Inlandsurlaub

Wo kann ich in Deutschland Urlaub machen - trotz Corona?

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Scholz hält Urlaubsreisen im Sommer für denkbar

Scholz hält Urlaubsreisen im Sommer für denkbar

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die Menschen im Sommer in den Urlaub fahren können. Das hänge unter anderem davon ob, wie die Pandemie sich in Deutschlands Nachbarländern entwickle.

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Berlin.  Deutschland-Trip statt Fernreise: Während der Pandemie hoffen viele zumindest auf Urlaub im Inland. Wo gibt es erste Öffnungsschritte?

  • Nach monatelangem Lockdown sehnen sich wohl viele Deutsche nach einem Urlaub
  • Noch ist die Notbremse in Kraft - sie wird allerdings an vielen Orten in Deutschland bereits gelockert
  • Wo kann ich in Deutschland Urlaub machen? Hier bekommen Sie einen Überblick über die Corona-Regeln der Bundesländer

Pfingsten steht an und auch die Sommerferien rücken in vielen Bundesländern näher, doch die möglichen Urlaubsziele sind im Pandemie-Jahr 2021 begrenzt. Für viele Länder gelten nach wie vor Reisewarnungen - ein Grund mehr, um auf deutsche Urlaubsziele auszuweichen.

Deutschland hat zwar viel zu bieten, allerdings ist seit 24. April auch die Bundes-Notbremse in Kraft. Einige Bundesländer haben allerdings Lockerungen angekündigt. Ein Überblick über die Vorgaben und Regeln für Ihren Urlaub in Deutschland.

Bundes-Notbremse: Ist Urlaub in Deutschland aktuell möglich?

Seit Ende April befindet sich die Bundesrepublik in einem strikten Lockdown. Zu den aktuellen Maßnahmen zählen bundesweite nächtliche Ausgangsbeschränkungen sowie strengere Bestimmungen für Geschäfte, Schulen und Kindergärten. Private Kontakte bleiben ebenfalls eingeschränkt.

Diese Maßnahmen greifen dort, wo die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinander folgenden Tagen über 100 liegt. Die Notbremse bleibt so lange in Kraft, bis die Sieben-Tage-Inzidenz auf unter 100 sinkt. Die aktuellen Beschränkungen gelten bis 30. Juni.

Thomas Bareiß (CDU), der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, sagte SWR: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass Urlaubsreisen bei uns ab Juni in immer mehr Regionen möglich werden. Wichtig ist, dass der Bundes-Lockdown nicht über den 30. Juni hinaus verlängert wird."

Bayern: Söder verspricht Perspektive für Tourismus

Obwohl die Notbremse streng genommen noch fast zwei Monate gilt, könnten Inlandsreisen rund um Pfingsten tatsächlich schon bald möglich sein: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) versprach Lockerungen ab dem 10. Mai. "Wir wollen zu Pfingsten eine Tourismusperspektive haben für Hotels, Ferienhäuser und Ferienwohnungen." Sobald die Inzidenz unter 100 liegt, "sollte eine Öffnung mit Hygienekonzepten möglich sein", so Söder.

In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 sollen die Außengastronomie, Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos öffnen dürfen. Ab diesem Donnerstag werden Corona-Geimpfte und Menschen mit negativ Getesteten gleichgestellt und ihnen werden weitere Lockerungen geboten.

Aktuell liegen allerdings nur zehn von insgesamt 71 Landkreisen und 25 kreisfreien Städten in Bayern unter der Schwelle von 100 (Stand 5. Mai): Dazu zählen Passau, Lindau, Würzburg, Erlangen, Tirschenreuth, Weiden in der Oberpfalz, Neustadt an der Waldnaab, Amberg-Sulzbach, Starnberg und Landsberg am Lech.

Erste Öffnungsschritte in Niedersachsen

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) versprach ähnliche Freiheiten für Geimpfte und Corona-Genese. Auch in Niedersachsen sollen schon ab kommender Woche erste Öffnungsschritte in Gastgewerbe und Handel erfolgen, sofern die Inzidenzwerte in Kommunen unter 100 liegen. Ab Montag sollen Geschäfte unter strengen Auflagen öffnen dürfen und Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe sollen unter strikten Vorsichtsmaßnahmen wieder anlaufen.

Die Lockerungen gelten hier allerdings vorerst nur für Bürger aus Niedersachsen. Eine weitergehende Öffnung des Tourismus für Gäste jenseits des Landes könnte dann in die nachfolgende Corona-Verordnung eingearbeitet werden, die vom 31. Mai an greift.

Von 37 Landkreisen und acht kreisfreien Städten in Niedersachsen haben aktuell 26 Regionen einen Inzidenzwert unter 100. (Stand 5. Mai.)

