Robert-Koch-Institut

Rücktritt: RKI-Präsident Wieler war der Corona-Erklärer

Julia Emmrich
| Lesedauer: 3 Minuten
Der Präsident des Robert Koch-Insituts (RKI), Lothar Wieler, hat angesichts der sich ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus dazu aufgerufen, Weihnachten nur im kleinsten Kreis zu feiern.

Der Präsident des Robert Koch-Insituts (RKI), Lothar Wieler, hat angesichts der sich ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus dazu aufgerufen, Weihnachten nur im kleinsten Kreis zu feiern.

Foto: Omer Messinger/Getty Images

Berlin  Deutschlands oberster Seuchenbekämpfer tritt ab. Lothar Wieler hat seinen Rücktritt als RKI-Präsident zum 1. April bekannt gegeben.

„Impfen, impfen, impfen“ – das war Lothar Wielers Mantra in der Pandemie: Der Veterinärmediziner, den vor Corona kaum jemand kannte, war als Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI) einer der wichtigsten Virus-Erklärer der Republik. Am Mittwoch teilte das Bundesgesundheitsministerium mit, dass Wieler seinen Posten abgibt.

Er werde auf eigenen Wunsch zum 1. April sein Amt niederlegen, um sich neuen Aufgaben in Forschung und Lehre zu widmen, der Schritt erfolge im Einvernehmen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, hieß es am frühen Nachmittag. Der SPD-Mann verabschiedete den 61-jährigen Wieler mit einem saftigen Lob: „Ohne Professor Wieler wäre Deutschland deutlich schlechter durch diese Pandemie gekommen“, erklärte Lauterbach. Er persönlich habe die „vertrauensvolle Zusammenarbeit“ über all die Jahre sehr geschätzt. „Umso mehr bedauere ich, dass er das RKI verlassen wird, um sich jetzt wieder verstärkt Forschung und Lehre widmen zu können.“

Wieler tritt ab: Deutschlands Seuchenbekämpfer erklärt und prognostiziert

Warme Worte zum Ende - dabei lief es nicht immer reibungslos zwischen den beiden: Als das RKI scheinbar eigenmächtig den Genesenenstatus für Corona-Infizierte änderte und den Minister damit kalt erwischte, gab es Ärger. Lauterbach aber hielt an Wieler fest. Oder: Dass Deutschland auch Monate nach dem Start der Impfkampagne nicht in der Lage war, präzise Daten zur Anzahl der Impfungen zu liefern, war zwar nicht Wielers persönliche Schuld, sie blieb aber am RKI hängen.

Wieler stand seit März 2015 an der Spitze des RKI, in der Pandemiebekämpfung spielte das RKI ab Frühjahr 2020 eine zentrale Rolle bei der Kontrolle und Bewertung des Infektionsgeschehens. Die täglichen Lageberichte und wöchentlichen Analysen bestimmten über Monate die Politik. Den Wechsel von Jens Spahn (CDU) zu Karl Lauterbach (SPD) im Ministerium überstand Wieler mühelos. Der RKI tat einfach, was er immer tat: Die Daten erklären, Prognosen erstellen und Warnungen abgeben. In der Regel lag er damit richtig: Wenn Wieler eine neue Viruswelle kommen sah, weil seine Modellierer das so errechnet hatten, dann kam sie meistens auch.

Politikum Wieler: Morddrohungen halten "mich nicht ab von meiner Pflicht"

Wielers Eintreten für strenge Corona-Regeln brachte ihm in der Öffentlichkeit viel Anerkennung, aber auch heftige Kritik ein – bis hin zu massiven Anfeindungen und sogar Morddrohungen. „Ich wünschte, die Lage wäre angenehmer, aber ich bekomme immer noch Drohungen“, sagte Wieler im Oktober 2021 dieser Redaktion. Wenn etwa öffentlich behauptet werde, er sei dafür verantwortlich, dass Schulen geschlossen würden, oder wenn irgendwo die Behauptung stehe, er wolle Lockdown statt Freiheit, „dann nehmen die Drohungen, auch die Morddrohungen, massiv zu“. Das hindere ihn aber nicht an seiner Arbeit. „Das Risiko hält mich aber nicht ab von meiner Pflicht. Solange ich Beamter dieses Staates bin, werde ich ihm verantwortungsvoll dienen“, sagte Wieler.

Weil das RKI gerade in der Anfangszeit der Pandemie großen Einfluss auf die Politik hatte, wurde immer wieder Wielers Rolle in Frage gestellt: Im Bundestagswahlkampf forderte die FDP seine Ablösung und einen Umbau des RKI. Für eine Übergangszeit wird Wielers Aufgabe durch seinen Stellvertreter Lars Schaade übernommen.