Sterbehilfe

Festnahme – Uniklinik-Arzt soll Patienten getötet haben

Essen.  Im Uniklinikum Essen ist ein Oberarzt (44) festgenommen worden. Er soll zwei schwerstkranke Patienten getötet haben.

Der Haupteingang des Universitätsklinikums Essen

Der Haupteingang des Universitätsklinikums Essen

Foto: Foto: Fabian Vogel / FUNKE Foto Services

Ungeheure Vorwürfe gegen das Universitätsklinikum Essen: Die Staatsanwaltschaft sowie die Essener Polizei ermitteln gegen einen 44 Jahre alten einen Oberarzt der Klinik, in zwei Fällen wegen Totschlags . Es besteht der Verdacht der aktiven Sterbehilfe. Die Polizei hat eine Mordkommission eingerichtet und den Mediziner festgenommen, wie die Behörden am Freitag mitteilten.

Bei den mutmaßlichen Opfern handelt es sich um zwei Männer im Alter von 47 und 50 Jahren. Beide waren Patienten des Universitätsklinikums. Einer gemeinsamen Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Essen zufolge soll es am 13. und am 17. November zu den Tötungsdelikten gekommen sein.

Oberarzt wollte nach eigenen Angaben Patienten von „weiterem Leiden“ erlösen

Es bestehe der Verdacht, dass der Mediziner schwerkranken Menschen vorsätzlich und rechtswidrig Medikamente in deren letzter Lebensphase verabreicht hat, die zum sofortigen Tod führten, hieß es. Beide verstorbenen Männer seien Patienten auf der Station des Oberarztes und in einem sehr kritischen gesundheitlichen Zustand gewesen.

Der beschuldigte Mediziner hat laut den Ermittlern bislang zu einem der Fälle Angaben gemacht . Er habe das weitere Leiden des Patienten und seiner Angehörigen beenden wollen, erklärte der 44-Jährige.

Nach Darstellung des Krankenhauses war der Arzt seit Februar in der Uniklinik beschäftigt. „Es besteht der Verdacht, dass der Mediziner in vermutlich zwei Fällen einem versterbenden Patienten in der letzten Sterbephase ein Mittel verabreicht hat, um den Tod unmittelbar herbeizuführen“, hieß es in einer Mitteilung der Klinik. Man habe die Staatsanwaltschaft unverzüglich über den Verdacht informiert . Der Mediziner sei sofort außer Dienst gesetzt worden.

Tötungen in Krankenhäusern durch Klinikpersonal kein Einzelfall

Auf welcher Station der Arzt arbeitete, wurde am Freitag zunächst nicht bekannt. Einem Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge soll es sich bei den Getöteten um Corona-Patienten gehandelt haben, die auf der Intensivstation lagen. Dies ist bislang aber nicht bestätigt.

Das Patienten von Krankenhauspersonal getötet werden, ist kein Einzelfall . In den vergangenen Jahren wurden mehrere Fälle von Pflegern bekannt, die Patienten umgebracht haben. Der bekannteste Fall ist der von Niels Högel , den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilte . Er war in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst als Krankenpfleger in der Intensivmedizin tätig und tötete dort nach Feststellung des Landgerichts insgesamt 85 Patienten, indem er ihnen medizinisch nicht indizierte Medikamente verabreichte.

(mit dpa)

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