Geburtstag

Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner ist mit 75 voller Ideen

Berlin.  Er gilt schon zu Lebzeiten als Legende: Gefeiert und angefeindet – am Dienstag wird Bergsteiger-Ikone Reinhold Messner 75 Jahre alt.

Yeti-Experte und Yak-Züchter: Reinhold Messner treibt die zotteligen Rinder von Sulden am Ortler auf die Alm in 3000 Meter Höhe.

Yeti-Experte und Yak-Züchter: Reinhold Messner treibt die zotteligen Rinder von Sulden am Ortler auf die Alm in 3000 Meter Höhe.

Foto: imago stock / imago/Sammy Minkoff

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Er ist der berühmteste Abenteurer der Welt: Als erster Mensch hat er alle 14 Achttausender der Welt ohne Sauerstoffflasche bestiegen. Er durchquerte die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. Er ist Schriftsteller, Regisseur, Bauer, Unternehmer, Politiker, Museumsgründer und die Stimme des Gewissens: Reinhold Messner. Am Dienstag wird er 75 Jahre alt. Vom Rentnerleben ist er weit entfernt, sagt er.

„Warum soll ich mit 75 Jahren mit einer Flasche Bier vor dem Fernsehen sitzen? Ich bin voller Ideen! Ich bin nicht bereit, mein kreatives Leben aufzugeben, weil jemand sich wünscht, dass ich Händchen haltend in Rente gehe“, sagt er in einem Interview mit der „Zeit“ und ergänzt: „Das ist wohl der Hauptgrund, warum meine Frau mich verschickt hat.“

Gerade getrennt – und schon wieder verliebt

Im August hat Messner die Trennung von seiner zweiten Frau Sabine Stehle, mit der er drei Kinder hat, bekannt gegeben. Doch der Gipfelstürmer blieb nicht lange Single. Er habe sich schon wieder frisch verliebt. „Ja, sie ist ein paar Jahrzehnte jünger“, so ließ er sich in Interviews zitieren. Bei ihr spüre er „große Neugier an dem, was ich mache“.

Von vielen als größter Bergsteiger aller Zeiten gefeiert, wurde er aber auch angefeindet: als arrogant – als jemand, der für sich selbst in Anspruch nimmt, den Everest zu erklimmen, ihn aber für die Masse am liebsten dichtmachen würde. Doch nach den Todesfällen und Fotos von Menschenschlangen, die auf dem Weg zum Gipfel wie Autos im Stau stehen, zollte man ihm Beifall.

Messner prägte einen neuen Alpinstil

Messner, mal Visionär, war vor allem aber Revolutionär, der die Welt des Bergsteigens in den 1970er-Jahren verändert hat: mit dem Verzicht auf Expeditionstross, Fixseile und Flaschensauerstoff prägte er den neuen Alpinstil und setzte dabei mit Sologängen auf Achttausendern neue Maßstäbe.

Alle Grausamkeit des Alpinismus erlebte Messner an seinem Schicksalsberg, dem Nanga Parbat. Dort kam im Jahr 1970 bei der gemeinsamen Besteigung sein jüngerer Bruder Günther ums Leben. Der Verlust prägte Messners Leben. Sogar sein Vater hat ihm eine Mitschuld an dem Tod des Bruders gegeben.

Ein Leben als Gesamtkunstwerk

Der Fund der Überreste von Günther bestätigte Messners Version: Sein Bruder wurde von einer Lawine verschüttet. Er hätte ihm nicht helfen können, betont er immer wieder. Und sagt: „Es ist nicht die Schuld, die bleibt, sondern die Verantwortung.“

Die Berge sind trotz und vielleicht auch wegen der harten Erfahrungen sein Leben. Und dieses Leben hat er zu einem Gesamtkunstwerk geformt. Sichtbar vor allem im „Messner Mountain Museum“ – kurz MMM –, einer Begegnungsstätte von Berg und Kultur in der grandiosen Landschaft von Belluno und Südtirol, wo er Burgherr von Schloss Juval ist.

Als Grünen-Politiker im EU-Parlament

Ein Mann im Höhenrausch, sagen manche. Auf jeden Fall einer mit vielen Seiten und Ideen: Als Grünen-Politiker saß er im Europaparlament, als Experte für Risikomanagement wird er zu Vorträgen eingeladen. Mit Wirtschaftsbossen steigt er auf Berge, auch mit Angela Merkel. Er dreht Filme. Züchtet Yaks und gilt als Yetiforscher.

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Geblieben ist für ihn, der dem Tod oft so nahe war, ein Leben ohne Furcht vor dem Tod, wie er sagt. Der Tod sei einfach nur eine Selbstverständlichkeit für ihn. Doch einer wie er denkt mit 75 vor allem an eins: an das Leben. Er guckt nach vorn. Immer. Denn er habe „festgestellt, dass es wenig bringt, auf das zurückzublicken, was hinter uns liegt“.

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