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Drosten: Astrazeneca-Impfstoff viel besser als sein Ruf

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Zurückhaltung beim Impfen mit Astrazeneca

Zurückhaltung beim Impfen mit Astrazeneca

In Deutschland haben die Impfungen mit dem britischen Vakzin des Anbieters AstraZeneca begonnen. Doch momentan breitet sich Skepsis aus, da der Impfstoff anscheinend stärkere Nebenwirkungen hat, als vorher angenommen. In Niedersachsen melden sich 50% des geimpften Personals nach der ersten Impfung krank. Im Saarland kommt gut die Hälfte aller angemeldeten gar nicht erst zum Impftermin.

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Berlin.  Im NDR-Podcast zum Coronavirus spricht Christian Drosten über den Astrazeneca-Impfstoff auf. Zudem bewertet er zwei Studien aus Israel.

In der neuesten Folge des Corona-Podcasts im NDR hat Virologe Christian Drosten den Astrazeneca-Impfstoff gegen Kritik verteidigt. Auf die Frage, ob das Vakzin besser als sein Ruf sei, sagte er: "Ja das kann ich ohne Zögern sagen. Da ist vieles falsch verstanden worden."

Laut Drosten liege das daran, dass es sich bei Astrazeneca um einen "halb akademischen Impfstoff" handele. Nicht ein großer Pharmakonzern stehe dahinter, der die ganze Datenlage koordiniert und in einer großen Zusammenfassung in die Öffentlichkeit bringt. Sondern der Impfstoff werde "sehr engmaschig von der akademischen Forschung begleitet".

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Drosten im Podcast: Auf Astrazeneca-Impfstoff bauen

Das bedeutet: Neue Informationen werden häppchenweise publiziert. Wie es in der Wissenschaft üblich ist, gehe es auch um die Zahl der Veröffentlichungen der Forscherinnen und Forscher. "Manchmal wäre es sicherlich besser gewesen, das Ganze in einem größere Rahmen zu sehen", so Drosten.

Drosten sprach sich dafür aus, hierzulande unbedingt auch auf den nach seiner Einschätzung "sehr guten" Astrazeneca-Impfstoff zu bauen.

„Wir müssen alles dransetzen, jetzt so schnell wie möglich in der Breite zu impfen“, bilanzierte der Virologe. "Die Impfstoffe, die wir haben, die sind extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf." Das solle man nicht tun. Wichtig sei, dass die Impfstoffe das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs minimierten.

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Astrazeneca-Impfstoff: Impfaktion in Südafrika ausgesetzt

Kürzlich war bekannt geworden, dass der Astrazeneca-Impfstoff bei einer zunächst in Südafrika entdeckten Variante wohl weniger vor milden und schweren Verläufen von Covid-19 schützt. In Südafrika ist eine geplante Impfaktion mit dem Impfstoff daher kurzfristig ausgesetzt worden.

Drosten hält für Deutschland allerdings vielmehr die Variante aus Großbritannien (B.1.1.7) für relevant, wie er erläuterte. Deren Anteil wachse hierzulande, ebenso wie in anderen Ländern. B.1.1.7 bedeute aber laut einer Studie keinen Nachteil für die Schutzwirkung des Astrazeneca-Impfstoffs.

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Schon die erste Impfung hat "erstaunlichen Schutzeffekt"´

Drosten verwies außerdem auf Daten aus Israel, wo bereits ein sehr großer Teil der Bevölkerung zumindest die erste Impfdosis erhalten hat. Dort zeigt sich: Wenn etwa die Hälfte einer Altersgruppe auch nur mit einer Dosis versehen ist, nimmt die Zahl der Neuinfektionen in dieser Altersgruppe insgesamt deutlich ab. "Das ist ein erstaunlicher Schutzeffekt", so Drosten.

In Israel wird nur der Biontech-Impfstoff verwendet. Aber hinsichtlich der Wirkung ergibt sich beim Astrazeneca-Produkt kein wesentlich anderes Bild. "Die Daten, die für die Vakzine von Biontech/Pfizer und Astrazeneca vorliegen, sind sehr ermutigend. Man kann vermuten, dass die Übertragbarkeit durch die Impfung insgesamt verhindert wird."

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Die Viruslast nimmt bei Geimpften offenbar stark ab

In dem Podcast bewertete der Virologe von der Berliner Charité zudem zwei Preprint-Studien aus Israel, die Hoffnung machen. Sie untersuchten unter anderem, in welchem Maße geimpfte Personen noch ansteckend sind. Es zeige sich, dass "es zum Absenken der Viruslast ab zwölf bis 28 Tagen nach der ersten Dosis" komme, erklärte Drosten. "Und zwar in einen Bereich, in dem nach unserer Einschätzung die Infektiosität endet."

Wer geimpft ist, dürfte einen anderen Menschen laut Studie also nicht so schnell oder überhaupt nicht anstecken können. Noch eine gute Nachricht: "Dabei gibt es keine Unterschiede zwischen der Mutation B.1.1.7 und nicht-Mutanten", so Drosten. (les/dpa)

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