Bis in die 1930er Jahren schien es in Erfurt nur zwei Basis-Getränke gegeben zu haben. Entweder es wurde Bier getrunken oder Wasser. Wer es sich leisten konnte, zapfte dieses nicht aus dem Hahn, sondern kaufte Mineral- oder Tafelwasser. In den Getränkehandlungen gab es eine reiche Auswahl – Wasser aus der Region, aber auch weit hergeholtes, wie Landre Breithaupt, das aus Berlin importiert wurde, oder Wasser aus dem Sömmerdaer Amalienbrunnen.

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Künstliches Mineralwasser erobert den Markt

Meist wurde preiswertes Tafelwasser angeboten. Die Tiefbrunnen, aus denen dafür das Wasser gefördert wurde, standen meist direkt im Hof des Herstellers. Von denen jeder sein eigenes Rezept zur Herstellung des künstlichen Mineralwassers hatte. Die Zutaten, mit denen das Wasser „veredelt wurde“ waren aber stets die gleichen: Magnesium, Natrium, Kalium, Calzium, Zink, Jod und Fluorid. Erfunden wurde dieses künstliche Mineralwasser bereits 1820, vom Dresdner Friedrich Adolf Struve, der in seiner Salomonis-Apotheke erstmals die heilsamen Wirkungen der Minerale verkaufte.

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Tafelwasser aus der Johannesstraße in Erfurt

In Erfurt hatten sich eine ganze Reihe von Unternehmern auf die Herstellung des Mineralwassers spezialisiert. Zu den größten Herstellern gehörten Carl Berndt, der in der Johannesstraße Heil- und Tafelwässer abfüllte, Karl Fötsch, der ebenfalls in der Johannesstraße zuhause war, Schmidt & Spieß in der Regierungsstraße, Eduard Schneider im Fischersand, Rössels Bierverlag in der Pilse, Reinhard van der Weth in der Tiergartenstraße, Eduard Mösken, Erwin Kleemann, Brüllke & Co und die Mineralwasserfabrik der Geschwister Näder in der Paulstraße 13/14.

Spezielle Flaschen samt Etiketten waren eine absolutes Muss

Eiteketten wie diese hier wurden für die Glasflaschen benötigt.
Eiteketten wie diese hier wurden für die Glasflaschen benötigt. © Hartmut Schwarz | Hartmut Schwarz

Es wurde immer mehr in Flaschen abgefüllt, was einen ganzen Industriezweig nach sich zog. Nicht nur spezielle Maschinen wurden benötigt, sondern auch Leergut, Verschlüsse und später Etiketten. Meist hatten die Getränkehändler eigene Pfandflaschen mit eigenem Logo. Die Produktion von Glasflaschen lief allerorts auf Hochtouren.

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Erfurt bestellte in Berlin und Dresden

Auch in Erfurt gab es Unternehmen, die sich darauf konzentriert hatten. Lediglich die Keramikverschlüsse mussten eingekauft werden. Nahezu der gesamte Bedarf in Deutschland wurde dort abgedeckt, wo auch die Erfurter Getränkehändler bestellten – in Berlin, in Coswig und in Dresden, bei der Aktien Gesellschaft für Glasindustrie.