Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) geht einen innovativen Weg in der Behandlung von Schwerhörigkeit und setzt ab sofort eine weiterentwickelte Titan-Hörprothese ein, berichtet UMG-Sprecherin Lena Bösch. Diese hochpräzise Implantatlösung kann ein herkömmliches Hörgerät ersetzen und bietet insbesondere Menschen mit Otosklerose, einer fortschreitenden Erkrankung des Gehörs, neue Hoffnung, heißt es in einer Mitteilung des Klinikums.

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Larissa Wegner, eine 29-jährige Studentin, war eine der ersten Patientinnen, bei der die Hörprothese implantiert wurde. Nachdem sie über Jahre ein Hörgerät genutzt hatte, wurde ihr Sprachverstehen zunehmend schwieriger. Der Eingriff an ihrem rechten Ohr verlief schnell und problemlos, und kurz danach erlebte sie eine Verbesserung ihres Hörvermögens. Im März 2026 ist die Operation ihres zweiten Ohrs geplant.

Der mikrochirurgische Eingriff verspreche vielen Betroffenen die Chance auf dauerhaft gutes Hören und damit eine erhebliche Steigerung ihrer Lebensqualität. Otosklerose betrifft in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen, wobei Frauen laut Studien deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Die Erkrankung tritt besonders häufig im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, was Forschende zu der Annahme verleitet, dass hormonelle Einflüsse, beispielsweise im Zusammenhang mit Schwangerschaften, eine Rolle spielen könnten, heißt es weiter in der Mitteilung.

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Titan-Implantat als Alternative

Bei Otosklerose kommt es zu einer Verknöcherung eines Teils der Gehörknöchelchenkette, des sogenannten Steigbügels. Diese Verknöcherung beeinträchtigt die Beweglichkeit des Steigbügels und somit die Schallübertragung zum Innenohr, was zu Hörverlust führt.

Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der UMG biete nun mit der neuen Titan-Hörprothese eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Hörgeräten. Die Prothese, eine gemeinsame Entwicklung der UMG mit einem österreichischen Industriepartner, wurde jetzt erstmals erfolgreich eingesetzt. Der mikrochirurgische Eingriff beinhaltet den Ersatz des erkrankten oder verknöcherten Steigbügels durch ein winziges Titan-Implantat mit einer Länge von vier bis fünf Millimetern und einem Durchmesser von lediglich 0,4 Millimetern.

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Jede Prothese wird individuell an die anatomischen Gegebenheiten der Patientinnen angepasst, um eine optimale Schallübertragung zu gewährleisten, erklärt Lena Bösch. Der Eingriff dauert in der Regel nur etwa 30 Minuten, und viele Patientinnen und Patienten berichten bereits kurz nach der Operation von einer deutlichen Verbesserung ihres Hörvermögens.

„Mit dieser hochpräzisen Titan-Hörprothese können wir vielen Menschen das Hören zurückgeben und damit Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe am Alltag sichern“, betont Dirk Beutner, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. „Wir sind überzeugt, dass diese Technologie vielen Betroffenen helfen kann – mit dauerhaft stabilen Hörergebnissen.“

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Im Vergleich zu älteren Mittelohrimplantaten oder Hörgeräten biete der Einsatz der Titan-Prothese eine Reihe von Vorteilen. Sie zeichne sich durch eine stabile und langlebige Ankopplung aus, ermögliche eine vibrationsfähige Schallübertragung und minimiere das Risiko von Folgeproblemen. Dank des stabilen, dauerhaft funktionierenden Implantats ohne extern sichtbare Komponenten könnten Patienten das natürliche Hören zurückgewinnen.

red