Trash-TV

„Sommerhaus der Stars“: Regisseur wirft RTL Fehlschnitte vor

Berlin.  Alle gegen eine: Das „Sommerhaus der Stars“ eskaliert. RTL bestreitet Mitschuld. Ein Medienexperte spricht von geheimen Absprachen.

Diese Promipaare ziehen ins "Sommerhaus der Stars" 2020

Neues Sommerhaus in Deutschland, neue Staffel und neue Promipaare: Die ersten sieben Paare von "Das Sommerhaus der Stars - Kampf der Promipaare" auf RTL stehen nun fest.

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  • Das „Sommerhaus der Stars“ ist wahres Trash-TV auf RTL
  • Es zeigt Mobbing, Alkoholismus und arg unsympathische Kandidaten, die mit allen Mitteln die Show und somit 50.000 Euro gewinnen wollen
  • Ein Regisseur und Medienexperte ist sich sicher, dass es Absprachen gibt zwischen der Produktionsfirma und den Darstellern

Der große Manipulator ist längst vor die Tür gesetzt worden, doch im Westmünsterland geht die Eskalation einfach weiter. Nehmen wir Lisha (31), die grobschlächtig-einfältige Youtuberin aus Berlin. Die hetzt gegen Mitkandidatin Eva, die ehemalige „Bachelor“-Bewerberin sei ein „Stück Scheiße“, eine „Missgeburt“, ein „Dreckstück“.

Das RTL-„Sommerhaus der Stars“, das Sonntag für Sonntag (20.15 Uhr) mehr als zwei Millionen Menschen vor den Fernseher lockt, macht genau da weiter, wo die Sat.1-Konkurrenz „Promis unter Palmen“ im Frühjahr aufgehört hat: Es zeigt Mobbing, Alkoholismus und arg unsympathische Kandidaten, die mit allen Mitteln die Show und somit 50.000 Euro gewinnen wollen.

So entwickelt sich das Format zum TV-Ereignis des Herbstes. Nirgendwo wird so viel geschrien, gezetert und geweint. Das mag manche Zuschauer vom Einschalten abhalten – aber wer zusieht, ist gefesselt von den ständigen Konfrontationen. Vier Jahre nach der ersten Staffel darf man das „Sommerhaus“ mittlerweile ganz unironisch gut finden – sogar die der Übertreibung unverdächtige Deutsche Presse-Agentur schwärmt von einer „echten Perle im mittlerweile großen Meer der Realityshows“.

Die Frage ist nur: Sind die Teilnehmer wirklich so skrupellos, wie es auf dem Bildschirm wirkt? Oder lässt RTL sie bewusst in einem schlechten Licht erscheinen, wie einige Ex-Kandidaten behaupten?

Das Trash-TV wird immer provokanter

Das Konzept geht so: Zehn halbwegs bekannte Schauspielerinnen, Hypnotiseure, Sängerinnen und sonstiges Trash-TV-Personal sowie ihre Lebenspartner werden zwei Wochen lang in ein beengtes Bocholter Bauernhaus ohne Privatsphäre gepfercht und dabei gefilmt, wie sie sich Tag für Tag mehr auf den Zeiger gehen.

Der Berliner Regisseur und Medienexperte Oliver Albrecht (32) ist sich sicher, dass es Absprachen gibt zwischen der Produktionsfirma und den Darstellern: „RTL setzt auf bewusste Fehlschnitte“, sagt Albrecht im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Sender“, prophezeit er, „werden in Zukunft weitere ähnliche Formate ins Programm nehmen. Vielleicht werden die noch provokanter als das ,Sommerhaus‘.“

Noch provokanter? Schon jetzt fordern empörte Zuschauer die Absetzung. Weil sich die übrigen Kandidaten, angestachelt vom inzwischen rauskatapultierten Ex-„Bachelor“ Andrej Mangold (33), auf Eva Benetatou (28) eingeschossen haben. Ein „Parasit“ sei die, ätzt Annemarie Eilfeld (30), die irgendwann mal bei „Deutschland sucht den Superstar“ mitgemacht hat. Und Lisha, die Youtuberin, raunt: „Eva hätte auch so eine Nase, die man gut brechen kann.“

RTL schiebt die Schuld an der aggressiven Stimmung den Kandidaten zu. Wer sich zur Teilnahme entscheide, „muss sich auch selbst der Verantwortung bewusst sein“, erklärt Sprecher Claus Richter auf Anfrage. „Wir verzichten bewusst auf Schönfärberei und zeigen, was tatsächlich geschehen kann, wenn Menschen in Konflikt geraten.“

„Sommerhaus der Stars“ müsste Zuschauer aufklären

Auch Medienexperte Oliver Albrecht findet es legitim, dass Mobbing in der Show verhandelt wird: „Der Sender schweigt das Thema nicht tot. Das ist gut.“ Allerdings glaubt er, dass es sich RTL zu einfach mache. Das Format habe keine positive Botschaft. „Es ist Aufgabe des Senders, das Geschehen einzuordnen und vor allem junge Zuschauer aufzuklären, wie man mit so einer Situation umgehen sollte.“

Aus Sicht der Kandidaten sind die dauernden Streits gar keine schlechte Strategie. „Ihnen geht es darum, ihre Reichweite zu steigern und ihr Geschäft zu beflügeln“, sagt Albrecht. Zumindest bei Großmanipulator Andrej Mangold scheint der Schuss nach hinten losgegangen zu sein: Mehrere Werbepartner haben die Zusammenarbeit mit dem intriganten Instagram-Influencer bereits aufgekündigt.

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