Zucker - „Er lauert überall“

Heike Schwarzer hat mit ihrer Familie ein Experiment durchgeführt: Das Ziel lautete, eine Woche lang keinen Zucker zu sich zu nehmen.

Heike Schwarzer beim Zubereiten von Kirsch-Marmelade. Natürlich mit so wenig Zucker wie nur möglich.

Heike Schwarzer beim Zubereiten von Kirsch-Marmelade. Natürlich mit so wenig Zucker wie nur möglich.

Foto: TA

Heike Schwarzer hat mit ihrer Familie ein Experiment durchgeführt: Das Ziel lautete, eine Woche lang keinen Zucker zu sich zu nehmen. Thüringer Allgemeine hat mit der verheirateten Mutter von zwei Töchtern ­(8 und 13), die für den MDR arbeitet, über ihre Erfahrungen gesprochen.

Wie war es denn?

Schwierig. Schon die Überzeugung innerhalb der Familie war nicht einfach. Es hieß ja für die Radioreportage auf Schokolade, Flakes, Müsli oder die selbst gemachte Marmelade zu verzichten. Meine Töchter waren vor allem traurig, dass auch das Backen wegfallen muss. Aber letztlich haben alle ja gesagt. Auch im Wissen, dass wir durchaus schon bewusst essen, Tomatenmark statt Ketchup nehmen, auf Naturjoghurt zurückgreifen oder keine Cola trinken. Trotzdem haben wir gestaunt, was wir alles aus dem Kühlschrank und der Vorratskammer entfernt haben.

Der Zucker hat Sie sauer gemacht?

Es ist schon erschreckend, dass Zucker überall lauert. Und mit Doppelgängern oder Tarnnamen versehen ist, wie Glukose, Fructose, Saccharose. Man muss sich teilweise sehr intensiv mit den Inhaltsangaben der Produkte beschäftigen, um den Zucker zu entdecken. Auch alternative Rezepte zu suchen, benötigt viel Zeit.

Und wie war die Ernährung ohne Zucker?

Wir haben Tee und Kaffee ohne Zucker getrunken, Milchreis und Grießbrei gegessen, Pudding und Desserts haben auch ohne Süße ganz gut funktioniert, dank Milchzucker. Und wir mussten die gewohnten Belohnungen zwischendurch, die Rituale, weggelassen.

Wie lange?

Ich gestehe, dass ich am dritten Tag ein Gummibärchen im Zimmer der Tochter gefunden und es sofort in den Mund gesteckt habe. Ja, es hat geschmeckt. Mein Mann ist einen Tag später auf Arbeit mal kurz schwach geworden. Was Schulessen und Imbiss unterwegs betrifft — da haben wir aufgegeben.

Zu Hause haben Sie aber eine Woche durchgehalten?

Wir haben das Experiment auf fünf Tage reduziert, weil wir nicht zwei Wochenenden komplett auf das Backen verzichten wollten.

Und wie fällt Ihr Fazit aus?

Geschmacklich, dass Zucker in wohldosierter Form besser ist als völliger Verzicht, was im Alltag längerfristig auch fast unmöglich erscheint. Allein durch das Reduzieren nimmt der Genuss zu. Und es ist uns klar geworden, dass Zucker noch weitaus mehr versteckt und heimtückisch vorkommt als vermutet. Unsere Sinne sind geschärft.

Haben Sie etwas geändert?

Beispielsweise den weißen Zucker völlig aus der Dose verbannt. Dafür ist in dieser jetzt Vollrohrzucker drin. Der ist zwar teurer, aber das diszipliniert uns automatisch.

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