Unglück

Tote nach Brückeneinsturz bei Toulouse – Ursache geklärt

Toulouse.  Rund 25.000 Brücken in Frankreich sollen marode sein. Doch der Einsturz einer Überführung bei Toulouse hat wohl eine andere Ursache.

Brücken-Einsturz: Überreste der Hängebrücke, die die Orte Mirepoix-sur-Tarn und Bessieres verband, liegen im Fluss Tarn.

Brücken-Einsturz: Überreste der Hängebrücke, die die Orte Mirepoix-sur-Tarn und Bessieres verband, liegen im Fluss Tarn.

Foto: Manuel BlondeauAop.Press / dpa

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Der Einsturz einer Hängebrücke über dem Fluss Tarn in Südwestfrankreich ist ersten Erkenntnissen zufolge durch einen viel zu schweren Lastwagen ausgelöst worden. „Wir sprechen von mehr als 45 Tonnen [Gesamtgewicht]“, sagte der Bürgermeister von Mirepoix-sur-Tarn, Éric Oget, dem lokalen Radiosender France Bleu Occitanie am Dienstag.

Die Ermittler hätten das Gewicht aufgrund der Größe des Fahrzeugs geschätzt, ergänzte Oget. Laut Medienberichten war die Brücke nördlich von Toulouse für Fahrzeuge mit einem Gewicht von maximal 19 Tonnen freigegeben. Der Lastwagen war mehr als doppelt so schwer.

Brückeneinsturz bei Toulouse – Bauwerk wurde 2017 überprüft

Bei dem Einsturz der Brücke bei Mirepoix-sur-Tarn waren am Montag eine 15-Jährige, die mit ihrer Mutter im Auto unterwegs war, und der Fahrer des Lastwagens gestorben. Die Mutter des Mädchens konnte gerettet werden. Es seien keine weiteren Vermissten mehr gemeldet worden, sagte Oget der Nachrichtenagentur AFP.

Die Brücke war „offenbar ordnungsgemäß überprüft worden“ und hatte bei ihrer letzten detaillierten Inspektion „keine strukturellen Probleme“, betonte Dominique Alzeari, Staatsanwalt in Toulouse. Frankreichs Premierminister Édouard Philippe sagte, die Brücke nördlich von Toulouse sei 2017 das letzte Mal gründlich untersucht worden. „Ihre technische Stabilität stand in keiner Weise infrage.“

Auf dieser Google-Karte ist Mirepoix-sur-Tarn bei Toulouse zu sehen

Viel zu schwerer Lkw fuhr mit Anhänger auf die Brücke

Der Sender France Bleu Occitanie hatte bereits am Montag berichtet, dass der Lkw mit einem Anhänger auf der Brücke unterwegs war und insgesamt mehr als 40 Tonnen gewogen haben könnte.

Die Regionalzeitung „Dépêche du Midi“ berichtete, dass zwei Laster in Richtung Brücke unterwegs gewesen seien, der erste mehr als 40 Tonnen schwer. Der zweite Lkw habe davor gewartet, bis der erste die Brücke überquert hat – doch diese brach dann schließlich mit dem schweren Lkw und anderen Fahrzeugen zusammen. Anwohner sagten, viel zu schwere Lastwagen seien oft über die Brücke gefahren.

Fünf Menschen wurden verletzt – auch Zeugen, die helfen wollten

Mindestens fünf Menschen wurden bei dem Einsturz verletzt, darunter auch Zeugen, die nach dem Unglück geholfen hatten. Die Einsatzkräfte hatten am Montag mit Schlauchbooten nach weiteren Opfern gesucht, auch Taucher waren im Einsatz.

zehn monate nach unglück- autobahnbrücke in genua gesprengtDer Lastwagen und das in den Tarn gestürzte Auto sollten im Laufe des Tages von Feuerwehrleuten gesichert werden.

Die Brücke über den Tarn wurde zuletzt 2003 renoviert

„Ich war am Montagmorgen gegen 8.00 Uhr in meinem Badezimmer und hörte einen gewaltigen Lärm“, sagte der Anwohner Philippe Duguet laut einem Bericht. „Ich wohne 300 Meter von dieser Brücke entfernt und es ist eine Route, die ich oft nehme.“

Die 150 Meter lange und fünf Meter breite Brücke verbindet die Ufer des Tarn und die Orte Mirepoix-sur-Tarn und Bessières rund 35 Kilometer nordöstlich von Toulouse. Sie wurde 1935 erbaut und 2003 renoviert.

Mindestens 25.000 Brücken in Frankreich in schlechtem Zustand

Auf Bildern ist zu sehen, wie die Brücke teils im Fluss versinkt. Nur an den Ufern ließ sich noch die Straße erkennen, die über dem Fluss komplett weggebrochen war. Das Konstrukt, mit dem die Seile der Brücke über dem Tarn gespannt wurden, war aber größtenteils noch intakt.

Im August 2018 starben beim Einsturz der Morandi-Brücke im norditalienischen Genua 43 Menschen. Die Brücke stand mitten in einer bewohnten Umgebung. Nach dem Unglück wurden auch in Frankreich die Brücken untersucht. Das erschreckende Ergebnis: Mindestens 25.000 befinden sich in schlechtem baulichen Zustand und bergen für die Nutzer Sicherheitsrisiken. (mbr/dpa)

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