Neue Diskussionen um die Dokumentation über Jérôme Boateng: Nach seinem Karriereende wurde die Laufbahn des einstigen deutschen Nationalspielers in einer dreiteiligen Serie abgebildet. Nun jedoch wird scharfe Kritik an der Dokumentation des BR über Boateng laut.
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„Being Boateng“: Kritik am Umgang mit den Aussagen über juristische Verfahren
In „Being Boateng“ wird nämlich nicht nur über die zahlreichen Titel des früheren Innenverteidigers gesprochen. Auch die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn werden besprochen und eingeordnet. So wie seine rechtskräftige Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung seiner Ex-Freundin und Mutter seiner Zwillinge. Das Landgericht München I hatte Boateng im Juli 2024 deshalb schuldig gesprochen, aber eine Geldstrafe nur unter Vorbehalt verhängt und ihn nur verwarnt. Auch sein folgenschweres „Bild“-Interview über seine Ex-Partnerin, Kasia Lenhardt, die sich danach das Leben nahm, wird thematisiert.
Nach der öffentlichen Kritik an der Plattform, die der schuldig Gesprochene erhielt, soll es laut „Spiegel“ bei der ARD interne Dokumente zu der Produktion gegeben haben. „Die Doku will Boateng in seiner Ambivalenz zeigen, und dafür kommen auch explizite Kritiker:innen wie Gabriela Keller, Gizem Çelik und Daniel Müksch zu Wort“, heißt es darin. Aber Keller und Çelik waren nach der Ausstrahlung des Formats von dem finalen Ergebnis ihrer Interviews enttäuscht.
Die Investigativ-Reporterin Keller meinte, noch viel tiefer gehende Aussagen getätigt zu haben. Letztlich seien aber nur „drei, vier allgemeine Sätze“ von ihr ausgestrahlt worden. „Welche Rolle spiele ich da? Als Feigenblatt?“, sagte sie dem „Spiegel“. Auch die Content-Creatorin Gizem Çelik erklärte: „Ich hatte das Gefühl, das kommt meiner Haltung überhaupt nicht nahe. Wo sind diese klaren Worte?“ Zudem sei sie zum Zeitpunkt des Interviews davon ausgegangen, dass Boateng selbst kein Teil der Dokumentation sein werde.
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Anwalt der Familie Lenhardt spricht von „Ausbeutung eines Todesfalls“ – ARD wehrt sich
Auch der Anwalt der Familie Lenhardt äußerte Kritik an den Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Medienanstalten. Markus Hennig sagte der Deutschen Presse-Agentur, seine Mandantin sei um eine Stellungnahme gebeten worden. „Dieses Angebot wurde abgelehnt, verbunden mit der eindeutigen Bitte, das Thema Kasia Lenhardt nicht aufzugreifen und nicht einmal den Namen zu verwenden“, so Hennig. Eine Antwort darauf habe er nicht erhalten. „Sollte die Dokumentation die Ereignisse um meine verstorbene Mandantin verwerten, wäre das die bewusste Ausbeutung eines Todesfalls und ein Hinwegsetzen über den Wunsch der Familie, mit der Sache endlich abschließen zu können“, sagte Hennig vor der Ausstrahlung.
Auf Nachfrage der dpa betonte die ARD, dass die Doku multiperspektivisch sowohl Boatengs sportliche Karriere als auch gesellschaftliche Diskussionen beleuchte. „Der Tod von Kasia Lenhardt war ein Ereignis, das weit über den Einzelfall hinaus Fragen zu öffentlicher Kommunikation, medialen Dynamiken und Verantwortung aufwirft. Die Doku-Machenden haben den Wunsch der Familie, den Namen und die Person Kasia Lenhardt nicht einzubeziehen, ernst genommen“, hieß es.
Wesentliche Informationen über die Lebenssituation der Verstorbenen seien bereits durch die Familie selbst öffentlich bekannt. „Die Doku-Machenden sind in der Dokumentation ausschließlich auf öffentlich bekannte, verifizierbare und journalistisch zwingend erforderliche Sachverhalte eingegangen“, so die ARD.
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„Bestimmte Narrative geschützt“: Jurist erhebt schwere Vorwürfe gegen Bayerischen Rundfunk
Der Anwalt, Dr. Alexander Stevens, äußerte sich nun ebenfalls zu seiner Teilnahme an dem Projekt. Sein Interview für „Being Boateng“ bereue er nun, sagte er in einer Stellungnahme auf Instagram. „Geschätzt 95 Prozent meines Interviews sind schlicht rausgeschnitten worden. Übrig geblieben sind drei kurze Statements, die völlig aus dem Kontext gerissen und zum Teil in neue Zusammenhänge hineinkopiert wurden“, schrieb er auf der Social-Media-Plattform. Seine kritische und rechtlich fundierte Auseinandersetzung mit den juristischen Fällen tauche nicht mehr auf. Zudem würden seine Aussagen „durch das Fragmentieren und Montieren verzerrt.“
Zu den Ursachen für diese Bearbeitung habe Stevens jedoch einen Verdacht. In seinem Podcast „Bayern 3 True Crime“ habe er über den Fall Boateng auch mit dem verurteilenden Richter der zweiten Instanz gesprochen. Nach einer Kontroverse zu einem weiteren Fall habe der BR die redaktionelle Verantwortung abgeben wollen – so sein Eindruck. Diese Angelegenheit schlage sich nun auch bei der Dokumentation über den Ex-Bayern-München-Spieler nieder. „Dass genau jene Passagen herausgeschnitten wurden, in denen ich mich sehr kritisch mit den bisherigen Entscheidungen und der öffentlichen Bewertung des Falls Jérôme Boateng auseinandersetze, ist schwer anders zu deuten, als dass bestimmte Narrative geschützt werden sollten – und zwar auf Kosten einer fairen juristischen Einordnung“, schloss Stevens sein Statement ab.
mit dpa





