Unsere Exkursion schreitet in rasantem Tempo voran und mit jedem Tag wachsen auch die Reisenden an ihren Aufgaben. Für die angespannte sanitäre Situation in den baumlosen Weiten der Insel wird gemeinsam nach Lösungen gesucht, beim Abwasch unterstützt man sich im Team und das Einkaufsteam beschafft streng nach Anweisung alle notwendigen Vorräte.
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Besonders notwendig: Brot. Beim durchschnittlichen Frühstück unserer 16-köpfigen Gruppe werden nämlich fast zwei Brote, ein ganzer Feldgieker und auch ein Glas Schokoladenaufstrich mit großem Appetit verputzt. Diese energiereiche Kost bildet die Grundlage für die täglichen Gewaltmärsche, die ganz nach dem Motto „Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ bewältigt werden.

Wanderung zum Hverfjall: Ein Vulkankrater und Trollgeschichten
Von Mývatn aus, einem herrlich idyllischen Ort im Norden der Insel, starten wir am Dienstag zum Hverfjall. Dabei handelt es sich um einen beeindruckenden Vulkankrater. Wer jedoch brodelnde Lava erwartet, liegt falsch. Der Hverfjall brach zuletzt vor etwa 2500 Jahren aus, und das Magma befindet sich heute nur noch in großer Tiefe beziehungsweise ist längst erstarrt. Der Ausblick in den gewaltigen Krater ist dennoch unglaublich, auch wenn Auf- und Abstieg durchaus Fitness und Koordination erfordern.

Die letzten Kilometer führen uns durch das magische Dimmuborgir. Eifrig halten wir Ausschau nach Trollen in den bizarren Felsformationen und beschenken sie, wie es die isländische Folklore verlangt, mit einem geschnitzten Geschenk, um sie freundlich zu stimmen. Dies ist uns offenbar gelungen, wie wir am nächsten Morgen feststellen. Unser vierter regenfreier Tag in Folge bricht an!

In Rekordtempo beladen wir unsere zwei Reisemobile und machen uns auf den Weg zum Dettifoss, dem wasserreichsten Wasserfall Europas. In dieser kargen Steinwüste rechnet niemand von uns mit einem derart beeindruckenden hydrogeografischen Schauspiel. Doch das gewaltige Tosen des Wassers weist uns schließlich den richtigen Weg und sorgt für ehrfürchtiges Staunen.

Die wilde Fahrt wird fortgesetzt, bis schließlich die Anweisung zum Anhalten kommt. Verdutzt schauen sich alle auf der einfachen Straße um. Erst ein Blick auf den Kompass verrät den Grund. Wir befinden uns genau auf dem 66. Breitengrad. Unsere Reise soll uns jedoch noch weiter in den Norden führen …

Am nächsten Morgen strahlt uns die Sonne erneut ins Gesicht und sorgt für grundeuphorische Stimmung. Diese mündet kurzerhand in einen Flechtzirkel, bei dem so manch Unwissendem der Unterschied zwischen einem französischen und einem belgischen Zopf erstmals in der Praxis erläutert wird. Mit sturmsicherer Frisur geht es anschließend an die Atlantikküste zur nächsten Herausforderung: dem nördlichen Polarkreis bei 66°33′ N!
Dabei wird die Natur selbstverständlich mit offenen Augen erkundet. Anemonen, Treibholz und auch die Alaskalupine befinden sich stets in unserem Sichtfeld. Zugegebenermaßen erreichen wir unser Ziel nicht ganz, da Taucherbrille und Badehose im Auto geblieben sind. Doch mit dieser Aussicht und dem Gefühl, ganz nah dran zu sein, geben wir uns auch mit 66°32′ N zufrieden. Das sind immerhin rund 15 Breitengrade Unterschied zur Lage unseres Heiligenstädter Gymnasiums.

Nach fünf Nächten im Zelt philosophieren wir erstmalig über unsere persönlichen Gelüste, während wir im satten Gras ausruhen. Von einem richtigen Kopfkissen bis hin zu Pudding oder einem Gehacktesbrot reichen die Wünsche der Gruppe. Doch nach Hause möchte noch niemand. Auch die Spezialitäten des Landes wie Lammsteak oder Kabeljau haben ihren ganz eigenen Reiz.

Die isländische Landschaft hat uns alle gepackt, und die gemeinsamen Abende in der Gruppe bereiten jedem große Freude. Nach gutem alten Pfadfinderritus findet alle zwei Tage eine große Gruppenrunde statt, bei der jeder seine aktuellen Gedanken äußern darf und auch Wünsche ihren Platz finden.
Ein besonders häufig geäußerter Wunsch findet an Tag sechs seine Erfüllung: Papageientaucher sehen! Gebannt bestaunen wir den Nationalvogel der Insel, wie er nur wenige Meter vor uns brütet und umherwatschelt.
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Und so ist bereits die Hälfte unserer Bildungsreise vorüber. Gesehen haben wir schon eine beeindruckende Menge, doch viel bedeutender ist unser Erlebnis als Gruppe. Gemeinsam überwinden wir Herausforderungen, wachsen zusammen und erleben eine unvergessliche Zeit. Wir wünschen allen Daheimgebliebenen, dass sie die kommende Hitzewelle gut überstehen, und sagen: Bis bald aus dem kühlen Norden!
Marlene Schulze ist Schülerin des Heiligenstädter Lingemann-Gymnasiums und sowohl Teil des Geografie-Leistungskurses als auch der Expedition nach Island.






