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Statt Gehaltserhöhung: Diese Extras kann Ihr Chef verteilen

Berlin.  Man muss nicht nach einer Gehaltserhöhung fragen, wenn man mehr Geld verdienen will. Das geht auch mit diesen steuerfreien Extras.

Ein steuerfreies Extra zum Gehalt kann auch das bezuschusste Mittagessen sein. Egal ob in der Kantine oder im Restaurant.

Ein steuerfreies Extra zum Gehalt kann auch das bezuschusste Mittagessen sein. Egal ob in der Kantine oder im Restaurant.

Foto: imago stock&people

Wahrscheinlich träumt jeder Arbeitnehmer von mehr Geld. Das zu bekommen, ist nicht einfach. Und oft verpufft der Effekt der Gehaltserhöhung weitestgehend – dank der Steuer. Trotzdem kann der Arbeitgeber viel tun, was die Angestellten finanziell entlastet .

Dabei handelt es sich bei den „Geschenken“ zum Gehalt in vielen Fällen sogar um steuerfreie Extras. Dazu muss man allerdings wissen, welche Extraleistungen bei der Steuer eine Rolle spielen – und welche nicht.

Steuerfreie Geschenke zum Gehalt: Schon der Weg ist das Ziel

Der tägliche Weg zur Arbeit mit Bahn, Bus und Straßenbahn kann übers Jahr schon ordentlich ins Geld gehen. Wäre doch schön, wenn der Chef das finanziell unterstützen würde. Seit Jahresanfang kann er das – sogar steuer- und sozialversicherungsfrei. Und zwar dann, wenn der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt einen Zuschuss leistet oder ein Jobticket für öffentliche Verkehrsmittel aushändigt.

Begünstigt sind Einzelfahrscheine, Mehrfahrtenkarten, Monats-, Jahreskarten, Freifahrtberechtigungen wie die Bahncard 100 oder Ermäßigungskarten wie die Bahncards 25 und 50.

Jobticket vom Chef – steuerfrei

Steuerfrei nutzen darf der Mitarbeiter sein Jobticket im öffentlichen Personennahverkehr auf allen Fahrten – auch den privaten. Im Fernverkehr gilt das nicht. Steuerfrei sind nur Dienstfahrten und die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, der „ersten Tätigkeitsstätte“.

Diese Fahrten zur Arbeit dürfen Arbeitnehmer in ihrer Steuererklärung mit 30 Cent pro Entfernungskilometer als Werbungskosten absetzen. Deshalb müssen Sie ein steuerfreies Jobticket vom Arbeitgeber in ihrer Steuererklärung angeben. Das Finanzamt kürzt dementsprechend die Entfernungspauschale.

Beispiel: Der Mitarbeiter erhält im Oktober 2019 eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr im Wert von 600 Euro. Sie gilt drei Monate im laufenden Jahr und neun Monate im Jahr 2020. Entsprechend reduziert das Finanzamt für 2019 die Pendlerpauschale um 150 Euro und in der Steuererklärung 2020 um 450 Euro. Details regelt ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 15. August 2019.

Neues Gesetz geplant, das mehr Nettogehalt bringen soll

Der Gesetzgeber plant aktuell im Jahressteuergesetz 2019 eine weitere Option ohne Minderung der Entfernungspauschale: Wenn der Arbeitgeber pauschal 25 Prozent Lohnsteuer abführt, dann kann der Mitarbeiter das Jobticket ohne weitere Abzüge nutzen. Diese Möglichkeit kann auch in Fällen der Gehaltsumwandlung genutzt werden.

Das heißt, der Arbeitgeber zahlt einen Teil des Gehalts in Form einer Sachzuwendung, nämlich des Jobtickets. Dadurch sinkt der zu versteuernde Lohn – der Arbeitnehmer beteiligt sich zwar finanziell am Jobticket, profitiert aber von etwas weniger Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen. Das Gesetz soll bis Jahresende verabschiedet werden.

Steuervergünstigtes Dienstfahrrad und Elektroauto

Für diejenigen, die lieber zum Arbeitsplatz radeln, gibt es eine gute Alternative zum Jobticket: das Dienstfahrrad, das der Fiskus ebenfalls seit Anfang 2019 mehr denn je fördert. Stellt der Chef das Firmenrad zusätzlich zum Lohn zur Verfügung, dann darf es der Mitarbeiter auch privat nutzen und muss für den geldwerten Vorteil weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Das gilt auch für Elektrofahrräder, die bis 25 Kilometer pro Stunde fahren. Bei einer Entgeltumwandlung muss für die Bewertung des geldwerten Vorteils nur 0,5 Prozent des Bruttolistenpreises (unverbindliche Preisempfehlung der Hersteller) angesetzt werden.

