Angriff

Hamburgs Innensenator Grote und Sohn im Auto angegriffen

Hamburg.  Hamburgs Innensenator war mit dem Sohn auf dem Weg in die Kita als sein Auto angegriffen wurde. Das Datum lässt Ermittler aufhorchen.

"Hinterhältig und fies": Angriff auf Innensenator Grote

Maskierte und bislang noch unbekannte Täter haben die Limousine des Hamburger Innensenators Andy Grote (SPD) mit Steinen und Farbe beworfen. Das Datum lässt die Ermittler aufhorchen.

Beschreibung anzeigen
Beim Angriff auf das Auto von Hamburgs Innensenator Andy Grote wurde auch ein weiteres Auto beschädigt.

Beim Angriff auf das Auto von Hamburgs Innensenator Andy Grote wurde auch ein weiteres Auto beschädigt.

Foto: Bodo Marks / dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es war ein Angriff aus dem Hinterhalt: Maskierte und bislang noch unbekannte Täter haben am Freitagmorgen die Limousine des Hamburger Innensenators Andy Grote (SPD) mit Steinen und Farbe beworfen. Wie Grote am frühen Nachmittag via Twitter mitteilte, wollte er gegen 8.13 Uhr gerade seinen zwei Jahre alten Sohn in die Kita bringen, als er auf St. Pauli verkehrsbedingt abbremsen musste.

„Die maskierten Täter näherten sich dem Fahrzeug und bewarfen es mit Steinen und mit Farbe gefüllten Behältnissen“, sagte die Hamburger Polizeisprecherin Sandra Levgrün. Grote und sein Kind wurden offenbar aber nicht verletzt. „Als Innensenator muss ich mit solchen Angriffen rechnen“, schrieb Andy Grote auf Twitter. „Aber einen solchen Anschlag bewusst zu verüben, während ich gerade meinen zweijährigen Sohn zur Kita bringe – das ist erbärmlich.“

Nach Informationen des „Hamburger Abendblattes“ gab der Fahrer von Grotes Auto nach dem Angriff Gas und flüchtete. Dabei soll mindestens ein Beutel mit roter Farbe das Auto getroffen haben.

Durch den starken Bewurf der Täter war allerdings auch ein unbeteiligter schwarzer BMW mit Kölner Kennzeichen in Mitleidenschaft gezogen worden. Rote Farbe besudelte den Wagen, ein Stein hatte eine hintere Seitenscheibe durchschlagen und zertrümmert.

Angriff auf Hamburger Innensenator Andy Grote: Polizei sucht Zeugen

Mindestens neun Streifenwagen machten sich nach dem Anschlag auf den Weg zum Tatort. In und um das beschädigte Fahrzeug wurden akribisch Spuren gesichert. Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes ermittelt. Levgrün: „Die Polizei sucht Zeugen, die heute Morgen verdächtige Beobachtungen gemacht haben bzw. Angaben zu den Tätern machen können. Sie werden gebeten, sich unter der Rufnummer 040/4286-56789 oder an einer Polizeidienststelle zu melden.“

„Feige, hinterhältig, fies“: So kommentierte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) den Anschlag auf Twitter. „Wer sowas macht, hat keine Argumente.“ Auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator zeigte sich via Twitter solidarisch. Er schrieb: „Gegen Gewalt stehen wir alle zusammen!“

Der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs sprach von den Tätern als „feige, armselige Vollpfosten“. In seinem Tweet heißt es weiter: „Wie erbärmlich kann man sein. Andy ist ein toller Innen- & Sportsenator.“ Die Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Christiane Schneider betonte in sozialen Netzwerken, dass der Anschlag „beunruhigend und durch nichts zu rechtfertigen“ sei. Auch Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne), selbst Mutter von zwei kleinen Kindern, zeigte sich auf Twitter bestürzt: „Was geht in diesen Köpfen vor?“

Hat das Datum des Anschlags symbolischen Charakter?

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verurteilt den Angriff auf Andy Grote auf das Schärfste. „Der brutale und hinterhältige Angriff auf das Fahrzeug des Senators, ohne Rücksicht auf die Insassen, löst bei mir Empörung und Mitgefühl aus“, sagte Horst Niens von der GdP.

Aufhorchen lässt die GdP das Datum des Anschlages: 13.12. Dahinter vermutet die Polizeigewerkschaft möglicherweise einen symbolischen Charakter. „13.12. wird aufgrund der Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet in der Szene auch als A.C.A.B Tag verstanden und könnte aus Sicht der GdP durchaus einen Zusammenhang mit dem Anschlag darstellen“, teilte die GdP am Freitagmittag mit.

ACAB steht für die englische Formulierung „All Cops Are Bastards“. „Gerade jetzt, wo gegen rechtsextremistische Umtriebe vorgegangen wird und zu Recht der Druck auf die linksextreme Szene aufrechterhalten wird.“

Auch die AfD in Hamburg spekuliert, dass der 13.12. Anlass war, genau heute einen Anschlag auf den „obersten Dienstherrn der Polizei“ zu verüben.

Zuletzt gab es einen Anschlag auf das Haus von Olaf Scholz

Hochrangige Hamburger Politiker, Parteibüros oder staatliche Institutionen wie Gerichtsgebäude waren immer wieder das Ziel von Anschlägen in Hamburg – allerdings wurden meist nur Fassaden mit Farbe beschmiert oder Fenster eingeworfen. Unbekannte Täter verübten am 29. November 2018 einen Brandanschlag auf das Haus des Hamburger Ex-Bürgermeisters und jetzigen Finanzministers Olaf Scholz (SPD). Ebenfalls vor seinem Wohnhaus in Altona hat es am 2. Dezember einen Polizeieinsatz gegeben, nachdem im Hinterhof ein Mann gesichtet worden war, der Fotos machte. Bevor die Polizei eintraf, war der Verdächtige bereits geflüchtet.

Auch Grote selbst ist schon das Ziel linksradikaler Hassparolen geworden. Erst Ende Oktober liefen Teilnehmer einer Demonstration unter dem Motto „Grenzenlose Wut“ an Grotes Wohnhaus vorbei und skandierten: „Andy Grote raus aus St. Pauli“.

Dieser Text erschien zuerst auf www.abendblatt.de.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren