Interview

Uwe Ochsenknecht: Worüber er sich am meisten aufregt

Rüdiger Sturm
| Lesedauer: 5 Minuten
Schauspieler Uwe Ochsenknecht bei einem Spaziergang in Berlin, wo er nach wie vor seinen ersten Wohnsitz hat.

Schauspieler Uwe Ochsenknecht bei einem Spaziergang in Berlin, wo er nach wie vor seinen ersten Wohnsitz hat.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin.  Uwe Ochsenknecht spricht über die Serie „Drei von der Müllabfuhr“, seine Abneigung gegenüber zu viel Bürokratie und sein Leben als Opa.

  • Schauspieler Uwe Ochsenknecht lebt in Berlin und hat seinen Zweitwohnsitz auf Mallorca
  • Im Interview mit unserer Redaktion erzählt er, warum er "schöne Scheinweltfilme" nicht mag
  • Und Ochsenknecht erklärt, was ihn so richtig auf die Palme bringt

Dass Uwe Ochsenknecht eines Tages Müllmann werden würde, war vielleicht nicht vorherzusehen. Doch inzwischen ist die Reihe „“ (neue Folgen am 7. und 14. Mai jeweils um 20.15 Uhr im Ersten) eine der Paraderollen des viel beschäftigten 65-Jährigen.

Dass er sich damit sehr identifiziert, liegt auch daran, dass er seine Weltsicht und Befindlichkeiten, von denen er im Interview einen Eindruck vermittelt, in die Geschichten über die Berliner Entsorger mit einbringen kann.

Die neuen Folgen von „Drei von der Müllabfuhr“ greifen auch heiße soziale Eisen auf – etwa Obdachlosigkeit oder Mietwucher. Ist das in Ihrem Sinne?

Uwe Ochsenknecht: Ja, denn die schönen Scheinweltfilme waren noch nie mein Ding. Ich achte sehr drauf, welche Themen angefasst werden und im Drehbuch umgesetzt werden. Und da rede ich natürlich von Anfang an mit. Mit mir wird es kein Weichspülprogramm geben.

Gerade Berlin birgt noch viele heftige Geschichten und Brennpunkte. Da haben wir lange noch nicht auserzählt. Und wir werden mit unseren Ansichten auch toll von der Redaktion der Degeto unterstützt.

Nun leben Sie aber auf Mallorca. Vermissen Sie im Idyll die raue Berliner Wirklichkeit nicht?

Mallorca ist ja mein Zweitwohnsitz. Meinen ersten Wohnsitz habe ich nach wie vor in Berlin, und da halte ich mich im Jahr genauso oft auf wie auf Mallorca. Aber wenn ich dann auf die Insel komme, ist das immer auch eine Erholung vom Großstadtdschungel.

In diesem Dschungel schlägt sich Ihr Müllfahrer Werner Träsch mit Erbsenzählern herum, die alles kontrollieren wollen. Passiert Ihnen das im beruflichen Alltag auch noch, oder halten Sie sich von denen fern?

Vor denen kann ich mich nicht fernhalten, denn der Papierkram wird immer mehr. Die Verträge werden immer dicker, weil man auf verschiedene Rechte der Auswertung achten muss. Und in Zeiten wie diesen muss man sich um noch mehr Dinge kümmern. Da braucht es für einen Dreh noch einen Test und noch einen.

Wenn ich eine Pause zwischen zwei Drehtagen habe, dann wollen manche Filmproduktionen wissen, was ich in der Zwischenzeit mache, wo ich herkomme, wo ich hingehe. Natürlich muss man für die eigene Sicherheit und die der anderen Sorge tragen, aber wenn es in Bereiche geht, wo die Privatsphäre nicht mehr geschützt ist, dann muss man wachsam bleiben.

Wann regt Sie die Bürokratie sonst noch auf?

Manchmal dauert es mit den Abrechnungen wahnsinnig lange. Wenn ich dann Wochen später nachfrage, heißt es ‚Ach sorry, da hatten wir einen Zahlendreher.‘ Das ist die blödeste Ausrede, die es überhaupt gibt. Da sollte man zumindest ein bisschen kreativer werden.

Sind Sie ein Mensch, der sich leicht ärgert?

Im Gegenteil. Ich habe schon vor langem aufgehört, mich zu ärgern. Die Dinge, die ich ändern kann, die ändere ich, und bei den Dingen, die ich nicht ändern kann, ist es sinnlos, sich aufzuregen. Das gilt auch für die aktuelle Situation. Ich will da gar nicht mehr lange darüber reden, das macht schon die ganze Welt. Ich schütze mich jedenfalls, und daran gewöhnt man sich.

Für positive Gefühle dürfte ja Ihre ein Monat alte Enkelin sorgen.

Ich habe keine negativen Gefühle, und ein Enkelkind zu bekommen, ist ja logischerweise immer positiv. Wobei wir jetzt aber auch nicht so tun sollten, als würde die ganze Menschheit ausgerottet werden und wir froh sein könnten, dass dies mit jedem neugeborenen Kind verhindert wird. Aber wenn ein Kind aus der eigenen Familie auf die Welt kommt, ist das grundsätzlich ein tolles Ereignis.

Wie stark klinken Sie sich als Großvater ein?

Man muss die Jugend ihr Leben leben lassen. Es nervt doch, wenn man sich zu viel einmischt. Das kennen wir auch noch von unseren Eltern und Großeltern. Grundsätzlich bin ich natürlich immer für alle da. Heutzutage kann man ja mehrmals am Tag Facetime machen, und das tun wir regelmäßig.

Gibt es denn noch etwas, was Ihre Gefühle in Wallung bringt – im Schlechten wie im Guten?

Was mich nach wie vor aufregt, ist die Dummheit mancher Menschen. Und mich stimmt freudig, wenn ich merke, dass die Menschen begreifen: Wir sitzen alle im gleichen Boot. Alles hat mit allem zu tun. Das kapieren wir langsam. Und das lässt hoffen.

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