Auslandsadoptionen

Eltern verstoßen Leihmutter-Kind: Wird Bridget adoptiert?

Melbourne.  Von einer ukrainischen Leihmutter ausgetragen, von ihren US-Eltern verstoßen: Die dreijährige Bridget braucht jetzt Adoptiveltern.

Bridget ist heute drei Jahre alt und lebt im Waisenheim Sonechko, eine Stunde von der Hauptstadt Kiew entfernt.

Bridget ist heute drei Jahre alt und lebt im Waisenheim Sonechko, eine Stunde von der Hauptstadt Kiew entfernt.

Foto: ABC/Foreign Correspondent/Timothy Stevens

Die kleine Bridget soll jetzt adoptiert werden. Denn bald schon wird das bisher staatenlose Mädchen die ukrainische Staatsbürgerschaft erhalten. Bis dahin aber muss sie im Kinderheim von Sonechko bleiben. Dabei hat Bridget leibliche Eltern, die in den USA leben, doch die wollen sie nicht zu sich holen.

Bevor Bridget auf die Welt kam, war noch alles gut. Doch als ihre Eltern, Bridget sahen, gaben sie das Kind der Leihmutter zurück. Es entsprach nicht ihren Vorstellungen, sollen sie gesagt haben. Schon bei der Geburt, so soll es ihr Wunsch gewesen sein, hatten sie sich ein Kind gewünscht, das ein „Hollywoodlächeln“ trägt.

Wenn Bridget nicht bis zu ihrem siebten Geburtstag adoptiert wird, muss sie umziehen

Doch Bridget kam behindert zur Welt. Ihre Entwicklung ist verzögert, sie kann nur ein paar Worte sprechen. Sie wurde von einer Leihmutter mittels einer Eizellenspende ausgetragen. Wenn Bridget, die jetzt dreieinhalb Jahre alt ist, nicht bis zu ihrem siebten Lebensjahr adoptiert wird, kommt sie in ein anderes Heim für Kinder, in eines, dass keine spezielle Therapie für Kinder wie sie anbietet.

Doch auch von ihrer bisherigen Betreuerin Marina Boyko müsste sie sich dann trennen. Marina Boyko hofft daher, dass sie bald ein neues Zuhause findet: „Dass wir eine Familie finden, die sie liebt, dass ist das wichtigste.“

Ihre Eltern sollen schon ein neues Kind bei einer anderen Leihmutter bestellt haben

Bridget hat fast ihr bisheriges Leben im Krankenhaus verbracht. Sie kam im Februar 2016 zur Welt, ein Frühchen, das nach nur 25 Wochen Schwangerschaft nur 800 Gramm wog. Über ihre Leihmutter ist nichts bekannt. Im März 2019 konnte sie von einem Krankenhaus, in dem sie nach ihrer Geburt bis zu ihrem dritten Lebensjahr lag, in das Waisenhaus Sonechko rund 130 Kilometer außerhalb von Kiew umziehen.

Ihr voller Name lautet Bridget Irmgard Pagan-Etnyre. Der Name des dreijährigen Mädchens ist eine Kombination aus den Nachnamen ihrer Eltern. Was man weiß: Bridget wurde bei einer ukrainischen Leihmutter bestellt und kam in der 25. Woche behindert zur Welt. Unfassbar: Bridgets leibliche Eltern sollen unterdessen eine neue Leihmutter in der Ukraine gefunden haben.

Bridget – Der traurige Fall eines ungewollten Kindes:

  • Amerikanische Eltern entschieden sich dazu, eine Leihmutter zu nehmen und von ihr ein Kind austragen zu lassen
  • Sie nutzten dafür die Methode der Eizellen- und Samenspende
  • Als Bridget zur Welt mit mehreren Behinderungen kam, lehnten die Eltern das Kind ab
  • Das Drama berührt Zehntausende - es gab eine Spendenseite
  • Es sind 12.800 US-Dollar für Bridget zusammengekommen

Sie soll aktuell Zwillinge für das US-Paar austragen – das Verhalten der Eltern und die traurige Geschichte von Bridget entsetzt Menschen weltweit. Um dem Kind zu helfen, ist eine Spendenseite eingerichtet worden.

Auf der Seite „gofundme.com“ wurde Geld gesammelt. Bereits nach kürzester Zeit hatte der Aufruf sein Ziel erreicht. Insgesamt mehr als 12.800 US-Dollar haben Menschen weltweit gespendet. Das Geld soll direkt für das Mädchen eingesetzt werden, für ihre täglichen Bedürfnisse wie etwa Kleidung oder andere Lebensmittel.

Leihmutter-Kind verstoßen: So wurde Bridget gefunden

Die Geschichte der kleinen Bridget offenbart ein unmoralisches und gewissenloses Geschäft. Aber Bridget ist kein Einzelschicksal. Bereits im Jahr 2014 stieß die ABC-Reporterin Samantha Hawley, die auch diesen Fall aufdeckte, auf den thailändischen Jungen Gammy. Seine Geburt war von einem australischen Paar bestellt worden, die aber nur seine Zwillingsschwester mitnahmen und ihn zurückließen.

In Australien und den USA, wo Leihmutterschaft erlaubt ist, wurde die kleine Bridget dank einer Eizellen- und Samenspende ihrer leiblichen amerikanischen Eltern von einer unbekannten Frau in der Ukraine ausgetragen. Ihr Zwilling stirbt bei der Geburt. Bridget kommt zur Welt, doch sie ist ein Frühchen und hat mehrere Behinderungen. Die Eltern lehnen sie ab, weigern sich ihre Verantwortung zu übernehmen.