Sachsen: Lockerungen für Tourismusbranche geplant

Ab 10. Mai stellt Sachsen Geimpfte und Genese ebenfalls gleich. Laut Gesundheitsministerin Köpping sind auch hier Öffnungen der Außengastronomie und Lockerungen für die Tourismusbranche unter Auflagen geplant. Voraussetzung: Die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region muss fünf Tage lang unter 100 liegen. Momentan weist allerdings keine Region einen Inzidenzwert von unter 100 auf. (Stand 5. Mai)

Bei einer regionalen Inzidenz unter 100 sind Übernachtungen auf Campingplätzen und in Ferienwohnungen erlaubt, bei einem Wert unter 50 sind auch wieder Übernachtungen in Hotels und Pensionen möglich.

Mecklenburg-Vorpommern: Einreise unter bestimmten Voraussetzungen gestattet

Mecklenburg-Vorpommern wagt ebenfalls erste Öffnungsschritte. Vollständig Geimpften sind Tagesausflüge wieder gestattet und Zweitwohnungsbesitzern aus anderen Bundesländern ab Mittwoch wieder die Einreise. Gesundheitsminister Harry Glawe sagte allerdings, dass touristische Übernachtungen in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen weiter untersagt sind. Von den sechs Landkreisen und zwei kreisfreien Städten ist die Notbremse nur in Vorpommern-Rügen nicht mehr in Kraft. (Stand 5. Mai)

Baden-Württemberg: Das könnte an Pfingsten möglich sein

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) schließt nicht aus, dass um Pfingsten herum Biergärten und Hotelbereiche in Regionen mit stabilen Inzidenzen geöffnet werden könnten. "Im Freien ist das Ansteckungsrisiko um Faktor 20 geringer. Wenn man das noch mal verbindet mit einer entsprechenden Teststrategie, mit der Vorlage des Impfausweises, wenn man voll geimpft ist, dann kann man da schon Schritte in diese Richtung machen", sagte er am Dienstag in Stuttgart.

Gesundheitsminister Manne Lucha fügte hinzu, dass es in Regionen mit Inzidenzen unter 100 auch Möglichkeiten für Außengastronomie, für Handel und die Hotellerie geben könnte. Von 35 Landkreisen und neun kreisfreien Städten weisen aktuell fünf Regionen einen Inzidenzwert unter 100 auf (Stand 5. Mai): Breisgau-Hochschwarzwald, Freiburg im Breisgau, Emmendingen, Heidelberg und der Main-Tauber-Kreis.

Berlin: Inzidenzen sind vielversprechend

Auch in Berlin geht es in Sachen Fallzahlen in die richtige Richtung. "Wenn sich die Inzidenzen so weiterentwickeln, wie wir das im Moment sehen, dann glaube ich, kann man auch bei uns außengastronomische Angebote machen", sagte der Regierende Bürgermeister, Michael Müller (SPD). Demnach könnten an Pfingsten Außenbereiche von Cafés und Restaurants nach Einschätzung des Senats wieder öffnen.

Laut Müller müssten die Regeln in Absprache mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) allerdings noch endgültig formuliert werden. Außerdem sei eine bundesweite Absprache zu Urlaubsmöglichkeiten in den Sommerferien unverzichtbar. In Berlin gilt die Notbremse.

Corona: Mögliche Wege zum Impftermin
Corona: Mögliche Wege zum Impftermin

Brandenburg: Öffnungen im Bereich Tourismus nicht abwegig

Auch Brandenburg erwägt die Öffnung der Außengastronomie zum Pfingstwochenende. "Die Infektionslage stabilisiert sich weiter. Unter der Voraussetzung, dass sich dieser Trend in den nächsten zwei Wochen fortsetzt, besteht die gute Chance, zu Pfingsten die Außengastronomie zu öffnen", teilte die SPD-Landesgeschäftsstelle im Namen des Regierungsbündnisses in einer Pressemitteilung mit.

Auch in den Bereichen Sport, Kultur und Tourismus könne laut Pressemitteilung über Öffnungen nachgedacht werden. "Dabei gilt das Prinzip außen vor innen zu öffnen und Testkonzepte umzusetzen." Eine Öffnung zu Christi Himmelfahrt am 13. Mai sei aber noch nicht möglich.

In Brandenburg weisen fünf von 14 Landkreisen und vier kreisfreien Städten eine Inzidenz unter 100 auf (Stand 5. Mai): In Potsdam-Mittelmark, Märkisch-Oderland, Barnim, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin ist die Notbremse nicht in Kraft.

Thüringen: Neue Verordnung verspricht Lockerungen für Tourismusbranche

Auch in Thüringen kündigen sich Öffnungsschritte an. Bei stabilen Inzidenzwerten unter 100 sollen künftig Besuche in Biergarten und bestimmte Formen des Tourismus wieder möglich sein. Laut Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) soll eine entsprechende Verordnung am Donnerstag in Kraft treten. Sie rechne zusätzlich mit Öffnungsschritten im Bereich der Außengastronomie, Camping, der Buchung von Ferienhäusern und der körpernahen Dienstleistungen.

