Zusammenfassung

  • Robert Habeck hat in der Sendung von Markus Lanz über seinen Rückzug aus dem Bundestag gesprochen
  • Zuvor hatte es heftige Kritik an Habecks Angriffen auf Markus Söder und Julia Klöckner gegeben
  • Bei Lanz spricht er angesichts der Wehrpflicht-Debatte auch über seine Rolle als Vater zweier Söhne

Er wolle nicht wie ein „zynisches Gespenst“ durch die Flure laufen, nennt Julia Klöckner eine „Fehlbesetzung“ und Markus Söders „fetischhaftes Wurstgefresse“ keine Politik. Robert Habeck, einst Vizekanzler und Kanzlerkandidat der Grünen, zieht bei „Markus Lanz“ eine schonungslose Bilanz – über sich selbst und die politische Kultur in Deutschland. 

„‚Für immer‘ ist ein viel zu großes Wort“, sagt Habeck gleich zu Beginn über seinen Rückzug aus dem Bundestag. Zum 1. September gibt er sein Mandat ab, im kommenden Jahr will er lehren – am Dänischen Institut für Internationale Studien in Kopenhagen und an der US-Universität Berkeley.

Auf Lanz’ Nachfrage, ob er eine Rückkehr plane, weicht er aus. „Ich will den Horizont erweitern.“ Der Moderator lässt nicht locker – bis Habeck den Spieß umdreht: „Herr Lanz, moderieren Sie in 15 Jahren noch diese Sendung?“ 

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Politisches Mandat ohne Rückhalt – Robert Habecks Bilanz

Habeck betont mehrfach, dass es kein „taktischer Abschied“ sei. „Das starke Mandat, meine Idee von grüner Aufstellung habe ich nicht bekommen“, erklärt er. Der hohe Anspruch seiner Wähler sei es gewesen, „über die Grünen eine politische Idee von politischer Kultur in Deutschland mit zu formen“. Diesen Anspruch, sagt er, könne er im Parlament nicht mehr erfüllen. 

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Melanie Amann, stellvertretende Chefredakteurin des „Spiegel“, widerspricht: „Sie wollen die Wirkung haben, die Sie als Politiker hatten, nur ohne die Nebenwirkungen der Politik.“ Ihr Fazit: Habeck wolle „in der Politik sein, ohne in der Politik zu sein“. Ein Satz, mit dem Habeck erkennbar unzufrieden ist: Er windet sich, korrigiert, sucht nach Worten. Der Abend zeigt: Er ringt nicht nur mit der Niederlage, sondern auch mit der eigenen Rolle. 

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Angriffe auf Unions-Politiker Markus Söder und Julia Klöckner sorgen für Schlagzeilen

Deutlich klarer wird Habeck, wenn es um seine Gegner geht. CSU-Chef Markus Söder wirft er vor, Debatten inszeniert zu haben: „Dieses fetischhafte Wurstgefresse ist doch keine Politik.“ Dass seine Formulierung polarisiert, weiß er – und schiebt nach: „Das ist noch eine neutrale Beschreibung.“ Julia Klöckner, CDU-Politikerin und Bundestagspräsidentin, bescheinigt er, dem Amt zu schaden: „Wenn das so weitergeht, dann ist das Amt nicht mehr unbeschädigt.“

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Amann ordnet ein: „Es stimmt schon, dass sie extrem unglücklich agiert hat.“ Ihr Vergleich: Während die linke „taz“ Qualitätsjournalismus liefere – manchmal zu aktivistisch, aber innerhalb der demokratischen Debatte –, sei das Portal „Nius“ in weiten Teilen Meinungsmache und Hetze. Klöckners Gleichsetzung beider Medien habe das Amt beschädigt. 

Strukturen zu verkrustet? Habecks Grundsatzfragen bei „Markus Lanz“

Doch je länger der Abend, desto wolkiger werden Habecks Antworten. „Kann man innerhalb der Möglichkeiten die weitreichenden Veränderungsschritte gehen, die manche für nötig halten?“, fragt er rhetorisch – ohne Antwort. Seine Analyse: Strukturen seien so verkrustet, dass Probleme nicht mehr gelöst würden. Halbfertige Gedanken könnten nicht geäußert werden, weil die darauffolgende Debatte sie sofort vernichte.

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#1 Robert Habeck über Krieg, Frieden und Waffen
Meine schwerste Entscheidung
 

Auch Politikwissenschaftler Carlo Masala warnt vor der „Polarisierung nach US-Vorbild“ und sieht die deutsche Demokratie unter Druck. Besonders eindringlich wird es, als Lanz die Bundeswehr anspricht. „Gerade als Vater von Söhnen würde ich sagen: Das Dienen für sein Land, potenziell mit dem Leben, ist eins der größtmöglichen Opfer“, erklärt Habeck. Würde er selbst für Deutschland kämpfen? „Ja. Jedenfalls lieber als meine Söhne.“ 

Abschied mit Fragezeichen – Habeck bleibt widersprüchlich

Nach mehr als einer Stunde ist klar: Habeck verlässt nicht nur das Parlament, sondern auch den Schutzraum klarer Antworten. Seine „halbfertigen Gedanken“ – wie er selbst sagt – sind schwer auszuhalten. Für den Zuschauer bleibt der Eindruck eines Politikers, der nicht mehr kann, aber auch nicht ganz will. Ein „Sayonara“ auf Zeit, vielleicht.