Lungenkrankheit

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

Berlin.  Das Coronavirus breitet sich in Europa immer weiter aus – auch in Deutschland. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Videografik: So wird das Coronavirus übertragen

Das neuartige Coronavirus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Vor allem bei engem Körperkontakt ist die Ansteckungsgefahr groß. Vorsichtsmaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen können einer Infektion vorbeugen.

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Das Coronavirus breitet sich nun auch in Deutschland aus. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuartigen Erreger.

Das Coronavirus breitet sich nun auch in Deutschland aus. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuartigen Erreger.

Foto: Handout / AFP

Inhalt 
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  • Das Coronavirus breitet sich weiter aus – auch in Deutschland gibt es mehrere Infizierte
  • Das Virus, das in China erstmals Menschen erkranken ließ, löst Erkrankungen der Atemwege aus
  • Wie rüstet sich Deutschland?
  • Wie kann man sich vor der Ansteckung schützen?
  • Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Virus

Das neuartige Coronavirus breitet sich weiter aus. In China sind bereits Zehntausende mit dem Coronavirus infiziert. Das Virus hat sich inzwischen auch in anderen Ländern verbreitet – und nun Europa erreicht. Die meisten Fälle wurden bisher in Italien gezählt.

Aber auch in Deutschland steigt die Zahl der Infektionen. Vor allem bei geschwächten Menschen kann die Infektion mit dem neuen Coronavirus tödlich verlaufen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Was ist das Coronavirus und wie gefährlich ist es?

SARS-CoV-2 ist die offizielle Bezeichnung für das neue Virus, das eine schwere Lungenerkrankung ( genannt Covid-19 ) auslösen kann. Der zunächst 2019-nCoV genannte Erreger tauchte erstmals in China auf und gehört zu den Coronaviren. Diese Viren sind eine Gruppe von Erregern, die Erkrankungen der Atemwege auslösen – von Erkältungen bis hin zu Sars, das in etwa einem Zehntel der Fälle tödlich verlief.

Zu den Symptomen des neuartigen Coronavirus gehören laut Weltgesundheitsorganisation WHO Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Die Inkubationszeit beträgt sieben Tage.

Die Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus übersteigt inzwischen die Opferzahl der SARS-Epidemie aus den Jahren 2002 und 2003. Die neue Virus-Variante ist eng verwandt mit dem damaligen Erreger, der ebenfalls in China zum ersten Mal auftrat.

Weltweit erkrankten rund 8000 Menschen an dem SARS-Erreger – etwa jeder zehnte Patient starb. Die WHO sprach damals von einer Pandemie.

Wer ist besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken?

In China haben Experten die Daten von mehr als 44.000 Coronavirus-Patienten untersucht. Von ihnen waren mehr als tausend Menschen gestorben. Die Ergebnisse zeigen, dass manche Risikogruppen besonders gefährdet sind, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Das gilt insbesondere für Männer ab 50.

Das Geschlecht scheint insbesondere für das Sterberisiko eine Rolle zu spielen. Es wurden zwar etwa gleich viel Männer und Frauen mit dem Virus infiziert, aber bei den Männern lag die Sterblichkeitsrate bei 2,8 Prozent; bei den Frauen nur bei 1,7 Prozent. Je älter ein Infizierter, desto höher sein Risiko an der Erkrankung zu sterben: Menschen ab 80 Jahren sind laut den chinesischen Experten dem Sterberisiko unmittelbar ausgesetzt.

Neben Alter und Geschlecht zeigen die Ergebnisse, dass auch Vorerkrankungen einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und auf das Sterberisiko haben. Die höchste Sterblichkeitsrate gibt es bei Infizierten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen – hier liegt sie bei 10,5 Prozent.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

Das neue Coronavirus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, also ein Einatmen von Erregern, die ein Erkrankter beispielsweise beim Husten verteilt. Eine Übertragung ist auch über die Hände möglich.

Wie man sich auch vor dem Coronavirus schützt, erklärt das Robert-Koch-Institut: mit regelmäßigem Händewaschen und auch desinfizieren und ein bis zwei Meter Abstand zu Erkrankten halten. Helfen kann es, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugsknöpfe nicht anzufassen.

Atemmasken gegen das Coronavirus sind dagegen laut den Epidemiologen vor allem dann sinnvoll, wenn man andere vor Ansteckung schützen will. Dafür ist es wichtig, dass die Masken eng anliegen, gewechselt werden, wenn sie feucht sind, und die Träger nicht unbewusst die Maske berühren und so Viren weitertragen. Beweise, dass eine Maske den Träger vor Ansteckung schützt, gibt es dagegen nicht. Die WHO warnt sogar vor einem „falschen Sicherheitsgefühl“, das die Masken erzeugen könnten.

An wen soll man sich wenden bei Coronavirus-Verdacht?

Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden. Gleiches gilt für Reisende aus Risikogebieten, bei denen Symptome auftreten. Die sind derzeit auf Regionen in vier Ländern begrenzt: China, Iran, Italien und Südkorea.