Laut eines ersten Entwurfs für die Verordnung dürfen künftig Campingplätze und Ferienhäuser gebucht werden, sofern die Inzidenz stabil unter 100 liegt, es ein Infektionsschutzkonzept gibt und die Kontaktnachverfolgung sichergestellt ist. Alle anderen touristischen Übernachtungen sollen allerdings vorerst verboten bleiben. Aktuell ist die Notbremse in ganz Thüringen noch in Kraft (Stand 5. Mai).

Bremen: Lockerungen für Geimpfte und Genesene

Auch in Bremen stehen Änderungen der Regeln bevor. Der Senat beschloss am Dienstag, dass Menschen, die über einen vollständigen Impfschutz verfügen oder in den vergangenen sechs Monaten eine Infektion überstanden haben, in Zukunft von allen Testpflichten ausgenommen sind.

Geändert wurden auch die Regeln zur Vorlage von Corona-Tests: So werden künftig sowohl negative PCR-Tests, Antigen-Schnelltests als auch Selbsttests akzeptiert. Damit ein Selbsttestergebnis akzeptiert werde, müsse der Test allerdings vor Ort und unter Aufsicht durchgeführt werden. In Bremen liegt der Inzidenzwert allerdings noch über 100.

In Schleswig-Holstein liegt keine Region über der Inzidenzschwelle von 100. Auch Hamburg ist von der Notbremse befreit. In Rheinland-Pfalz ist die Notbremse in sechs Regionen nicht mehr in Kraft. In Nordrhein-Westfalen sind es dagegen nur drei - Münster, Höxter und Coesfeld.

Kurz gesagt: Noch gibt es keine einheitlichen Regelungen für die Wiederaufnahme des Tourismus in Deutschland. Jedes Bundesland hat selbst geregelt, wann und in welchem Umfang Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze und Gastronomiebetriebe wieder öffnen dürfen.

Schleswig-Holstein lockert ebenfalls Coronabeschränkungen

Schleswig-Holstein geht ebenfalls weitere Öffnungsschritte im Tourismus und weiteren Bereichen. So dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete vom 17. Mai an unter strengen Vorgaben landesweit Gaststätten auch in Innenräumen besuchen und in Beherbergungsbetrieben übernachten, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch bekanntgab. Erleichterungen gibt es auch in den Bereichen Kita, Schule, Sport und Kultur.

Wer als Tourist im Norden übernachten will muss sich demnach alle drei Tage auf Corona testen lassen. Mit ihren Beschlüssen weitet die Landesregierung praktisch die für vier Modellregionen geltenden Regeln auf das gesamte Land aus.

Bisher dürfen Urlauber in der Schleiregion, in Eckernförde und in Nordfriesland unter strikten Corona-Vorgaben Urlaub machen. Von diesem Samstag an ist das auch in Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt an der Ostsee in der Lübecker Bucht möglich. Am Montag folgt Büsum in Dithmarschen.

In Hamburg ist die Lage unsicher

Die Inzidenz in Hamburg lag in den letzten Tagen mal knapp über, mal knapp unter 100. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) will vorsichtig bleiben, man werde sicher nicht alle Maßnahmen gleichzeitig aufheben, sagte Tschentscher. Denn das sei "ja der Fehler, der in vielen Ländern und in Deutschland insgesamt gemacht wurde". Ferienwohnungen und Hotels sind für Privatreisende weiterhin geschlossen.

NRW: Landesweite Lockerungen noch nicht absehbar

In Nordrhein-Westfalen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz noch weit oberhalb der kritischen Marke von 100 – zuletzt bei 148. Heißt: Landesweite Öffnungsschritte für Tourismus sind noch nicht in greifbarer Nähe. Möglich aber ist, dass Modellregionen mit niedriger Inzidenz wie etwa in Münster, bereits kurzfristig loslegen dürfen.

Rheinland-Pfalz plant kontaktarmen Urlaub

Das Kabinett in Rheinland-Pfalz will sich am Freitag mit Öffnungsschritten befassen. Dabei werde es etwa um den kontaktarmen Urlaub in den Pfingstferien gehen, also etwa in einer Ferienwohnung oder auf einem Campingplatz mit eigener sanitärer Anlage, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). "Wir werden das Infektionsgeschehen weiterhin genau beobachten und entscheiden, ob darüber hinaus weitere Öffnungen im Bereich des Einzelhandels der Gastronomie, Hotellerie und Kultur, insbesondere in den Regionen mit niedrigen Inzidenzen verantwortbar sind."

Sachsen-Anhalt will ab nächster Woche lockern

Die Landesregierung in Sachsen-Anhalt will in Landkreisen mit relativ niedrigen Infektionszahlen ab nächster Woche Lockerungen bei den Corona-Regeln ermöglichen. Dort könnten dann wieder die Außengastronomie, bestimmte touristische Angebote und die Außenbereiche von Schwimmbädern öffnen. Zudem soll bald auch wieder autarker Tourismus in Kreisen mit niedriger Inzidenz möglich sein - in Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen.

(bk/jule/day)