Gut zweieinhalb Monate nach dem tödlichen Messerangriff eines jungen Mannes auf eine Kollegin im unterfränkischen Mellrichstadt hat die Polizei ihre Ermittlungen abgeschlossen. Das sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Schweinfurt. Die Behörde erwarte demnächst das vorläufige Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen über die Schuldfähigkeit des Verdächtigen. 

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Auf Basis dessen werde dann entschieden, ob der 21-Jährige angeklagt oder es einen Antrag auf ein Sicherungsverfahren geben werde. Bei einem Sicherungsverfahren geht es um die zeitlich zunächst unbefristete Unterbringung eines Betroffenen in einer Psychiatrie. 

Festnahme unmittelbar nach dem Angriff

Der 21-Jährige soll am 1. Juli im Gebäude seines Arbeitgebers, des Stromversorgers Überlandwerk Rhön, eine Kollegin mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt haben. Der Verdächtige verletzte zudem zwei Kollegen schwer. Der Beschuldigte, der zuletzt im thüringischen Meiningen etwa 20 Kilometer von Mellrichstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) entfernt wohnte, war kurz nach der Tat festgenommen worden. 

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Ein Ermittlungsrichter vom Amtsgericht Schweinfurt ließ den jungen Mann in eine geschlossene Psychiatrie einweisen. Ermittelt wurde seither wegen Verdachts auf Mord sowie wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. 

Hintergrund: Was ist ein Femizid?

Ein Femizid bezeichnet die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts oder einer bestimmten Vorstellung von Weiblichkeit. Es handelt sich um eine Form von geschlechtsspezifischer Gewalt, bei der Frauen gezielt ermordet werden, weil sie Frauen sind. Oft geht dem Femizid eine längere Geschichte von Misshandlung, Diskriminierung oder Gewalt voraus. Femizide sind ein sehr ernstes gesellschaftliches Problem und spiegeln tief verwurzelte patriarchalische Strukturen wider, die Gewalt gegen Frauen begünstigen.

In Deutschland wird knapp die Hälfte aller getöteten Frauen vom eigenen Partner oder Ex-Partner umgebracht – 155 Mal passierte das allein 2023. Im Vergleich dazu wurden 24 Männer im selben Zeitraum Opfer von tödlicher Partnerschaftsgewalt. Formulierungen wie „Beziehungstat“, „Eifersuchtsdrama“ oder „Familientragödie“ verharmlosen die geschlechterspezifische Gewalt und machen aus Femiziden schicksalhafte Einzelfälle.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bietet Betroffenen, Angehörigen und Freunden die Möglichkeit, sich jederzeit anonym und kostenfrei beraten zu lassen. Unter der Telefonnummer 116 016 oder via Online-Beratung auf www.hilfetelefon.de sind rund 100 Mitarbeiter rund um die Uhr erreichbar. Das Angebot ist zudem mehrsprachig und barrierefrei.

Opfer wohl absichtlich getötet

Bei seiner polizeilichen Vernehmung hatte der Deutsche angegeben, er habe aus einem inneren Drang heraus gehandelt und sich sein Opfer bewusst ausgesucht. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat der 21-Jährige die Tat mit einer psychischen Erkrankung begründet. Zudem will er regelmäßig und auch am Tattag Drogen wie Cannabis und am Tag zuvor starke Schmerzmittel konsumiert haben. 

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Inwieweit der junge Mann bei der Attacke schuldunfähig gewesen sein könnte, müssen weitere Untersuchungen zeigen. In der Vergangenheit war der 21-Jährige den Ermittlern zufolge bereits in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses untergebracht.

dpa