Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine wird es bei der „ARD“-Sendung „Maischberger“ persönlich. Kurzfristig ist Wladimir Klitschko zu Gast – und er spricht nicht über Strategien, sondern über Überleben.
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Wladimir Klitschko bei „Maischberger“: „Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben“
„Gestern war dieser Jahrestag. Seit vier Jahren tobt dieser Krieg. Ist der 24. Februar für Sie immer noch ein besonderes Datum?“, fragt Moderatorin Sandra Maischberger. Klitschko antwortet: „Den Tag erinnere ich gut. Aber was es jeden Tag für die Ukraine heißt: Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben.“ Er zählt auf: „Unsere Städte werden zerstört, unsere Kinder werden vergewaltigt und entführt, unsere Frauen …“ – er bricht ab. „Trotzdem bleiben wir stark. Unser Wille wird nur stärker. Das kann auch 100 Jahre dauern.“ Maischberger entgegnet knapp: „100 Jahre hoffen wir nicht.“
Klitschko beschreibt den Ausnahmezustand als Dauerzustand. „Wir sind keine Maschinen, wir sind Menschen, die ihre Bedürfnisse haben. Wir wollen Frieden haben, wir wollen kreativ sein.“ Planbarkeit gebe es nicht: „Wir können nicht planen wie hier in Deutschland oder den europäischen Ländern – unseren Urlaub oder unseren Job im nächsten Jahr.“
Auf die Frage nach der Stimmung im Land sagt er: „Manche wollen nur den Frieden – um jeden Preis. Manche nicht. Sie sagen, es geht um Existenz.“ Die Gesellschaft teile sich teilweise, „aber in großen Teilen wird der Wille nicht gebrochen“.

Kiew unter Beschuss: Präsident Wolodymyr Selenskyj kritisiert Klitschko
Emotional wird es, als Maischberger nach Kiew fragt. Die ukrainische Hauptstadt ist auch im vierten Kriegsjahr weiterhin Ziel massiver russischer Raketen- und Drohnenangriffe. In den vergangenen Wochen wurden erneut Wohnhäuser und Energieinfrastruktur in und um Kiew getroffen; immer wieder kommt es zu Stromausfällen und beschädigten Gebäuden.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte der Stadtverwaltung vorgeworfen, nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein. Kiews Bürgermeister ist Vitali Klitschko, Wladimir Klitschkos Bruder. Dieser reagiert ausweichend, aber deutlich: „Ich spule mal zurück: 2014, Annexion der Krim – ist da jemand vorbereitet gewesen?“ Und weiter: „Während des Krieges müssen wir Schulter an Schulter stehen. Weil es geht ums Überleben.“
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Taurus-Debatte und Friedrich Merz: Kritik an deutscher Waffenpolitik
Der ehemalige Boxweltmeister nutzt die Sendung für einen Appell. „Wir sind in Europa. Wir sind in Berlin. Diese Stadt kennt das sowjetische Imperium.“ Die Hoffnung in der Ukraine sei, „dass nach vier Jahren hoffentlich Europa und die sogenannte Freie Welt inklusive der Vereinigten Staaten aufwacht. Weil das Böse kommt. Es ist in unserem Land. Wir halten das noch mit dem Blut der Ukraine, wir verteidigen die europäischen Werte. Aber wir bitten auch, und hoffen auch, dass die Europäer uns schützen können und Mittel geben können.“
Er fordert: „Wir brauchen keine Nato-Soldaten auf unserem Boden. Das machen wir selbst. Aber wir brauchen Werkzeug, um uns zu schützen.“ Hintergrund ist die anhaltende Debatte über Waffenlieferungen. Wie schon unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verstehe er auch unter dem heutigen Kanzler Friedrich Merz (CDU) die nichterfolgte Lieferung des Taurus nicht. „Das Versprechen hat stattgefunden, es kam aber leider nichts.“ Gleichzeitig lobt er Merz für seine Chinareise und fragt, wie Trump reagieren werde, wenn Deutschland zu viel Nähe zu Peking sucht.
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Trump, Putin und mögliche Friedensgespräche zwischen USA und Russland
Mit Blick auf mögliche Friedensverhandlungen zwischen den USA und Russland sagt Klitschko: „Ich glaube, bei Verhandlungen muss Trump dabei sein. Er kommt ‚klarer‘ mit Putin als seine Repräsentanten.“ Zugleich beschreibt er den US-Präsidenten als einen „Dealer“. „Er versteht nur die Stärke und Verhandlungen empfindet er als Schwäche.“
Über Wladimir Putin sagt er: „Man kann nicht mit einem Kannibalen über eine Speisekarte reden.“ Ein Satz, der gut die Ratlosigkeit über einen Krieg zusammenfasst, der kein Ende findet und dessen Logik sich jeder Diplomatie entzieht.
Dennoch sei ein Rückzug schwer zu vermitteln: „Wie kann man einen Rückzug Putin in seinem eigenen Land erklären, wo er über eine Million Soldaten verloren hat?“ Ob er an einen Erfolg von Friedensverhandlungen glaube? „Ich glaube schon, aber es ist eine schwere Entscheidung für Putin, diesen Krieg zu stoppen“, sagt Klitschko.
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„Es überrascht mich“: Viktor Orbán blockiert erneut EU-Hilfen für Ukraine
Für zusätzliche Spannungen sorgt aktuell Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán. Beim jüngsten EU-Außenministertreffen stellte sich Budapest erneut quer und verzögerte weitere Hilfen für die Ukraine sowie zusätzliche Sanktionen gegen Russland. Bereits mehrfach hatte Orbán milliardenschwere Unterstützungszusagen für Kiew blockiert oder hinausgezögert – möglich, weil die EU-Entscheidungen Einstimmigkeit erfordern.
„Es überrascht mich“, sagt Klitschko über Orbáns Haltung. „Sein Land kennt das sowjetische Imperium auf eine harte Art und Weise.“ Wenn die Ukraine nicht unterstützt werde, auch von Ungarn, „dann wird das sowjetische Imperium auch in Ungarn sein. Vielleicht sind das seine Träume. Aber Sie sind Journalistin, Sie können ihn das beim nächsten Treffen einmal fragen“, fordert Klitschko Maischberger auf. Er bleibt dabei ruhig, formuliert aber unmissverständlich.
Zum Schluss zeigt die Redaktion aktuelle Bilder von Klitschko beim Sparring. Ob ein Comeback geplant sei, will Maischberger wissen. „Ich habe nur ein Comeback im Kopf – das sind die russischen Truppen zurück in Russland.“