Diese Bewertungsregel gilt auch, wenn der Arbeitgeber ein Elektroauto zur Verfügung stellt. Bei einem Verbrenner-Dienstwagen fällt hingegen der Wert doppelt so hoch aus: ein Prozent des Listenpreises.

Bei einem Firmenwagen kommt noch ein Zuschlag von 0,03 Prozent für jeden Entfernungskilometer zwischen Wohn- und Arbeitsort hinzu. Beim Elektroauto sind es 0,015 Prozent. Zudem dürfen Arbeitnehmer ihr E-Mobil komplett steuerfrei im Betrieb aufladen.

Arbeitgeber kann Mittagessen bezuschussen

Neben den Mitarbeiter-Benefits rund um die Mobilität gibt es eine Reihe weiterer steuergünstiger Gehaltsextras: Viele Arbeitnehmer freuen sich darüber, wenn der Arbeitgeber eine Kantine hat, in der Kollegen gemeinsam Essen gehen können. Viele sehen darin eine teambildende Maßnahme.

Bezahlt der Mitarbeiter als Eigenanteil mindestens den vom Bundesfinanzministerium festgelegten amtlichen Sachbezugswert, dann ist das verbilligte Essen lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Beispiel: Der Arbeitnehmer zahlt für ein Mittagessen in der Kantine 3,50 Euro. Das sind 20 Cent mehr als der amtliche Sachbezugswert 2019; 2020 wird dieser voraussichtlich auf 3,40 Euro erhöht.

Restaurant-Schecks bis 6,40 Euro pro Tag steuerfrei

Ohne Kantine gibt es eine andere Möglichkeit für den Essenszuschuss: Essensmarken oder Restaurant-Schecks. Die kann der Chef seinen Mitarbeitern geben und die lösen sie in kooperierenden Gastronomiebetrieben oder Lebensmittelläden ein.

In diesem Jahr kann er für jeden Arbeitstag einen Scheck bis zu 6,40 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei übergeben, ab 2020 voraussichtlich bis 6,50 Euro.

Neben Papier-Gutscheinen gibt es jetzt digitale Essensmarken. Das funktioniert so: Ein Mitarbeiter kann sich ein Restaurant aussuchen, seine Belege mit dem Smartphone fotografieren und diese in einer App verwalten. Seinen Essenszuschuss vom Arbeitgeber erhält er dann mit der Lohnabrechnung.

Auch Tankgutscheine bis 44 Euro sind steuerfrei

Sehr beliebt sind auch Waren- oder Tankgutscheine – auch in Form einer Prepaid-Kreditkarte. Wenn die monatliche Sachzuwendung höchstens 44 Euro beträgt, ist sie steuer- und abgabenfrei. Ein Cent mehr und dann ist Lohnsteuer fällig!

Gibt es einen persönlichen Anlass, wie zum Beispiel Geburtstag oder die Geburt eines Kindes, dann darf der Arbeitgeber etwas großzügiger sein. Ein Geschenk bis 60 Euro bleibt steuerfrei.

Zu solch steuerfreien Aufmerksamkeiten zählt auch, wenn der Chef seinen Mitarbeitern morgens unbelegte Backwaren, Kaffee und Tee zur Verfügung stellt. Dies stellt lohnsteuerrechtlich kein Frühstück dar, hat kürzlich der Bundesfinanzhof entschieden (Urteil vom 3. Juli 2019, Az. VI R 36/17).

Wer die Frist für eine Steuererklärung verpasst hat, sollte ganz genau schauen: Auch eine späte Abgabe kann sich noch lohnen – sofern man nicht dazu verpflichtet ist. Vorsicht ist geboten: Diese typischen Fehler auf der Steuererklärung kosten viel Geld. Es lohnt sich immer ein zweiter Blick – Einspruch beim Steuerbescheid kann sich lohnen.

Schon fertig mit dem Arbeitsleben? Oder noch gar nicht angefangen? Auch Rentner können bei der Steuer sparen – genau wie Studenten, bei denen es um Hunderte Euro geht.

• Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.

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