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Prinz Andrew: Er will zu Missbrauchsfall um Epstein aussagen

London.  Prinz Andrew gerät noch tiefer in den Missbrauchs-Skandal um US-Geschäftsmann Epstein hinein. Möglicherweise befragt ihn bald das FBI.

Mit diesem Interview tut sich Prinz Andrew keinen Gefallen

Der britische Prinz Andrew legte bei der BBC einen unglücklichen Auftritt hin. Im Interview sprach er über Missbrauchsskandal um Jeffrey Epstein und Vorwürfe gegen ihn selbst.

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Die Verwicklung von Prinz Andrew in den Epstein-Skandal hat nun noch weitere Konsequenzen für den Royal. Nach der Ankündigung, seine Aufgaben als Mitglied der Königsfamilie ruhen zu lassen, dürfte der Druck auf den Royal nun steigen, bei den Ermittlungsbehörden in den USA auszusagen. Erstmals stellte Andrew nun uneingeschränkt in Aussicht, mit den Behörden zu kooperieren.

Der US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein nahm sich Anfang August in einem New Yorker Gefängnis das Leben. Ihm wurde vorgeworfen, Dutzende minderjährige Frauen missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Über viele Jahre war Andrew mit dem US-Multimillionär befreundet und war regelmäßiger Gast auf dessen Anwesen. Trotzdem will er von dem Missbrauch nichts mitbekommen haben.

Nun könnte das FBI Prinz Andrew bald befragen

Zu den Ereignissen könnte Andrew möglicherweise bald von Beamten der US-Ermittlungsbehörde FBI befragt werden. Das forderte unter anderem die amerikanische Opferanwältin Gloria Allred bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Los Angeles. Sie vertritt mehrere Epstein-Opfer. Müsste der Prinz unter Eid aussagen, würde er Gefahr laufen, sich mit einer Falschaussage strafbar zu machen.

Noch bei seinem BBC-Interview am Wochenende hatte Andrew einer Aussage nur unter Vorbehalt zugestimmt. Doch in einer Mitteilung am Mittwochabend gab er den Widerstand auf. Er bereue weiterhin uneingeschränkt seine Verbindung zu Epstein und habe zutiefst Mitgefühl mit den Opfern, so Andrew. „Selbstverständlich bin ich bereit, mit jeder zuständigen Ermittlungsbehörde zusammenzuarbeiten, wenn es notwendig sein sollte.“

Am Mittwochabend hatte der zweitälteste Sohn von Königin Elizabeth II. ebenfalls mitgeteilt, dass ihm klar geworden sei, „dass die Umstände meiner früheren Verbindung zu Jeffrey Epstein zu einer enormen Störung geworden sind für die Arbeit meiner Familie und die wertvolle Arbeit in den Organisationen und Vereinen, die ich mit Stolz unterstützt habe“, schrieb Andrew.

BBC-Interview: Wenige Tage zuvor versuchte Prinz Andrew sich zu rechtfertigen

Im BBC-Interview hatte Andrew noch versucht, sich zu rechtfertigen. Andrew bestritt „kategorisch“ die Vorwürfe einer Frau namens Virginia Giuffre, mit der damals 17-Jährigen Sex gehabt zu haben. „Ich kann Ihnen absolut sagen, dass es nie passiert ist“, sagte er. „Ich habe keine Erinnerung daran, diese Dame jemals getroffen zu haben, überhaupt nicht.“

Prinz Andrew ging in dem Interview auch auf Einzelheiten ein. Virginia Giuffre habe beschrieben, er habe beim Tanzen in einem Club stark geschwitzt. Das sei aber unmöglich, weil er eine Krankheit habe, die Schwitzen unterbinde, sagte der Bruder von Thronfolger Charles. Auch habe sie gesagt, er habe ihr Alkohol angeboten. Dabei trinke er nicht und er glaube, er habe nie in dem Nachtclub einen Drink gekauft.

Außerdem bedauere er seine Freundschaft zu Epstein nicht, weil er von ihm viel über das Immobiliengeschäft gelernt habe.

