„Das wäre Ihnen so nicht passiert, was dem Wadephul da passiert ist?“ Mit dieser Frage eröffnet Sandra Maischberger ihren Talk. Kein Small Talk, kein Aufwärmen. Die rhetorische Frage geht an Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Der Mann, dem ein Lacher einst mutmaßlich die Kanzlerschaft kostete, zögert kurz – und antwortet trocken: „Doch. Das kann jedem passieren.“ Schon da ist klar: Diese Runde wird kein Schonwaschgang.  

Maischberger greift ein Thema auf, das die Bundesregierung und die Medien gleichermaßen beschäftigt: die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus der Golfregion nach der militärischen Eskalation zwischen Israel, den USA und dem Iran. Im Zentrum steht die Frage: Was wusste das Auswärtige Amt – und wer trägt Verantwortung, wenn Reisende plötzlich festhängen?

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Evakuierung aus der Golfregion: Laschet verteidigt Außenminister Wadephul

Laschet verteidigt seinen Parteifreund, Außenminister Johann Wadephul (CDU). Der hatte am Montagabend im ZDF-„heute journal“ zunächst erklärt, das Auswärtige Amt habe bereits vor Reisen in die Golfregion gewarnt – obwohl Moderatorin Marietta Slomka darauf hinwies, dass es keine formelle Reisewarnung gebe. Wadephul korrigierte diese Aussage später und sprach von einem „Irrtum“.

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„Er hat sich entschuldigt“, sagt Laschet. „Warnungen gab es, aber keine formelle.“ Die offizielle Reisewarnung sei erst am 28. Februar ausgesprochen worden.

Zugleich legt er den Finger in die Wunde der tourismusgetriebenen Sorglosigkeit: „Wie ein Reiseveranstalter dann noch auf die Idee kommen kann, eine Kreuzfahrt mit 3500 Menschen in ein solches Gebiet zu machen, das muss man sich fragen.“ Angesichts des militärischen Aufmarschs in der Region – darunter US-Flugzeugträger und zunehmende Drohungen zwischen Iran und Israel – sei das Risiko absehbar gewesen.

Nahostexpertin Amiri bei Maischberger: Angriff „war absehbar“

In der Analyse schaltet sich die ARD-Nahostexpertin Natalie Amiri ein, die viele Jahre als ARD-Korrespondentin aus Teheran berichtet hat. „Ich hab’s ja getan“, sagt sie, als Maischberger sie fragt, ob sie in die Region gereist wäre. Trotzdem: „Für mich war ziemlich klar, dass es diesen Angriff geben wird“, sagt Amiri.

Maischberger
Nahostexpertin Natalie Amiri bei Maischberger.© WDR | Melanie Grande

Die diplomatischen Gespräche seien für sie „Scheinverhandlungen“ gewesen. Dass Urlauber in Dubai von der Eskalation überrascht wurden, könne man ihnen allerdings nicht vorwerfen. „Sie konnten nicht damit rechnen, dass Drohnen in Luxushotels fliegen.“

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Auch bei der juristischen Bewertung der Angriffe widerspricht sie Laschet. Während die USA ihr Vorgehen mit dem Recht auf Selbstverteidigung nach Artikel 51 der UN-Charta begründen, bleibt Amiri skeptisch. „Wenn es ums Völkerrecht geht, würde ich sagen: Es ist ein völkerrechtswidriger Angriff gewesen.“

Laschet hält wenig von der Debatte über juristische Kategorien. Er habe Völkerrecht studiert, sagt er, und ihm sei die politische Einordnung von Kanzler Friedrich Merz näher als die Kritik von SPD-Chef Lars Klingbeil. „Ich wusste nicht, dass er sich bisher so viel mit Völkerrecht beschäftigt“, sagt Laschet spitz. 

 „Der Iran handelt seit 40 Jahren völkerrechtswidrig“ 

Für ihn liegt das Problem tiefer: „Der Iran ist in allem, was er seit 40 Jahren macht, völkerrechtswidrig.“ Das Regime finanziere Milizen wie die Hisbollah im Libanon und die Huthi-Miliz im Jemen, unterdrücke die eigene Bevölkerung und arbeite an Atomwaffen. Wenn nun militärisch reagiert werde, beginne plötzlich eine Grundsatzdebatte über internationales Recht. Das empört ihn sichtbar.

Amiri beschreibt dagegen eine strategische Logik hinter den iranischen Angriffen. Ziel sei eine „Abnutzungsstrategie“ mit mehreren Ebenen: Angriffe auf US-Basen in Nachbarstaaten, um politischen Druck zu erzeugen; mögliche amerikanische Opfer, die die innenpolitische Stimmung gegen US-Präsident Donald Trump drehen könnten; und schließlich die Frage der Munition – also, wer länger durchhalten kann.

Raketen, Drohnen, Radar: Wie der Krieg eskalieren könnte 

Schon jetzt zeige sich, dass das Abwehrsystem an Grenzen stoße. „Es kommen immer wieder Raketen durch“, sagt Amiri. Zunächst würden Radarsysteme gestört, dann folgten Drohnenangriffe – und schließlich ballistische Raketen. Entscheidend sei, wie lange beide Seiten diese Dynamik aufrechterhalten könnten.

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Gleichzeitig schildert Amiri eine widersprüchliche Stimmung im Iran. Nach Berichten über den Tod des Revolutionsführers Ali Chamenei hätten sich zunächst „Wellen der Freude“ verbreitet, sagt sie. Viele Menschen hätten gehofft, dass endlich das Regime getroffen werde – und nicht immer die Bevölkerung. 

Doch die Stimmung habe sich schnell verändert. Die Bombardierungen würden heftiger, die Angst wachse. Besonders gefährlich sei, dass regimetreue Milizen und paramilitärische Kräfte bereits mit Waffen ausgestattet worden seien. „Denn das Volk ist ja der Feind“, sagt Amiri.

Maschmeyer über Trump: „Weltambitionen“ und Druck auf Europa

Später in der Sendung wechselt das Thema zu Donald Trump und den wirtschaftlichen Folgen seiner Politik. Unternehmer und Investor Carsten Maschmeyer warnt vor einer geopolitischen Eskalation mit globalen Konsequenzen. Trump habe „Weltambitionen“, sagt Maschmeyer. Seine Strategie sei klar: „America first“, wirtschaftlicher Druck auf Europa und gleichzeitig eine Allianz mit großen Tech-Konzernen. Europa müsse deshalb stärker zusammenhalten. 

Auch wirtschaftlich sieht er schwierige Zeiten kommen. „Wir werden höhere Benzinpreise bekommen“, prognostiziert Maschmeyer. Energie- und Transportkosten würden steigen, Unternehmen bräuchten steuerliche Entlastungen. Seine Idee: ein Energiecheck für Haushalte mit geringem Einkommen. 

Am Ende fragt Maischberger nach Optimismus. Maschmeyer zögert. „Nein“, sagt er. Deutschland stehe vor einem schweren Erbe. Bürokratie müsse abgebaut, die Verwaltung modernisiert werden. Sie versucht, das Gespräch versöhnlich zu beenden – und kommentiert trocken: Deutschland sei zumindest „ein bisschen gerettet“.