Karneval

Saarland: Lesbische Frauen dürfen nicht Prinzenpaar werden

Berlin/Saarbrücken.  Im Saarland dürfen zwei Frauen nicht zum Prinzenpaar gewählt werden – weil sie lesbisch sind. Die Kritik am Karnevalsverband ist groß.

Pünktlich um 11.11 Uhr: Jecken starten in die fünfte Jahreszeit

Startschuss für den Straßenkarneval ist dann wie immer "Weiberfastnacht", diesmal am 20.2.2020.

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Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine muss sich die Frage gefallen lassen: Seid ihr jeck? Der Grund: der Ausschluss eines lesbischen Paares von der Wahl zum saarländischen Prinzenpaar. Was zu heftigen Protesten führte – und zwar nicht nur unter Narren.

Der in die Kritik geratene Verband teilte nun mit, bisher habe es die Auffassung gegeben, „dass die traditionellen Repräsentanten des saarländischen Brauchtums ein Prinzenpaar, bestehend aus Prinz und Prinzessin darstellen“.

Karnevalsprinzessinnen werden im Saarland ausgeschlossen – weil sie lesbisch sind

Der Verband habe aber durch die Kritik am Ausschluss und die nun angestoßene Debatte „sehr wohl wahrgenommen, dass diese Festlegung an die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung angepasst werden muss“. Dies solle nun besprochen und entschieden werden.

Zuvor hatte die Karnevalsgesellschaft „Die Rebläuse“ in Kleinblittersdorf, einem Örtchen an der deutsch-französischen Grenze, auf ihrer Facebook-Seite mitgeteilt, dass ihr Prinzessinnenpaar Heike II. und Ute I. leider von der Wahl zum Prinzenpaar des Jahres ausgeschlossen worden sei.

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Kritiker: „Wir nennen es schlichtweg Homophobie“

Stefan Jung, Präsident der „Rebläuse“, schreibt: „Auf Nachfrage wurde mir die lapidare Antwort gegeben: ,Es ist richtig, dass bei der Wertung nur das klassische Prinzenpaar nach Tradition und Brauchtumspflege Mann und Frau gewertet werden (sic!)’.“

Jung will das nicht hinnehmen: „Der Verband Saarländischer Karnevalsvereine e. V. nennt es Tradition und Brauchtumspflege, wir nennen es schlichtweg Homophobie und diese Ausgrenzung ist für uns einfach nicht zu dulden.“

Empörung in Hunderten Kommentaren

In Hunderten Kommentaren wurde die Empörung über die Entscheidung des Dachverbands geteilt. „Diskriminierend“ sei der Beschluss, heißt es etwa. Oder: „Unfassbar! Gibt leider immer noch Herrschaften, die im letzten Jahrhundert hängen geblieben sind.“

In seiner Mitteilung schreibt der Verband, er stehe für eine offene, bunte und vielfältige Gesellschaft. Dabei sei egal, welche Herkunft, Sexualität, Hautfarbe, Religion und welches Geschlechtes ein Mensch habe. Jegliche Unterstellung einer homophoben Haltung weise der Verband zurück. (max/dpa)

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