Berlin. Von Romantik zu extremer Kontrolle in der Beziehung: Wann wird Liebe gefährlich? Auf welche Alarmsignale Sie unbedingt achten sollten.

  • In Maßen ist Eifersucht in einer Beziehung normal
  • Wenn ein Partner den anderen jedoch ständig kontrollieren will, kann das zur Gefahr für die Liebe werden
  • Lesen Sie hier, auf welche Warnsignale Sie achten sollten

Einfach mal vertrauen? Menschen mit Kontrollzwang fällt das besonders schwer. Sie halten gerne die Zügel in der Hand – was in einer Beziehung schnell zum Problem werden kann. Denn der Kontrollzwang schränkt nicht nur das eigene Leben ein, sondern oft auch das der Mitmenschen. Ein Experte erklärt, welche Anzeichen auf eine Kontrollsucht hindeuten – und was Betroffene dagegen tun können.

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Toxische Beziehung: Wie äußert sich Kontrollzwang in der Partnerschaft?

Kontrolle und Gewissheit vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Deshalb ist es bis zu einem gewissen Grad natürlich, dass Menschen Dinge oder Personen in ihrem Umfeld kontrollieren wollen. Sobald es aber um andere Menschen geht, wie zum Beispiel den eigenen Partner oder die eigene Partnerin, ist ein höheres Maß an Kontrolle auf Dauer schlicht nicht möglich und auch nicht erstrebenswert. Schließlich möchte niemand eingeschränkt werden.

Der Beziehungscoach und Autor Chris Bloom definiert Kontrollsucht in Beziehungen als „zwanghaftes Bedürfnis, Situationen, Menschen oder das eigene Umfeld zu kontrollieren“. Sie äußert sich, so der Experte, durch zwanghaftes Verhalten wie ständiges Kontrollieren, Planen und Organisieren. Sobald die Kontrolle entzogen wird, fühlen sich die Betroffenen unsicher und sehnen sich nach Sicherheit und Berechenbarkeit.

Ursachen der Kontrollsucht in Beziehungen

Bei einer Kontrollsucht haben die Betroffenen das Grundvertrauen in andere Menschen, aber auch in sich selbst verloren, sagt Beziehungscoach Bloom. Nicht selten haben sie in ihrer Kindheit oder in anderen Lebensbereichen mangelnde Kontrolle erfahren – etwa im Beruf mit einem kritischen Chef, bei Essstörungen oder Übergewicht oder in schlechten Beziehungen zur Familie. „Diese Faktoren können dazu führen, dass Betroffene versuchen, Sicherheit und Stabilität durch Kontrolle über andere zu erlangen“, erklärt der Experte.

„Wer seinen Partner zwanghaft kontrolliert, folgt damit der eigenen Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren“, so Bloom weiter. Für diese Angst muss es nicht einmal einen Grund geben. Die Angst ist für die Kontrollierenden ein Grundgefühl, das sich ständig oder beim geringsten Anlass meldet.

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Anzeichen eines kontrollsüchtigen Partner

Laut dem Beziehungscoach geht Kontrollsucht meist mit „Eifersucht, Misstrauen und übermäßiger Kontrolle“ einher. Nicht selten werden dabei alle Register gezogen: vom Schnüffeln im Handy des anderen über Handyortung bis hin zum Hacken des E-Mail-Accounts und heimlichem Ausspionieren. Der Versuch, alles zu kontrollieren, führt dazu, dass die wichtigste Basis einer Partnerschaft verloren geht: das gegenseitige Vertrauen.

Selbst das schönste Gefühl der Welt, die Liebe, kann durch zu viel Kontrolle des Partners erstickt werden.
Selbst das schönste Gefühl der Welt, die Liebe, kann durch zu viel Kontrolle des Partners erstickt werden. © shutterstock | Shutterstock

Toxische Liebe: Das sind typische Anzeichen für die Kontrollsucht

Viel Kritik und wenig Komplimente

Die herausforderndste Eigenschaft von Menschen mit Kontrollzwang? Sie glauben Bloom zufolge alles besser zu wissen und das Maß aller Dinge zu sein. Diese Sichtweise versuchen sie auch auf ihre Mitmenschen zu übertragen. Die Folge? Kontrollierte Menschen sind oft sehr kritisch und es fällt ihnen schwer, Komplimente zu machen. Einfacher ist es, sich auf die Fehler anderer zu konzentrieren und sie nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen zu verändern. Gerade in Beziehungen kann dies problematisch sein, da die Einzigartigkeit des Partners verloren gehen kann.

Kontrollzwang: Das Bedürfnis, alle Entscheidungen zu treffen

Ein weiteres Anzeichen für ein Kontrollproblem ist, wenn jemand peinlich genau darauf achtet, wie der Partner die eigenen Anweisungen befolgt. Ob es darum geht, wie man die Wäsche zusammenlegt oder ob man Sushi oder Thai bestellt – meist sind die Betroffenen mit dem Ergebnis unzufrieden. Am liebsten würden sie alle Entscheidungen selbst treffen, sagt Beziehungscoach Bloom.

Entscheidet sich der Partner für etwas anderes als ursprünglich vorgesehen, kann das von den Betroffenen als Zurückweisung empfunden werden. Statt eigene Wünsche offen zu artikulieren, stellen zwanghaft Kontrollierende oft passiv-aggressive und indirekte Forderungen an ihr Gegenüber, wenn es ihren eigenen Wünschen nicht nachkommt.

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Wie kann man mit Kontrollzwang in Beziehungen umgehen?

Um mit Kontrollzwang in Beziehungen umzugehen, sei eine offene Kommunikation wichtig, betont der Beziehungscoach. „Grenzen sollten klar gesetzt und die kontrollierende Person zur Selbstreflexion angeregt werden“, so Bloom. Dabei ist es wichtig zu analysieren, wo die Auslöser für die Verlustängste liegen und wie sie sich äußern. Das erleichtert die Arbeit an den eigenen Gefühlen. Ebenso sollten Eingriffe in die Privatsphäre unterbunden werden. Auch in einer langjährigen Beziehung muss und darf es schließlich Geheimnisse geben.

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Wenn Gespräche zwischen den Partnern nicht ausreichen, kann auch eine psychologische Therapie in Betracht gezogen werden. Der Vorteil liegt darin, dass die Betroffenen erstmals die Möglichkeit haben, den Ursachen ihrer oft jahrzehntelangen Kontrollsucht auf den Grund zu gehen. Die Aufarbeitung der seelischen Verletzung führt dann meist dazu, dass auch die Kontrollsucht nach und nach abgebaut wird und eine vertrauensvolle Beziehung zwischen zwei Menschen möglich wird.