Naturkatastrophe

Hurrikan „Laura“ schwächt sich ab – massive Schäden sichtbar

Berlin.  Nachdem Hurrikan „Laura“ über Teile der USA fegte, werden massive Schäden sichtbar. Mehrere Menschen starben. Nun flaut der Sturm ab.

Mehrere Tote durch Hurrikan "Laura" an der US-Golfküste

Hurrikan "Laura" hat auf seiner Route durch den Süden der USA schwere Zerstörungen hinterlassen. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Allerdings tobte "Laura" weniger heftig als erwartet.

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  • Hurrikan „Laura“ hat sich zu einem Tropensturm abgeschwächt
  • Am Donnerstagmorgen war er mit 240 Kilometern in der Stunde auf die US-Küste getroffen
  • Damit ist er der stärkste Hurrikan im US-Bundesstaat Louisiana seit mehr als 150 Jahren
  • Hunderttausende Menschen sind ohne Strom
  • „Laura“ hat in Teilen der Bundesstaaten Louisiana und Texas massive Schäden angerichtet, mindestens sechs Menschen starben
  • Das Nationale Hurrikanzentrum der USA warnt vor „nicht zu überlebenden“ Sturmfluten

Hurrikan „Laura“ fegte über die USA hinweg. Mit 240 Stundenkilometern traf der Wirbelsturm in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) als Sturm der Kategorie vier in Louisiana auf Land. Es war der stärkste Hurrikan in dem US-Bundesstaat seit mehr als 150 Jahren. Über Land schwächte sich „Laura“ am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) zu einem Tropensturm ab. Das National Hurrikan Center (NHC) in Miami (Florida) hatte ihn auf Kategorie zwei herabgestuft.

Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 55 Kilometern pro Stunde und viel Regen bewegte sich Laura am Freitag durch Arkansas und Missouri in östlicher Richtung. Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) warnte vor Überflutungen und Tornado-Gefahr.

In Teilen der Bundesstaaten Louisiana und Texas richtete der Wirbelsturm massive Schäden an, die bei Tagesanbruch allmählich sichtbar wurden: Die Wucht des Sturms deckte Dächer ab, riss Fassaden von Häusern weg und ließ Strommasten und Bäume umknicken. Meerwasser überflutete die Küste weit bis ins Landesinnere. Hunderttausende Menschen sind ohne Strom.

Hurrikan „Laura“ – wie „ein dröhnendes Düsentriebwerk“

Der Hurrikan klinge wie „ein dröhnendes Düsentriebwerk“, beschrieb ein Reporter des Fernsehsenders CNN die Situation in Lake Charles (Louisiana). Der Hurrikan habe selbst die stabilsten Gebäude erzittern lassen, Glasscherben seien durch die Luft geflogen.

Im nahe gelegenen Westlake brannte am Donnerstag (Ortszeit) eine Chemikalien-Fabrik. Von der Polizei hieß es, es habe ein Chlorgasleck gegeben. Die Menschen mussten weiterhin in ihren Häusern bleiben.

Louisiana: 14-Jährige starb, als Baum auf Wohnhaus fiel

Wie der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, dem Sender dem TV-Sender Fox News in Bezug auf seinen Bundesstaat sagte, habe „Laura“ dort erhebliche Schäden angerichtet. Hinweise auf Todesopfer gebe es bislang aber nicht. „Das war das oberste Ziel“, sagte Abbott.

In Louisiana gab es mindestens sechs Todesopfer. Eine 14-Jährige starb, als ein Baum auf das Haus ihrer Familie fiel. Auch drei weitere Menschen kamen durch umstürzende Bäume ums Leben. Ein Mann ertrank, als sein Boot in dem Sturm unterging, ein anderer starb durch eine von seinem Stromgenerator verursachte Kohlenmonoxid-Vergiftung.

Gouverneur erwartet weitere Todesfälle

Louisianas Gouverneur John Bel Edwards sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, er sei besorgt, dass bei den nun anstehenden Such- und Rettungsarbeiten weitere Tote gefunden werden könnten. „Ich hoffe nicht, ich bete, aber das ist der Grund, warum wir rausgehen und diese Such- und Rettungsaktionen durchführen.“

Der Gouverneur machte deutlich, dass die Schäden nach bisherigem Kenntnisstand weniger schlimm ausfielen als erwartet. „Es ist klar, dass wir keinen absolut katastrophalen Schaden erlitten haben, den wir auf Grundlage der Prognose, die wir letzte Nacht hatten, für möglich gehalten haben. Wir müssen für vieles dankbar sein. Aber wir haben einen enormen Schaden erlitten“, sagte Edwards. Vor allem das Stromnetz sei erheblich beschädigt worden.

