Einzelhandel

Aldi, Lidl, Kaufland: Droht die 2G-Regel in Supermärkten?

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Auch Niedersachsens Supermärkte können eine 2G-Regelung einführen.

Auch Niedersachsens Supermärkte können eine 2G-Regelung einführen.

Foto: Benjamin Nolte / dpa-tmn

Wiesbaden  In der Bekämpfung der Corona-Pandemie wird immer wieder über 2G diskutiert. Zwei Bundesländer erlauben die Regel nun im Supermarkt.

  • In Deutschland steigen die Corona-Zahlen rasant an
  • Immer wieder wird auch über eine 2G-Regel diskutiert
  • Mehrere Länder führen 2G auch als Option im Einzelhandel ein - Welche Folgen hat das fürs Einkaufen bei Aldi, Lidl, Kaufland und Co.?

Die Vor und Nachteile der 2G-Regel werden in Deutschland immer noch diskutiert. Sollen Menschen, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen wollen, die gleichen Freiheiten haben wie Geimpfte? Oder muss man gerade die vulnerable Gruppe der Ungeimpften, die immerhin einen Großteil der Covid-Patientinnen und -Patienten auf Intensivstationen ausmachen, besonders schützen?

2G bei Aldi, Lidl und Co? Hessen und Niedersachsen machen 2G möglich

In Niedersachsen können Supermärkte jetzt nur geimpfte und genesene Menschen in ihre Läden eintreten lassen. „Auch in Niedersachsen würde für den Einzelhandel und auch für die Supermärkte die Option bestehen, sich für 2G zu entscheiden“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums der „Neuen Deister-Zeitung“ am Freitag.

Zuvor hatte Hessen erklärt, dass das 2G-Optionsmodell auf den gesamten Einzelhandel ausgeweitet werde, also auch auf den Lebensmittel-Einzelhandel. Nachdem der Einzelhandel lange von der 2G-Regel ausgeschlossen war, hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt einer Händlerin bereits vor einiger Zeit erlaubt, ungeimpften Kundinnen und Kunden den Zutritt zu ihrem Geschäft zu verweigern. Dafür darf dort auf die Maskenpflicht und Abstandsregeln verzichtet werden.

Die Landesregierung hatte die bestehende Corona-Schutzverordnung verlängert und dabei auch zur 2G-Regelung Stellung bezogen. Diese ist in Zukunft ausdrücklich auch im Einzelhandel erlaubt, verpflichtend eingeführt wird sie aber nicht. Damit könnten auch Supermärkte wie Edeka und Rewe oder Discounter, zum Beispiel Aldi oder Lidl, Ungeimpfte vom Zugang zu ihren Filialen in Hessen ausschließen.

2G bei Aldi, Lidl und Co: Umsetzung scheint unwahrscheinlich

Dass viele Einzelhändler die Option umsetzen und damit potentielle Kundinnen und Kunden vom Einkauf ausschließen, scheint aber eher unwahrscheinlich. "Wir gehen davon aus, dass (...) Geschäfte des alltäglichen Bedarfs davon keinen Gebauch machen werden", heißt es aus der hessischen Staatskanzlei.

Auch die Supermarktketten selbst sprechen sich derzeit noch gegen 2G-Regelungen aus. „Zutrittsbeschränkungen zu den Märkten von Aldi Nord im Sinne einer 2G- oder 3G-Regelung sind derzeit nicht geplant“, heißt es in einer Stellungnahme, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt. „Einzelne Kundengruppen vom Einkauf auszuschließen würde grundsätzlich unserem Selbstverständnis des zuverlässigen Grundversorgers widersprechen.“

2G in Supermärkten? Lidl und Kaufland äußern sich

Auch der Discounter Lidl schreibt: „Wir werden keine 2G-Regelung in unseren Filialen einführen.“ So das RedaktionsNetzwerk Deutschland. Rewe-Geschäfte planen ebenfalls keine 2G-Regelung: „Die Märkte der Rewe Group (Rewe, Penny, Toom Baumarkt) werden diese Möglichkeit des 2G-Optionsmodells in Hessen nicht nutzen“, heißt es gegenüber dem RND. Die bisherigen Regelungen in den Märkten hätten sich in der Praxis sehr gut bewährt.

Auch Kaufland äußerte sich ähnlich. „Als Lebensmitteleinzelhändler, der die Grundversorgung sicherstellt, sind wir von der 2G-Regelung nicht betroffen. Wir werden diese weder in noch außerhalb Hessens umsetzen. In unseren Filialen gelten nach wie vor die bekannten Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht."

Karl Lauterbach gegen 2G-Regel im Supermarkt

Die bekannte Physikerin Viola Priesemann hält es für den falschen Weg, die 2G-Regel in Supermärkten einzufühen. "Das schränkt die Teilhabe und die Grundversorgung für einige Menschen zu sehr ein", schrieb sie auf Twitter.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich ebenfalls gegen eine 2G-Regelung in Supermärkten aus. „Der Zugang zu Grundnahrungsmitteln und anderen Produkten zur Grundversorgung muss allen Menschen offenstehen, auch Ungeimpften“ sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er halte eine Einschränkung für „äußerst problematisch“.

Mit der Maskenpflicht gebe es eine sichere Alternative. Mit Ausnahme der Supermärkte befürwortete er aber 2G im Einzelhandel. „Wenn Einzelhändler 2G durchsetzen, könnten sie Menschen ohne Maske ins Geschäft lassen. Das halte ich für sicher“, sagte Lauterbach.

(nfz/dpa)