Manche mögen ihn, aber die meisten fürchten diesen Kuhberg. Er ist jedes Jahr Ende Februar der Scharfrichter beim Albert-Kuntz-Lauf in Nordhausen. Wer sich für die 14,4-Kilometer-Strecke entscheidet, muss ihn viermal überwinden. Die Fitness-Uhren registrieren 240 Höhenmeter. In den Beinmuskeln der Läufer fühlt es sich aber mehr an.

Sebastian Kestler mag diese harte Strecke. Lächelnd läuft er ins Ziel. Der Vorjahreszweite dominiert erstmals die Königsdisziplin und freut sich spürbar über den 14,4-km-Sieg. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt er nach dem Rennen und nippt am Tee. Dem Sondershäuser gefällt der Kuhberg-Parcours. „Und bei Sonnenschein macht es noch mehr Spaß“, unterstreicht der 42-Jährige.

Tatsächlich: Dieser Saisonstart ist irgendwie anders. Sonst Schmuddelwetter, Eiseskälte und Matschstrecken. Und diesmal? Nordhäuser Frühling mit ganz viel Sonne und zwölf Grad im Schatten. Selbst Laufchef Klemens Beck (63) staunt darüber: „Das gab es schon lange nicht mehr.“ Beck muss es wissen. Dieser Albert-Kuntz-Lauf ist bereits der 35., den er als Cheforganisator begleitet.
Die Jugend wird halt immer stärker.
Sebastian Hartmann (41), Freizeitläufer aus Hesserode
Vielleicht auch dank des Wetters ist Sebastian Kestler 29 Sekunden schneller als im Vorjahr. Mit seinen 54:54 Minuten bleibt er für den Zweitplatzierten Toni Keller (57:26) aus Könnern unerreichbar. Leonard Steinecke (57:30) aus Bleicherode verfehlt den Silberpokal nur um vier Sekunden. Dennoch hat der 18-Jährige allen Grund, stolz auf seinen dritten Platz zu sein.

Die Leipzigerin Maria Korn (1:07:48 h) ist die schnellste Frau auf der 14,4-km-Strecke. Damit wiederholt sie ihren Sieg aus dem Jahre 2023 und ist diesmal zwei Minuten schneller. Die 45-Jährige ist extra für den Lauf angereist. Sie liebt den Südharz und startet gern bei den hiesigen Freizeitsport-Events. Aufgrund familiärer Wurzeln in Bad Frankenhausen fühlt es sich auch stets wie eine Heimkehr an.

Die beiden anderen Plätze auf dem Frauen-Podium sichern sich Janine Skara (1:09:04) aus Nordhausen und die erst 15-jährige Pauline Schufen (1:12:23) aus Bleicherode.

Paulines Leistung ist großartig. Für einen weiteren Paukenschlag sorgt Freya Beykirch aus dem Eichsfeld. Die 11-Jährige aus Rüdigershagen läuft über 7,2 Kilometer allen Damen davon. Sie triumphiert nach 30:42 Minuten vor der 47-jährigen Nancy Wittig (34:22) aus Oldisleben und der 41-jährigen Juliana Becker (35:09). Freyas deutlicher Sieg ist beeindruckend – und fast schon sensationell ist, dass lediglich fünf Männer auf der Strecke schneller sind.

Der Sangerhäuser Maksym Ivanov (27:31 min) holt sich den Gesamtsieg im 7,2-km-Rennen. Er überquert die Ziellinie 25 Sekunden vor Sebastian Hartmann (27:56) aus Hesserode. Der Drittbeste ist am Ende der Nordhäuser Timon Rotter (29:54).

Im Vorjahr gewann Sebastian vor Maksym. Spannend ist das Duell auch diesmal. Die Entscheidung fällt in der zweiten Runde – selbstverständlich am Aufstieg zum Kuhberg. „Da war er weg“, bringt es der Unterlegene auf den Punkt. Aber auch mit seinem zweiten Platz ist Sebastian zufrieden. „Die Jugend wird halt immer stärker“, sagt der 41-Jährige mit Blick auf seinen 19-jährigen Konkurrenten.

Eine positive Bilanz zieht der Laufchef. Während die Zahl der Anmeldungen jenseits der 300 liegt, gehen am Ende 296 Teilnehmer wirklich an den Start. „Das ist der größte Zuspruch seit Corona“, freut sich Klemens Beck. Und die knapp verpasste 300er-Marke wird dann einfach nächstes Jahr geknackt.

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