Aufnahmen in den sozialen Medien und im Fernsehen zeigten erhebliche Schäden in dem Ort Lake Charles im US-Bundesstaat Louisiana, wo der Sturm Bäume abknickte, Fensterscheiben zerbersten ließ und einen Funkturm einer Fernsehstation zerstörte. Gouverneur John Bel Edwards warnte auf Twitter, dass die Gefahr noch nicht vorüber sei. „Bleiben Sie zu Hause, folgen Sie weiter den Warnungen und Anweisungen der lokalen Behördenvertretern und beobachten sie Ihre lokalen Nachrichten, um informiert zu bleiben.“

„Laura“: Lebensbedrohliche Sturmflut prognostiziert

Die US-Klimabehörde NOAA befürchtet in diesem Jahr eine der heftigsten Hurrikansaisons überhaupt. Hurrikan „Laura“ sorgte für einen verheerenden Auftakt. Wie das National Hurrikan Center in Miami am Mittwoch gewarnt hatte, bleibe wenig Zeit, Leben und Eigentum zu schützen.

Die Experten wählten ungewöhnlich drastische Worte: Es kämen „Sturmfluten, die man nicht überleben kann“. Einwohner sollten die betroffenen Regionen zügig verlassen, appellierten auch die Behörden und Politiker.

Der Meteorologe Benjamin Schott sagte bei einer Pressekonferenz in New Orleans, einige Gegenden würden nach dem Hurrikan nicht mehr wiederzuerkennen sein. „Dass eine zwei Stockwerke hohe Wasserwand an Land kommen wird, ist für viele sehr schwer vorstellbar“, sagte er. Die Fluten könnten Wasser bis zu 50 Kilometer weit ins Landesinnere bringen und große Schäden in den Städten anrichten.

Louisianas Gouverneur John Edwards betonte, dass viele Menschen vermutlich für längere Zeit in Notunterkünfte gehen müssen. Die Corona-Krise erschwere die Situation, sagte Edwards dem Nachrichtensender CNN. „Wenn wir Menschen transportieren, können wir die Busse nicht so füllen, wie wir es gerne würden.“ Große Schutzunterkünfte könnte aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht genutzt werden. Deswegen würden Menschen stattdessen verstärkt in Hotels untergebracht.

Zahlreiche Tote durch Sturm Laura in der Karibik

„Laura“ kostete bereits in der Karibik mehrere Menschenleben

Es werde mehrere Tage oder Wochen keinen Strom und kein Wasser geben, selbst gut gebaute Häuser könnten schwer beschädigt werden, warnte das Nationale Hurrikanzentrum. Wie groß das Ausmaß der Zerstörung werden könnte, zeigt ein Blick auf die Karibik. Über das Inselparadies zog „Laura“ als Kategorie-drei-Hurrikan bereits hinweg. In Haiti und der Dominikanische Republik kamen mindestens 24 Menschen ums Leben, darunter ein Baby und ein achtjähriges Kind. Auf Kuba mussten 200.000 Einwohner ihre Wohnungen und Häuser verlassen.

Der Weg über ungewöhnlich warmes Wasser verlieh dem Sturm innerhalb kurzer Zeit immer mehr Kraft. Eine Abschwächung erwarten Meteorologen erst nach dem Auftreffen auf das Festland der USA. Dementsprechend könnten heftige Winde und weitreichende Überflutungen nicht nur auf Texas und Louisiana begrenzt bleiben.

Die US-Klimabehörde NOAA rechnet damit, dass 2020 insgesamt drei bis sechs Hurrikans Windgeschwindigkeiten von 178 Stundenkilometer und mehr erreichen könnten. In durchschnittlichen Jahren gibt es an der Atlantikküste zwölf Stürme, von denen sich drei zu Hurrikans der Kategorie drei, vier oder fünf entwickeln. Die Wirbelsturm-Saison endet Ende November.

Hurrikan „Laura“ weckt Erinnerungen an „Rita“

Louisianas Gouverneur Edwards hatte Hurrikan „Laura“ am Montag mit einem der bisher verheerendsten Wirbelstürme in der US-Geschichte verglichen: „Ich möchte, dass jeder versteht, dass dies das Potenzial hat, der stärkste Hurrikan zu sein, der uns seit Hurrikan ,Rita‘ getroffen hat.“ „Rita“ hatte 2005 als Hurrikan der Stärke 3 an der Grenze von Texas und Louisiana die USA erreicht und war mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde über das Land gefegt. Zwischenzeitlich mussten 1,3 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen.

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Die Zahl der direkten Hurrikan-Toten geben die Behörden mit sieben an, allerdings starben zahlreiche weitere Menschen während der Evakuierungsmaßnahmen unter anderem an den Folgen der Hitze. „Rita“ hatte die US-Südküste kurz nach dem tödlichen Hurrikan „Katrina“ getroffen. „Katrina“ hatte 2005 schwere Zerstörungen in der Stadt New Orleans angerichtet. Damals starben Hunderte Menschen.

Zwillings-Hurrikan „Marco“ hat sich aufgelöst

Noch vor wenigen Tagen war befürchtet worden, dass zwei Hurrikans unmittelbar nacheinander die Golfküste treffen könnten. Doch Hurrikan „Marco“ schwächte sich zunächst auf einen Tropensturm herab, ehe er sich vor der Küste von Louisiana gänzlich auflöste. US-Medien hatten „Laura“ und „Marco“ als Zwillings-Hurrikans bezeichnet. Dieses Phänomen sei im Golf von Mexiko seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 150 Jahren noch nie aufgetreten, berichteten sie.

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(yah/jb/dpa)