Alle anderen wenden sich an das Amt oder den Hausarzt, der bei Verdacht auf Sars-CoV-2 eine Laboruntersuchung veranlassen kann. Allerdings sollten Betroffene vor dem Gang in die Praxis unbedingt dort anrufen, so Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen.

In Fällen, bei denen eine Infektion mit dem neuen Coronavirus vermutet wird, wird der Arzt den Patienten isolieren. Diese Maßnahme sorgt dafür, dass Menschen in anderen Ländern sich aus Angst vor einer Coronavirus-Quarantäne bereits mit Hamsterkäufen für den Ernstfall eindecken.Hier erklären wir, was häusliche Quarantäne bedeutet – und ob man sich vorbereiten sollte.

Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Coronavirus-Hotline eingerichtet. Die Telefonnummer lautet (030) 34 64 65 100. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantwortet im Internet Fragen rund um das neuartige Coronavirus.

Wie ist die Coronavirus-Situation in Deutschland?

Das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland immer stärker aus. Immer mehr neue Fälle hierzulande werden gemeldet. Darunter sind viele Infektionen in Nordrhein-Westfalen. Dort stehen rund 1000 Menschen mittlerweile unter Quarantäne.

Ausgegangen war der sprunghafte Anstieg von der Infizierung eines an Covid-19 erkrankten Ehepaares. Bevor ihre Infizierung festgestellt wurde, nahmen die beiden – bereits ansteckend – unter anderem an einer Karnevalsveranstaltung mit rund 400 Gästen teil.

Baden-Württemberg meldete ebenfalls mehrere Fälle und auch in Hessen und Hamburg kamen Infektionen hinzu.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte sich besorgt: Deutschland stehe „am Beginn einer Corona-Epidemie“, sagte er. Er habe die Gesundheitsminister der Länder in einer Telefonkonferenz aufgefordert, ihre Pandemiepläne „zu aktivieren und ihr mögliches Inkrafttreten vorzubereiten“, so Spahn.

Die Infektionsketten seien teilweise nicht mehr nachzuvollziehen. Noch sei keine Pandemie ausgebrochen – „aber ich finde es wichtig, dass wir uns auf diese Situation vorbereiten“.

Spahn- Deutschland steht am Beginn einer Coronavirus-Epidemie

Wie bereitet sich Deutschland auf das Coronavirus vor?

Die Bundesregierung, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium haben einen Krisenstab eingerichtet. Dieser erließ bisher Regeln für Reisende und Migranten. Neben Passagieren aus China müssen künftig auch Reisende aus Südkorea, Japan, Iran und Italien ihren Aufenthaltsort nennen. Asylbewerber sollen auf das Coronavirus getestet werden.

Das Gesundheitssystem in Deutschland ist prinzipiell sehr gut, das betonen sowohl Jens Spahn als auch Experten immer wieder, seitdem die ersten Coronavirus-Fälle in Deutschland aufgetaucht sind. Viele Ansteckungen könnten volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und überlastete Gesundheitsämter bedeuten.

Katastrophenforscher Martin Voss sieht vor allem bei den Arztpraxen eine Schwachstelle. „Im Augenblick wird allenthalben improvisiert“, sagt Voss. „Wenn überhaupt, haben wohl nur wenige Praxen Schnelltests zur Verfügung und werden diese nur dann anwenden, wenn sie es mit sehr konkreten Verdachtsfällen zu tun haben.“

Auch auf die Gesundheitsämter, die zuständig sind für die Anordnung und Umsetzung von Schutzmaßnahmen, kommt mit einer möglichen Infektionswelle eine große Belastung zu. Die Behörden seien vorbereitet, sagt Ursula Krickl, Sprecherin des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. „Die Pläne liegen in den Schubladen, die Ämter wissen Bescheid, was sie zu tun haben“, sagt Krickl.

Wie versucht Deutschland Coronavirus-Infektionen frühzeitig zu erkennen?

In Italien verbreitete sich das Virus zunächst unbemerkt. Das halten Experten auch in Deutschland für möglich. Deshalb hat das Robert-Koch-Institut (RKI) damit begonnen, Stichproben von Personen mit Atemwegserkrankungen auch auf das Coronavirus zu testen.

Das RKI hat eine Koordinierungsstelle eingerichtet, um die betroffenen Akteure wie Ärzte, Kliniken, Notfallambulanzen, die medizinischen Dienste an Flughäfen, Gesundheitsämter und Labore zu vernetzen. Zudem sollen Flughafenmitarbeiter und Reisende, die aus bereits betroffenen Ländern kommen, mit Informationsmaterial für das Thema sensibilisiert werden.

Daneben gibt es laut RKI auch die Möglichkeit, Menschen zu testen, wenn sie sich in einem anderen Land aufgehalten haben, in dem sich das Virus verbreitet – momentan etwa China, Italien, Iran oder Südkorea oder die Kontakt zu einem Erkrankten hatten. Betroffene sollten sich zum Abklären an ihren Arzt wenden.

