff leitet sich von „Knödel“ ab und soll von aus Schwaben und Böhmen eingewanderten Glasmachern geprägt worden sein.

Doch zurück zu den Ursprüngen unseres Nationalgerichts. Es ließe sich annehmen, dass bereits im 18. Jahrhundert, mit der Zunahme des flächendeckenden Kartoffelanbaus im Thüringer Raum, Klöße als Gericht zu finden sind. Doch das älteste Rezept stammt bisher aus dem frühen 19. Jahrhundert und wurde von Friedrich Timotheus Heim, seines Zeichens Pfarrer im westlich von Sonneberg gelegenen Effelder, in einem Buch von 1814 überliefert. Es bleibt also offen, ob die Menschen bereits zuvor Klöße aus rohen Kartoffeln formten, sie im heißen Wasser ziehen ließen und dann mit viel Soß‘ aßen.

Die Kartoffelteigkugeln waren zunächst ein Gericht armer Leute. Besonders in kargen Gegenden wie dem Thüringer Wald, in denen Getreide nur schwerlich anzubauen war, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts Kartoffelmehl als Ersatz für Roggenmehl verwendet. Die damals anfallenden Reste bei der Herstellung sollen dann in der Not der Menschen zu „grünen Klößen“ verarbeitet worden sein, um nichts zu verschwenden.

In früherer Zeit standen Klöße hierzulande mehrfach in der Woche, vor allem donnerstags, auf dem Speiseplan vieler Menschen. Sie wurden nicht nur frisch, sondern auch als „Eingeschnittene“ gegessen. Üblicherweise sollen die Kugeln als Maß eine „solide Männerfaust“ zum Vorbild haben, wie es in einem älteren Bericht heißt. Doch aß man im Gebiet der oberen Schwarza auch kleinere Klöße, eher in der Größe eines Tennisballs. 2010 wurden in Jena mit einem 365 Kilogramm schweren Kloß alle Rekorde gebrochen. Ganze acht Stunden musste er ziehen, ehe man ihn servieren konnte.

Noch mehr über die Geschichte des Nationalgerichts lässt sich in der „Kloßwelt“ in Heichelheim nördlich von Weimar erfahren. Praktischerweise kann man den Besuch des Kloßmuseums gleich noch mit einer Verkostung verbinden, ganz nach dem Motto eines früheren Youtube-Hits: „Thüringer Klöße müssen‘s sein“!