Zwei Wochen nach Kriegsbeginn widmet Moderator Jan Böhmermann eine ganze Ausgabe seiner Sendung „ZDF Magazin Royale“ dem Krieg im Iran. Oder sollte man besser sagen: Dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israel gegen den Iran?
So wäre es wohl korrekter. Auch wenn sich die deutsche Regierung um Kanzler Friedrich Merz seit zwei Wochen um eine klare Einordnung drückt. Böhmermann schafft hier Abhilfe: „Der Krieg im Iran verstößt gegen das Völkerrecht. Ein illegaler Krieg. Nicht erlaubt. Völkerrechtliche Einordnung fertig.“
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Denn der Krieg wäre nur vom Völkerrecht gedeckt gewesen, wenn sich die USA und Israel ein Mandat des UN-Sicherheitsrates besorgt hätten. Sie hätten zum Beispiel argumentieren können, dass der Iran seine eigene Bevölkerung abschlachtet und weitere Tote drohen: „Doch sie haben es nicht mal versucht“, sagt Böhmermann.
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Neue Ausgabe von „ZDF Magazin Royale“: Völkerrecht wird oberflächlich erklärt
Was der Satiriker nicht erklärt: Jede der fünf Veto-Mächte im UN-Sicherheitsrat kann ein solches Mandat verhindern. Ein völkerrechtskonformer Krieg ist also nur möglich, wenn er den Interessen der USA, China, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs nicht entgegenläuft. In diesem Fall wäre das also ohnehin sinnlos gewesen, da China und Russland als Verbündete des Iran einem solchen Angriff niemals zugestimmt hätten.
Den USA und Israel bleibt daher nur eine Ausnahme: das Recht auf Selbstverteidigung, von dem man auch ohne UN-Mandat Gebrauch machen darf. Darauf beruft sich Israel mit dem Argument, der Iran habe sich die Vernichtung des jüdischen Staates zum Ziel gesetzt. Doch laut Böhmermann reicht die Bedrohung, die vom Iran ausging, nicht aus, um sich darauf zu berufen. „Notwehr gilt nicht, dafür ist die Bedrohung zu abstrakt.“
Genau hier wäre es spannend gewesen, tiefer einzusteigen: Wie konkret muss eine Bedrohung sein, damit Selbstverteidigung völkerrechtlich erlaubt ist? Dieser Frage hätte sich die Sendung mehr widmen müssen, wenn es das Ziel war, das Völkerrecht zu erklären.
Böhmermann: Deutschland kennt sich aus mit Regime Change
Immerhin lernt der Zuschauer, dass es die UN und das Völkerrecht nur als Folge des Zweiten Weltkriegs gibt. Oder wie Böhmermann bissig sagt, „dank der vielen Außendienst-Einsätze unserer tapferen deutschen Vorfahren“.
Durch den Krieg sei es in Deutschland so zu einem „Regime Change“ gekommen: „Deutschland ist doch der lebende Beweis dafür: Man muss ein Land einfach nur lang genug mit Bomben bewerfen, Städte und Infrastruktur in Schutt und Asche legen, dann erhebt sich irgendwann von ganz alleine die unterdrückte Bevölkerung und beseitigt das Unrechtsregime. Das war doch so, oder?“
Mit dem Blick auf die deutsche Geschichte entlarvt Böhmermanns Ironie ziemlich treffend die Erzählung von Trump und Netanjahu: „Regime Change ist nicht so einfach wie diese Männer es uns verkaufen wollen“, erklärt er.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Regime Change hat einen hohen Preis
Schließlich bestehe die Islamische Republik schon seit 47 Jahren, das seien immerhin fast vier „Tausendjährige deutsche Reiche“. Böhmermann beschreibt die gewachsenen Machtstrukturen im Iran und wie sich das Regime auf verschiedene Einheiten und Milizen stützt.
Bis das iranische Regime also so weit geschwächt ist, dass das iranische Volk es selbst stürzen kann, könnte der Weg noch weit sein. Und da stellt sich dann die Frage nach dem Preis des Krieges: „Wie viele Schülerinnen darf man denn jetzt töten für einen Regime Change?“ fragt Böhmermann.
Denn der Krieg kostet jeden Tag auch iranische Zivilisten das Leben. Der bislang drastischste Fall ist der US-Raketenangriff auf eine Mädchengrundschule in der südiranischen Stadt Minab am 28. Februar 2026. Dort starben nach aktuellen Berichten zwischen 165 und 175 Menschen, die meisten davon waren Kinder.
Böhmermann greift schwache Politiker an
Angesichts dieses Grauens erscheint die verhaltene Position Deutschlands zu diesem Krieg Böhmermann unangemessen. So macht er sich darüber lustig, dass Kanzler Merz und andere Politiker immerzu von einem „Dilemma“ sprechen, wenn sie von dem Krieg im Iran reden.
„Diese politische Strategie bezeichnet man in der Politikwissenschaft übrigens als NPCsnowflakebetacuck-Strategie.“ Die Strategie sei laut Böhmermann, sich unterwürfig zu geben, abzuwarten und zu hoffen, dass durch den Krieg irgendwie „ein besseres Iran vom Himmel fällt.“
Damit tue Deutschland aktuell den Zivilisten im Iran keinen Gefallen. Und auch das Völkerrecht spiele immer weniger eine Rolle, diene immer weniger als Orientierung für richtiges Handeln. Und so hat Deutschland, so scheint die Botschaft, die Orientierung verloren. Dazu passt dann auch das Lied der deutsch-türkischen Indie-Band Engin zum Abschluss der Sendung, in dem es heißt: „Sag mir Almanya, weißt du noch wo lang?“