Ratgeber- So schütze ich mich vor Viren

Gibt es Auswirkungen auf den Flug- und Bahnverkehr?

Die deutschen Flughafenbetreiber beobachten das Thema genau, das geht aus einem Statement des Verbands der Verkehrsflughäfen hervor. Es gebe für den Ernstfall detaillierte Notfallpläne mit klaren Prozessabläufen. „Die erforderlichen medizinischen Kapazitäten stehen bereit“, sagte eine Sprecherin des Flughafens Frankfurt.

Flugzeugcrews sind verpflichtet, Personen, die während des Fluges mit Fieber auffallen, am Zielflughafen zu melden. Maßnahmen wie Fiebermessungen an Flughäfen in Deutschland seien aber unverhältnismäßig.

Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus streicht die britische Airline Easyjet Flüge und legt zudem ein Sparprogramm auf. Vor allem Verbindungen nach und aus Norditalien, wo zahlreiche Infektionen gemeldet wurden, seien betroffen, teilte Easyjet in Luton bei London mit.

Fahrgäste der Deutschen Bahn können sich in bestimmten Fällen den Fahrpreis kostenfrei erstatten lassen, wenn ihr Reiseanlass aufgrund des Coronavirus entfällt. Das gelte für den Fernverkehr beispielsweise, wenn eine Messe, ein Konzert oder ein Sportereignis wegen des Virus offiziell abgesagt werde, das gab die Bahn bekannt.

Diese Kulanz gilt auch, wenn ein gebuchtes Hotel am Zielort unter Quarantäne steht sowie für Reisen in die betroffenen Gebiete in Italien. Noch gebe es keine Einschränkungen bei der Bahn. Viele Reisende denken darüber nach, ihre geplanten Reisen nach etwa Italien abzusagen. Coronavirus in Italien: Manche Reisen sind kostenlos stornierbar.

Die EU-Kommission hält es bislang nicht für nötig, aufgrund der Coronavirus-Epidemie systematische Grenzkontrollen einzuführen. Auch die Bundesregierung plant derzeit keine Grenzschließungen. Mehr dazu hier: Coronavirus: Könnte Deutschland die Grenzen schließen?

Wo hat das Coronavirus seinen Ursprung?

Seinen Ursprung hat das Virus nach Angaben der chinesischen Behörden auf einem Fischmarkt in Wuhan, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man geht davon aus, dass eines der Wildtiere Quelle des Virus ist. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

Coronavirus: Welche Maßnahmen ergreift die chinesische Regierung?

Die chinesischen Behörden haben Städte in der zentralchinesischen Provinz Hubei abgeriegelt, insgesamt stehen etwa 56 Millionen Menschen unter Quarantäne. Zu den isolierten Städten gehören unter anderem Jingzhou (5,6 Millionen Einwohner), Xiaogan (5 Millionen Einwohner) und Wuhan (11 Millionen Einwohner), in dem das Virus ausgebrochen war.

Die Abschottung ist eine beispiellose Maßnahme. „Das ist einmalig in der neueren Geschichte, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist nach Angaben eines Sprechers kein vergleichbarer Fall bekannt.

Neben den Maßnahmen in der betroffenen Provinz wurden die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verschärft. Attraktionen wie etwa der Palast in Peking und das Disneyland in Shanghai wurden vorerst für Touristen geschlossen. In Hongkong wurden öffentliche Veranstaltungen abgesagt, die Sonderverwaltungszone hat den Notstand ausgerufen.

Im gesamten öffentlichen Nahverkehr Chinas wurden Messstationen eingerichtet, in denen Passagiere auf Symptome getestet werden. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion sollen sofort in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

Hat die chinesische Regierung rechtzeitig reagiert?

Die Bevölkerung in der Volksrepublik hegt tiefes Misstrauen gegen die Berichterstattung der staatlichen Medien und Angaben der Gesundheitsbehörden. Viele haben Angst, dass die wahre Bedrohung des Virus-Ausbruchs von offizieller Seite heruntergespielt wird. Schließlich war die Informationspolitik der Kommunistischen Partei Chinas beim verheerenden Sars-Ausbruch 2002 überaus intransparent – was die Epidemie damals verschärfte. Damals kamen etwa 800 Menschen dadurch ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein.

Die Gesundheitskommission hatte zunächst eine Reisewarnung nach Wuhan ausgesprochen, die Behörden haben zudem Gesundheitsscanner an Bahnhöfen und Flughäfen installiert, und Präsident Xi Jinping hat in einer Rede seine Parteikader dazu ermahnt, „der Gesundheit der Bevölkerung vorderste Priorität“ einzuräumen. Am Donnerstag folgte schließlich die beinahe vollständige Abriegelung von Wuhan.

• Hier geht es zur Reise- und Sicherheitswarnung des Auswärtigen Amtes für China

(Theresa Martus, Julia Emmrich, Amelie Marie Weber, Fabian Kretschmer und Bettina Funk)

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