Es waren Reporter des australischen Senders ABC, die nach wochenlangen Recherchen über Leihmutterschaft auf Bridget stießen. Als sie dann das Kind Ende August ausfindig machen können, lernen sie ein aufgeschlossenes, fröhliches Kind kennen. Auf den Aufnahmen, die für den Sender ABC angefertigt wurden, hat Bridget ihr schönstes Kleidchen an.

Eltern verstoßen Kind von Leihmutter – Das Drama um Bridget

Ihre Pfleger haben die Dreijährige für die Kameraaufnahmen zurechtgemacht. Ein Stirnband mit einer Blume hält die dunkelblonden, halblangen Haare aus dem Gesicht. Die Kleine wirkt auf dem Arm ihrer Kinderkrankenschwester Marina Boyko schmächtig, fast zerbrechlich.

Bridget könnte laufen lernen, wenn richtig gefördert werden würde

„Für mich ist sie das beste, schönste, fröhlichste und intelligenteste Kind, das es gibt“, sagte Marina Boyko dem australischen Sender ABC. Die Aufnahmen lassen erkennen, wie sehr die Krankenschwester ihre kleine Patientin liebt, vor allem dann, wenn sie das kleine Mädchen „Brizzi“ nennt. „Sie versteht, wenn die Leute mit ihr sprechen.“ Boyko hofft, dass Bridget eines Tages sogar laufen lernen wird, sollte sie die richtige Hilfe erhalten. Doch Bridgets Situation ist kompliziert.

Ihre Eltern wollten ein Kind mit einem Hollywood-Lächeln

Ihre US-Eltern Matthew Scott Etnyre (39) und Irmgard Pagan (61) haben Bridget damals „bestellt“ und gleich nach ihrer Geburt verstoßen. Nachdem Bridget nicht das perfekte Baby war, das sich das amerikanische Paar vorgestellt hatte, weigerte es sich, seine Tochter mit in die USA zu nehmen.

„Man kann ein Kind nicht beurteilen, sobald es geboren ist. Wir mögen dieses Kind nicht, wir wollten, dass es schon bei der Geburt ein Hollywood-Lächeln hat.“ Das sollen Bridgets leibliche Eltern Boyko damals mitgeteilt haben.

„Ich würde gerne zu ihnen sagen, dass sie eine tolle Tochter haben“, sagt die Krankenschwester. Die Ukrainerin hat bereits mehrmals versucht, die Eltern über soziale Medien zu kontaktieren und sie über Bridgets Fortschritte zu informieren. Auf Anfrage des australischen Senders ABC stritt der Vater der Dreijährigen die Anschuldigung, seine Tochter verstoßen zu haben, zwar nicht ab, wollte sich aber auch nicht dazu befragen lassen. Wie offizielle Dokumente belegen, bat das US-Paar, alle lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden und Geräte abzustellen.

Da war Bridget fünf Monate alt. Das Baby sei nicht in der Lage, ein normales Leben zu führen, lautete die Begründung. Das Krankenhaus ignorierte die über ein US-Konsulat beglaubigte Anweisung damals. Bridget überlebte und erholte sich schnell.

Eine Adoptivfamilie, die sie liebt, wäre das Wichtigste für Bridget

Heute ist ihre Zukunft ungewiss. Die ukrainische Agentur Biotexcom, die Bridgets Leihmutter damals vermittelte, streitet jede Verantwortung ab. Der Inhaber Albert Tochilovsky behauptet gegenüber ABC, eine Konkurrenzfirma habe seinen Namen missbraucht und wäre eigentlich für Bridgets Fall verantwortlich. Laut der zuständigen Behörde in der Ukraine ist die Situation Bridgets kein Einzelfall.

Die Dreijährige ist wie andere Betroffene durch ihre ungewöhnliche Situation staatenlos, doch laut ABC wird sie in den kommenden Wochen Ukrainerin und kann dann adoptiert werden. „Eine Familie zu finden, die sie liebt, ist die wichtigste Sache für Brizzi“, sagte Marina Boyko. Finde sie keine Familie, müsse Bridget mit sieben Jahren in ein anderes Heim umziehen, in dem sie weniger Therapie und Förderung für ihre Weiterentwicklung zur Verfügung habe.

Viele Spenden für Bridget gesammelt

Auf einer im Netz eingerichteten Spendenseite wurde bereits in kürzester Zeit das Ziel von 2000 US-Dollar für Bridget überschritten - bei nicht mal 100 Spender wurden bereits mehr als 11.000 US-Dollar gesammelt. In den Kommentaren schreiben viele, wie sie schockiert vom Schicksal der Kleinen seien.

Eine Auswahl von Kommentaren:

  • „Es ist verheerend zu sehen, dass Kinder wie Bridget so viel leiden müssen. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, zu helfen.“
  • „Es gibt so viele schreckliche Dinge, die in unserer Welt passieren. Ich hoffe, die kleine Bridget findet jemand, der sie jeden Tag liebt.“
  • „Dieses schöne kleine Mädchen verdient eine Zukunft voller Liebe und Fürsorge.“

Der Fall Gammy: Eine Video-Dokumentation des Senders ABC: „Finding the lost boy in India“

Youtube Bridget Finding the Lost Boy, ABC Doku
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