Wie gefährlich sind Gehacktes und Gummibärchen?

Erfurt.  Am heutigen Deutschen Lebertag warnen Mediziner vor rohem Schweinefleisch und einem Übermaß an Fructose.

Viele Thüringer leiden an Hepatitis E. Der Hauptgrund: Der Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch. (Archivfoto)

Viele Thüringer leiden an Hepatitis E. Der Hauptgrund: Der Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch. (Archivfoto)

Foto: Daniel Volkmann

Mit 7,3 Erkrankten pro 100.000 Einwohnern hat Thüringen die meisten Hepatitis-E-Patienten in Deutschland. „Hauptgrund für diese Leber-Erkrankung ist der Verzehr von rohem oder nicht ausreichend gegartem Fleisch von Haus- und Wildschweinen, vor allem dem in Thüringen so beliebtem Gehackten, der sogenannten Maurer-Marmelade“, erklären Leber-Spezialist und Klinik-Direktor Ansgar W. Lohse vom Universitäts-Klinikum Hamburg sowie Leber-Patient und Journalist Ulf C. Goettges am heutigen Deutschen Lebertag.

In ihrem Buch „Das Schweigen der Leber“, das Anfang Dezember erscheint, stellen sie leicht verständlich und sehr unterhaltsam das lebenswichtige Organ vor. „Jeder fünfte Bundesbürger hat Antikörper gegen Hepatitis E im Blut, sich also irgendwann mal angesteckt“, so Mediziner Lohse. „Diese Rate ist in Thüringen höher als in anderen Regionen.“ In den meisten Fällen verläuft die Krankheit harmlos und unbemerkt, aber die Infektion kann schwere akute Leberentzündungen verursachen und bei einzelnen Patienten mit geschwächter Immunabwehr zu chronischen Verläufen bis hin zur Zirrhose führen.

Doch wer glaubt, mit viel Obst seiner Leber Gutes tun zu müssen, erreicht genau das Gegenteil: Während der Evolution haben Menschen noch nie so viel Obst essen können wie heute. Es war nie vorgesehen, dass wir das ganze Jahr über so viel Fruchtzucker aufnehmen. Natürlich ist Obst ein wichtiger Vitamin-C-Lieferant. Aber einen Vitamin-Mangel gibt es heute kaum noch und zu viel Vitamine können auch schaden.

Zudem weiß die Leber nicht, wohin mit dem Überangebot an Fructose und verarbeitet den Fruchtzucker – kurz gesagt – zu Fett. „Deswegen heißt es seit einiger Zeit: Ein Apfel ist gesund – zwei Äpfel machen fett“, erklärt Ulf C. Goettges. Auch viele Lebensmittel enthalten unerwartet Fruktose: etwa Wurst, Brot, Pizza, Fertigmüsli und Wein. So kommt schnell ein Überangebot zusammen, das Leber, Magen und Darm belastet.

„Deshalb gehören Gummibärchen nicht in die Tüte, sondern in den Käfig“, warnt Goettges augenzwinkernd: „Aber wie immer kommt es auf die Dosis an. Als kleine Nascherei sind sie gut, als tägliche Mahlzeit nicht.“ Dabei ist es nicht schwer, seine Leber zu pflegen: „Zwar sind Leberentzündungen extrem häufig geworden, weil wir zu viele Kalorien, zu viel Fett und zu viel Fructose zu uns nehmen und uns zu wenig bewegen. Aber wer diese vier Fehler korrigiert, ist auf einem guten Weg“, rät Klinikdirektor Lohse.

Und wer seine Leber bei Laune hält, merkt das auch an anderer Stelle: „Eine kranke Leber ist ein Lustkiller im Bett.“