Verbraucher

So können Riester-Sparer doppelte Provisionen zurückfordern

Berlin.  Anbieter von Riester-Verträgen haben jahrelang doppelte Kosten erhoben, wenn Sparer ihre Beiträge anpassten. Das können Betroffene tun.

Verbraucherschützer schätzen, dass möglicherweise Zehntausende Riester-Kunden zu viel Provisionen gezahlt haben.

Verbraucherschützer schätzen, dass möglicherweise Zehntausende Riester-Kunden zu viel Provisionen gezahlt haben.

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance/dpa

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Wer sich für eine Rentenversicherung mit Riester-Förderung entscheidet, zahlt oft schon beim Abschluss Tausend Euro und mehr – die Vermittlungsprovision. Wer dann während der Sparphase seine Beiträge erhöht, muss in der Regel eine weitere Provision zahlen. Als wäre das nicht genug, stellt sich nun heraus, dass viele Versicherer sogar Provisionen berechnet haben, wenn Kunden zum Beispiel ihre Beiträge gesenkt haben, weil die Zulagen stiegen.

Dass dieses Vorgehen nicht in Ordnung ist, hat offensichtlich auch das Finanzministerium festgestellt. Schon im Frühjahr erklärte es die doppelten Gebühren für unwirksam. Doch von sich aus zahlen die Versicherer nichts zurück, denn rechtlich sind Sie dazu nicht verpflichtet.

Der zuständigen Aufsichtsbehörde (Bafin) haben die Versicherer nur bestätigt, Beschwerden „im Sinne der Verbraucher zu behandeln“. Das heißt: Betroffene müssen die zu viel gezahlte Provision selbst einfordern. Die Verbraucherzentrale Hamburg stellt dafür auf ihrer Website einen Musterbrief zur Verfügung.

Verbraucherzentrale Hamburg schätzt, dass Zehntausende Riester-Sparer betroffen sind

Aufgeflogen war dieses Vorgehen, als sich ein Betroffener bei der Verbraucherzentrale Hamburg meldete. Diese hat dann alle Versicherer befragt und aufgedeckt, dass viele doppelte Gebühren erhoben haben.

Wie viele Kunden davon tatsächlich betroffen sind, lässt sich jedoch nur schwer abschätzen. Der Interessenverband der Versicherer GDV erklärte, es sei höchstens 1 von 1.000 Verträgen betroffen. Die Verbraucherzentrale schätzt eher, dass 1 von 100 Kunden mehrfach Provision gezahlt hat. Insgesamt könnten also Zehntausende Versicherte betroffen sein.

Jeder, der seine Beiträge angepasst hat, könnte zu viel gezahlt haben

Jeder, der seine Beiträge für die Riester-Rentenversicherung schon einmal angepasst hat, ohne die Sparsumme zu erhöhen, könnte mehrfach Provision gezahlt haben. Dazu zählen vor allem diejenigen, die eigene Beiträge durch Zulagen ersetzt haben: Eltern, die aufgrund der Kinderzulage ihre Beiträge entsprechend reduziert haben oder Verbraucher, die ihre Beiträge gesenkt haben, als im Januar 2018 die Grundzulage erhöht wurde.

Aber auch jeder, der zeitweise weniger oder keine Beiträge gezahlt hat, könnte mehrfach Provision gezahlt haben: Arbeitnehmer, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Teilzeit ihre Beiträge zeitweise gesenkt haben oder diejenigen, die zwischendurch eine Beitragspause eingelegt haben. Nicht betroffen hingegen sind Kunden, die andere Riester-Produkte abgeschlossen haben, wie Banksparpläne, Bausparpläne oder einen Fondssparplan.

Unbeantwortete Anfragen: Versicherer reden nicht gern darüber

Die gemeinnützige Ratgeberwebsite Finanztip.de hat die 25 größten deutschen Lebensversicherer aufgefordert, ihm mitzuteilen, ob und bei wie vielen Kunden sie mehrfach Provisionen erhoben haben. Bei Redaktionsschluss hatten nur zehn Versicherer eindeutig geantwortet. Fünf von ihnen haben doppelte Gebühren zugegeben, vier haben das verneint und ein Anbieter bietet keine Riesterverträge an.

Andere Versicherer hielten sich bedeckt oder sind der Anfrage ausgewichen. So lautet eine Stellungnahme zum Beispiel: „Wir stellen sicher, dass bei sämtlichen Verträgen unserer Kunden die Erhebung der Abschlusskosten den rechtlichen Voraussetzungen entspricht.“ Ein anderer Anbieter teilte mit, dass „kein Riester-Kunde mit Doppelungen bei den Abschluss- und Vertriebskosten der staatlich geförderten Riester-Rente rechnen muss.“ Auf die explizite Nachfrage, ob das auch galt, bevor das Finanzministerium eingeschritten ist, gab der Versicherer dann jedoch keine Antwort mehr.

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Betroffene Kunden müssen aktiv werden und Gebühren zurückfordern

Auch wenn die Versicherer hier ein schlechtes Bild abgeben, heißt das nicht, dass die Riester-Rente an sich auch eine schlechte Idee ist. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Kunden mit dem Musterschreiben der Verbraucherzentrale doppelt gezahlte Provisionen erstattet bekommen.

Auch wenn die Versicherer hier ein schlechtes Bild abgeben, heißt das nicht, dass die Riester-Rente an sich auch eine schlechte Idee ist. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Kunden mit dem Musterschreiben der Verbraucherzentrale doppelt gezahlte Provisionen erstattet bekommen.

Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.

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