Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch Pankreaskarzinom genannt, gehört zu den aggressivsten Tumorerkrankungen. Die Überlebenschancen sind trotz moderner Therapien nach wie vor sehr gering und viele Patienten entwickeln Resistenzen gegen die verfügbaren Behandlungen, weil sich die Tumorzellen durch Ausweichstrategien rasch anpassen, berichtet Mandy Dall, vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

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Forschende der UMG, der Technischen Universität München (TUM), des Georg-Speyer-Hauses Frankfurt und der Charité – Universitätsmedizin Berlin hätten nun gemeinsam einen neuartigen Therapieansatz entdeckt, der die Wirksamkeit der Behandlung deutlich verbessern könnte.
Unter der Leitung von Matthias Wirth, Leiter der Arbeitsgruppe „Funktionelle Genomik und Therapieresistenz“, und Günter Schneider, Schwerpunktleiter Translationale Forschung, beide von der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie der UMG, sowie Ulrich Keller, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, konnte das Forschungsteam zeigen, dass die gleichzeitige Blockade der beiden zellulären Signalwege PI3Kα/δ und SUMO Pankreaskrebszellen gezielt abtötet. In Tiermodellen, so Dall, führte diese Kombinationstherapie zu einer deutlichen Verringerung des Tumorwachstums und aktivierte zusätzlich das körpereigene Immunsystem, um die Krebszellen zu bekämpfen.
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Neue Erkenntnisse: Zwei Schwachstellen gleichzeitig angreifen
Das Pankreaskarzinom zeichnet sich durch eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber gängigen Therapien aus. Selbst neue zielgerichtete Medikamente, die bestimmte Krebs-Gene blockieren, verlieren oft rasch ihre Wirkung, weil Tumorzellen Ausweichstrategien entwickeln, erklärt Mandy Dall. Der PI3K-Signalweg spiele eine zentrale Rolle bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Bisherige Versuche, diesen Weg therapeutisch zu blockieren, seien jedoch wenig erfolgreich gewesen. „Die Göttinger Forschenden entdeckten nun, dass Krebszellen auf die Blockade des PI3K-Signalwegs mit der verstärkten Aktivierung eines anderen zellulären Mechanismus reagieren: der SUMOylierung“, so die UMG-Sprecherin.
Bei diesem Prozess würden kleine Proteine, sogenannte SUMO-Proteine, an bestimmte Zielproteine angehängt, wodurch dessen Funktion und Stabilität verändert werde und den Krebszellen helfe, sich an Stress anzupassen.
„Wir konnten erstmals zeigen, dass die beiden Signalwege wechselseitig voneinander abhängig sind. Blockiert man einen Weg, aktivieren die Krebszellen den anderen als Kompensation“, erklärt Ulrich Keller.
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„Die Kombinationstherapie wirkt auf mehreren Ebenen. Sie tötet nicht nur die Krebszellen direkt ab, sondern aktiviert auch das Immunsystem. Die Abwehrzellen konnten besser in den Tumor eindringen und die Krebszellen bekämpfen. Diese doppelte Wirkung der direkten Krebszellabtötung und der Aktivierung der körpereigenen Abwehr macht den Ansatz besonders vielversprechend“, ergänzt Matthias Wirth.
Um einen neuen Therapieansatz zu entwickeln, müssen die Ergebnisse in weiteren Studien untersucht werden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die gleichzeitige Hemmung von PI3K und SUMO eine bislang ungenutzte Schwachstelle des Bauchspeicheldrüsenkrebses aufdeckt“, sagt er.
red/sma