Statt sich zu entlasten, erreichte Andrew das Gegenteil. Britische Journalisten fanden das Interview „unerträglich“. Kein einziges Wort der Reue für die Opfer von Jeffrey Ep­stein, lautete der Vorwurf. Stattdessen habe sich alles nur um ihn und seine Probleme gedreht. Andrew habe sich keinen guten Dienst erwiesen mit seiner Stotterei, den Ausflüchten und seinen mitunter bizarren Begründungen. „Wie einen Mann im Treibsand versinken zu sehen“, so der PR-Experte Mark Borkowski.

Nun hat Andrew durch das Interview nicht nur Ansehen verloren. Sondern auch wichtige Sponsoren.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG kündigte die Unterstützung für Andrews Initiative „Pitch@Palace“ auf, wie die Nachrichtenagentur PA am Dienstag berichtete. Der Vertrag lief nach Angaben des Buckingham-Palastes bereits Ende Oktober aus. „Pitch@Palace“ ist ein Mentoring-Programm unter anderem für Technologie-Start-Ups.

Studenten wollen Andrew nicht mehr als Repräsentanten der Uni

Die Bank Standard Chartered erklärte, ihre Unterstützung für das Projekt auslaufen zu lassen. Auch andere Einrichtungen erwägen, sich von Andrew zu distanzieren. Studenten der englischen Universität Huddersfield haben darüber abgestimmt, ob sie den Royal als Kanzler loswerden wollen. Das Ergebnis soll in den kommenden Tagen feststehen. Der 59-Jährige ist – wie die anderen Royals auch – Schirmherr vieler Organisationen.

Rechtsanwälte von Frauen, die Epstein Missbrauch vorwerfen, forderten vom Prinzen indes, eine Erklärung bei der US-amerikanischen Ermittlungsbehörde FBI abzugeben. „Er scheint überhaupt kein Mitleid für die Opfer zu haben, und er scheint seine lange Freundschaft mit Jeffrey Epstein nicht zu bereuen“, sagte die Anwältin Lisa Bloom, die einige der Frauen vertritt, dem britischen Nachrichtensender Sky News.

Der Prinz war jahrelang mit dem Geschäftsmann Epstein befreundet. Der vorbestrafte US-Amerikaner wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Zudem baute Epstein laut Anklageschrift zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring auf.

Das Leben der Queen in Bildern

Prinz Andrews Missbrauchskandal in Kürze

  • Andrew soll die 17-jährige Virginia Giuffre vergewaltigt haben
  • Er weist die Vorwürfe kategorisch von sich
  • Die Verbindungen zu Multimillionäre Jeffrey Epstein sind weitreichend
  • Ein Foto des Prinzen mit der Frau soll in dessen Villa entstanden sein – er bestreitet die Authentizität
  • Viele sind entsetzt – weil der Prinz im Gespräch kaum Empathie für Epsteins Opfer entwickelt
  • Sarah Ferguson ist auf der Seite ihres Ex-Mannes
  • Anwältin von Epstein fordert Angaben gegenüber der Ermittlungsbehörde FBI

Prinz Andrew: Sarah Ferguson hat nur gute Worte für ihren Ex

Eine Frau steht definitiv weiter hinter ihm: seine Ex-Frau, die Herzogin von York – Sarah Ferguson. Andrew sei „ein wahrer und echter Gentleman“, schrieb sie bei Instagram. Er würde nicht nur seine Pflichten mit stoischer Standhaftigkeit erfüllen, sondern mit Güte und Freundlichkeit immer das beste im Menschen sehen.

„Ich unterstütze ihn absolut und bin stolz auf diesen Giganten eines Mannes mit Prinzipien, der seine Schulter gegen den Wind richtet und aufrecht steht, mit seinem Sinn für Ehre und Wahrheit.“

Doch es scheint, als ob seine Ex-Frau mit seiner Unterstützung für Andrew mittlerweile eine von sehr wenigen an der Seite des Prinzen ist.

(lah/wit/dpa)

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