Der Iran steht vor einer politischen Zuspitzung, die Führung geht mit Gewalt gegen Proteste vor, die USA drohen offen mit einem Militärschlag, Europa verschärft Sanktionen. Caren Miosga widmet sich in der ARD einer Lage, in der innenpolitische Repression und internationale Machtpolitik untrennbar ineinandergreifen.

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Proteste im Iran: Gewalt, Haft, Todesurteile 

Sicherheitskräfte gehen seit Monaten mit massiver Gewalt gegen Demonstrierende vor: Massenverhaftungen, Berichte über Folter in Haft, Todesurteile gegen Protestierende. Verlässliche Zahlen fehlen, weil unabhängige Berichterstattung im Land praktisch unmöglich ist. 

Caren Miosga mit ihren Gästen: Natalie Amiri, Daniel Gerlach, Peter R. Neumann
Die Runde im Ersten: Peter Neumann, Caren Miosga, Natalie Amiri und Daniel Gerlach (von links). © NDR/Thomas Ernst | © Thomas Ernst

Die Runde in der Sendung ist differenziert besetzt. Mit der deutsch-iranischen Journalistin Natalie Amiri, dem Sicherheitsexperten Peter R. Neumann und dem Nahostkenner Daniel Gerlach treffen drei Stimmen mit unterschiedlichen Perspektiven aufeinander, die Analyse über Zuspitzung stellen.

Natalie Amiri, die viele Jahre aus Teheran berichtet hat, ordnet die Lage grundsätzlich ein. Die Niederschlagung der Proteste sei kein Ausnahmezustand, sondern die Zuspitzung eines bekannten Musters. Sie spricht vom „Höhepunkt der jahrzehntelangen Repression“ – und davon, dass das Regime längst nicht mehr nur kontrolliere, sondern gezielt Angst erzeuge. Wenn Teheran einzelne Gefangene freilässt, wertet Amiri das nicht als Entgegenkommen, sondern als kalkuliertes Signal nach außen. „Sie versuchen zumindest gute Miene zum bösen Spiel zu machen“, sagt sie.

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USA setzt auf Drohkulisse statt Diplomatie

Von dort aus verschiebt Miosga den Blick nach außen: die militärische Drohkulisse der USA, neue Sanktionen aus Europa, Truppenbewegungen in der Region. Neumann beschreibt Trumps Vorgehen als bewusst zugespitzt. Die Forderungen an Teheran kämen faktisch einer Kapitulation gleich. „Wir wissen von Trump: Wenn die Forderungen nicht akzeptiert werden, dann wird das eskalieren.“ 

Zugleich glaubt er nicht an einen schnellen Regimewechsel. „Er schreckt vor langwierigen Verpflichtungen zurück“, sagt Neumann. Ein Sturz des Systems würde genau das bedeuten.

„Man merkt gerade in der Region eine trügerische Ruhe“, stellt Daniel Gerlach fest. Er benennt den zentralen Zielkonflikt westlicher Politik: das iranische Atomprogramm stoppen, den Menschen helfen, das Regime schwächen. Alles gleichzeitig erreichen zu wollen, hält er für kaum realistisch.

Trumps Befürworter in den USA – „65 Prozent können sich Auslandseinsätze vorstellen“

Amiri widerspricht offen der Vorstellung, militärischer Druck diene primär den Menschen im Iran. „Trump geht es nicht um Menschenrechte“, sagt sie. Es gehe um geopolitische Interessen, um Öl, um Machtdemonstration. Dass viele Iraner dennoch auf Unterstützung von außen hoffen, mache die Lage umso tragischer.

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„Grönland ist nicht zu verkaufen“ – Trumps Pläne und der Widerstand vor Ort
Im Krisenmodus
 

Bemerkenswert ist, wie wenig die Runde in Schlagabtausch verfällt. Wo andere Talkshows auf Zuspitzung setzen, bleibt der Ton hier sachlich, der Erkenntnisgewinn hoch. Gudrun Engel, zugeschaltet aus den USA, ergänzt die Perspektive aus Minneapolis. Sie verweist auf Umfragen, nach denen „65 Prozent der Trump-Wähler sich Auslandseinsätze vorstellen könnten“ – ein empirischer Befund, der erklärt, warum außenpolitische Drohungen auch innenpolitisch funktionieren.

So entsteht ein differenziertes Bild: Der Iran als Pulverfass, aber auch als Spiegel westlicher Ambivalenz. „Dieses System bereitet sich seit 76 Jahren auf diesen Tag vor“, schließt Gerlach.