Pro & Contra

Harry und Meghan: Ist ihr Rücktritt ein lukrativer Egotrip?

Berlin.  Warum Rückzug von Harry und Meghan spaltet die Menschen. Auch in unserer Redaktion gehen die Meinungen auseinander. Ein Pro und Kontra.

Harry und Meghan beschreiben ihre Zukunftspläne

Prinz Harry und seine Frau Meghan ziehen sich aus dem britischen Königshaus zurück. Auf ihrer Website erläutern sie nun ihre Pläne.

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Harry und Meghan wollen sich von ihren royalen Pflichten zurückziehen, was könnte dahinter stecken?

Harry und Meghan wollen sich von ihren royalen Pflichten zurückziehen, was könnte dahinter stecken?

Foto: Daniel Leal-Olivas / AFP

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Prinz Harry und seine Ehefrau Meghan haben angekündigt, dass sie sich von ihren royalen Verpflichtungen zurückziehen und dem britischen Königshaus den Rücken kehren wollen. Die Briten schauen in diesen Tagen gespannt nach Sandringham, wo sich die führenden Mitglieder des Königshauses am Montag zum Krisengipfel treffen. Der „Megxit“ hat aber nicht nur die Menschen in Großbritannien tief getroffen.

Auch in Deutschland stößt der Rückzug von Harry und Meghan auf viel Kritik. Andere zeigen aber auch Verständnis, dass das Paar sein Glück in der Unabhängigkeit von der Firma – wie sich die Königsfamilie selbst nennt – suchen wollen.

Diese Debatte hat auch vor unserer Redaktionen keinen Halt gemacht. Hier diskutieren Jörg Quoos und Oliver Stöwing die Licht- und Schattenseiten des royalen Rückzugs.

PRO: Harry und Meghans Rückzug ist ein Scheitern der Monarchie

Bisher waren die beruflichen Lebensläufe royaler Frauen bemerkenswert übersichtlich. Prinzessin Diana war kurzzeitig Aushilfe im Kindergarten. Camilla Parker Bowles jobbte ein paar Monate bei einem Innenarchitekten – wieso schuften, wenn man ein paar Rebhühner schießen und einen guten Gin trinken kann? Herzogin Kate hielt fast ein Jahr als Modeeinkäuferin durch – mit Drei-Tage-Woche. Dann kam Meghan Markle.

Aus schwierigen Verhältnissen hatte sie es zur erfolgreichen Schauspielerin geschafft. Mit ihr trafen amerikanischer Pragmatismus und der Wunsch, zu gestalten, auf die bewegungsmüde britische Aristokratie, die vor allem darum bemüht ist, den Status quo zu erhalten. Meghan lief gegen Palastwände. Mag sein, dass sie naiv war, dass sie zu viel auf einmal wollte, dass sie mit den komplexen Regeln überfordert war.

Verschlankung der aufgeblähten Monarchie ist überfällig

Doch der Rückzug von ihr und Prinz Harry ist kein Scheitern der beiden, es ist ein Scheitern der Monarchie. Und wie man sich fühlt, wenn die Presse schreibt, dass eine wie Meghan früher Mätresse gewesen wäre und nicht Ehefrau, darauf kann man sich nicht vorbereiten. Es ist ihr Recht, eine Situation zu verlassen, der sie nicht standhält, und wieder selbstständig zu arbeiten.

Die Trauung von Meghan und Harry in Bildern

Zudem ist eine Verschlankung der aufgeblähten Monarchie überfällig. Das schwedische Modell ist Vorbild: König Carl XVI. Gustaf hat die Zahl der Vollzeit-Royals deutlich reduziert. Bis es auch bei den Briten so weit ist, muss Meghan wohl noch als Yoko Ono der Royal Family herhalten. „Cherchez la femme“, heißt es schließlich: Hinter jedem Debakel muss ja eine hinterlistige Frau stecken.

Schon eine andere US-Schauspielerin gab ihren Beruf für einen Royal auf: Gracia Patrica von Monaco presste zum Ausgleich Blumen. Ihre alten Hollywood-Freunde konnten es nicht fassen: „Wie deprimierend!“ Das wird Meghan nicht passieren.

KONTRA: Der Rückzug von Harry und Meghan wird ein lukrativer Egotrip

Prinz Harry und Meghan wollen finanziell unabhängig sein und selbstbestimmt leben wie und wo sie es möchten? Gar kein Problem und durchaus verständlich. Dafür kann man abdanken, alle Titel niederlegen und auf millionenschwere Unterstützung aus der Staatskasse verzichten.

Das wäre ein wirklich eindrucksvoller Schritt der Emanzipation gegenüber dem Königshaus. Und äußerst glaubwürdig dazu. Aber so weit wollen es der Herzog und die Herzogin von Sussex offenbar nicht kommen lassen. Sie verbinden lieber das Angenehmste aus zwei Welten.

Mit ihren hohen Adels-Titeln den Glanz des Hofes genießen aber die Verpflichtungen runterfahren und den Engländern den Rücken kehren. Dieser Schritt kommt total zur Unzeit. Großbritannien steckt wegen des Brexit-Dramas bis zum Hals in einer Staatskrise. Eine der letzten Korsettstangen in einem populistischen, rückgratlosen Politgewurstel ist die Queen.

Ohne das Königshaus sind die beiden nur ein sympathisches Paar

Sie ist ein Ausbund an Verlässlichkeit und Garant für die friedensstiftende Hinwendung zu Europa. Sie hat gerade jetzt – mit 93 Jahren – jede Unterstützung durch ihre prominente Sippe verdient. „Die verwöhntesten Bälger der Geschichte“ schrieb Hofkorrespondent Piers Morgan über Harry und Meghan. So hart muss man nicht urteilen.

Madame Tussauds trennt Harry und Meghan von Königsfamilie

Aber es ist schon erstaunlich, wenn eine junge, karrierebewusste Schauspielerin in die königliche Familie einheiratet und anschließend Medienrummel und royale Termine beklagt. Der royale Fame ist übrigens genau der Grund für das zu erwartende Millioneneinkommen von Harry und Meghan. Genau deshalb wollen die beiden ja noch „Royals light“ sein.

Warum sollte auch jeder Schritt von Hubschrauberpilot Harry Windsor und seiner zweitklassig schauspielernden Ehefrau mit Millionen vergoldet werden? Ohne das Königshaus sind die beiden bestenfalls ein sympathisches Paar. Wie viele andere B- und C-Promis auch. Kurzum: Was Harry und Meghan planen, ist nicht die Modernisierung des verstaubten Hofes. Das wird ein lukrativer Egotrip.

Mehr zum Rückzug von Harry und Meghan:

Die Brüder Harry und William werden vom britischen Volk geliebt. Der Rückzug von Harry und Meghan könnte ihr Verhältnis nachhaltig beeinflussen. Jetzt haben sich die beiden Prinzen erstmals gemeinsam zur royalen Krise geäußert.

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