Uraufführung: Weimarer Nachrichten an das All

In Berlin stolpert ein Minister über Fußnoten beziehungsweise deren Fehlen. Auf der Studiobühne des Weimarer DNT macht eine Uraufführung Fußnoten zum Daseinsprinzip: Einige Nachrichten an das All von Wolfram Lotz.

Einige Nachrichten an das All - eine Uraufführung. Foto: Stephan Walzl

Einige Nachrichten an das All - eine Uraufführung. Foto: Stephan Walzl

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Weimar. Das Drama, entstanden im Werkauftrag des Berliner Theatertreffen-Stückemarktes, ist so, wie es auf dem Papier steht, kaum spielbar; wie spielt man Fußnoten? Im Foyer III des DNT setzt Regisseurin Annette Pullen das Stück klein, streicht und strafft und kommt mit sechs Schauspielern aus - darunter Ulrike Knobloch, die als Conférencieuse Regieanweisungen und einen Teil des ins Nirgendwo führenden Anmerkungsapparates ins Spiel bringt.

Was bleibt, ist ein tragikomisch absurder Leckerbissen, ein Einstundendrama über Sinn und Sinnlosigkeit des Lebens und den Zweifel an allem. Die rührenden Toren Purl (Markus Fennert) und Lum (Martin Andreas Greif), unzertrennlich wie an den Köpfen zusammengewachsene siamesische Zwillinge, warten nicht mehr auf Godot. Sie hoffen in trotziger Naivität, „wir sind nicht einfach so da“, auf ein gemeinsames Kind. Für den showmasterhaft zynischen „Leiter des Fortgangs“ (Xenia Noetzelmann) ist klar, wer nie in der Show war, existiert nicht. Simon Zagermann spielt die am Un- und Wahnsinn Verzagten, die ihre Einwortnachrichten per Dunstabzug ins All senden sollen; die Botschaften lauten „Mama!“ - „Bums!“ - „Unterhaltung!“, was jedem, der da oben zuhört, genug über den Zustand der Erde sagen dürfte.

Ausstatterin Iris Kraft kleidet die Inszenierung in eine anheimelnde Gerümpeligkeit mit Etagenbett und Uraltstühlen; Auftritte erfolgen grundsätzlich via Kühlschrank. Alles wirkt unfertig, verspielt, probenbühnenhaft, das passt gut zu den handelnden Personen, die sich in dem Bewusstsein eingerichtet haben, allenfalls Fußnoten zu sein. Sie haben keinen Plan. Aber Unmengen Teesorten.

Lotz’ Nachrichten an das All haben wir alle schon vernommen: in der Medienkritik, auf dem Theater, in Büchern der Philosophen. Aber so unterhaltsam wie in dieser Inszenierung klingen sie selten.