Tausende Erfurter arbeiteten einst in der Möbelindustrie, im Spanplatten- oder Polsterstoff-Zuschnitt, als Transportarbeiter, im Gestellbau, in der Verwaltung. Drei Standorte gab es im Stadtgebiet, aber es finden sich kaum Spuren, auch nicht im Stadtarchiv Erfurt. Das entmutigt Autor und Chronist Heinz Möller nicht. Er (Jahrgang 1949) reiste jetzt aus Berlin zur Zeitzeugensuche an. 2026 will er die Geschichte des VEB Möbelwerk Erfurt vorlegen.
Erfurter Betrieb gehörte einst zu Suhl
Fündig wurde er im Hauptstaatsarchiv/ Thüringer Landesarchiv Weimar, beim Nachlass der DDR-Kombinate der Region. Bekannt ist, dass im VEB Möbelwerk Erfurt einst 1200 Leute arbeiteten. Ab Oktober 1979 gehörte Erfurt zum Thüringer Möbelkombinat Suhl; im Reigen von 58 Betrieben mit über 10.000 Beschäftigten plus den Zulieferern aus der Holzindustrie, beispielsweise für den Gestellbau.
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DDR-Möbel aus Erfurt gingen in die BRD und die Sowjetunion
Ihre Schrankwände, Polstergruppen, Schlafzimmermöbel gehörten zum Alltag in der DDR. Mit dem Wohnungsbauprogramm wuchs die Nachfrage stetig. Ebenso wie für den Export. „Zügeweise gingen die gefragten Polsterwaren in die damalige Sowjetunion“, so Referent Möller. Auch in den westdeutschen Katalogen von Neckermann & Co. machten die teils mit DDR-Messegold prämierten und für ihre Qualität nachgefragten Möbel was her.
Gisperslebener sind beim Vortrag in Erfurt präsent

Während Möllers Ausführungen beim Vortrag im Stadtarchiv gab es immer wieder bejahendes Kopfnicken – und Zwischenrufe. Im dicht gefüllten Lesesaal des Stadtarchivs saßen die Zeitzeugen. Mehrere Stuhlreihen hatten die Gisperslebener belegt. Unter ihnen Karsten Tonnecker, Betriebsratsvorsitzender 2005, als die Visita Polstermöbel GmbH stillgelegt wurde. Erst 1994 war Visita gegründet worden.
Zuvor gab es in den 1950/1960-er Jahren bereits einen Möbel-Standort unweit des Friedhofs im Ort. Auf der Brache entstand nach der Wende ein Eigenheim-Viertel. Bekannt war das Sperrholzverarbeitungswerk Oschatz für seine Holzstuhlsitze Marke „Stern“. Der Holzlagerplatz prägte das Ortsbild. Viele Gisperslebener lernten Tischler, erinnert sich die langjährige Ortsteilbürgermeisterin Anita Pietsch.
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Dokumente bis in die 1940er Jahre

Einen besonderen Schatz übergab Sibylle Hoßbach, geborene Leschke, dem Chronisten Heinz Möller: eine von ihrem Vater, Fritz Karl Paul Leschke, geschriebene Chronik ab 1945, beginnend mit der Firma Neumann & Grüning. 1954 die Insolvenz, ab 1955 fortgeführt als VEB Polstermöbel mit 180 Mitarbeitern. Beide Töchter des Betriebsleiters Leschke saßen mit im Publikum. Die eine hatte im Stoffzuschnitt in Bischleben gelernt, Sibylle Hoßbach wurde Buchhalterin und arbeitete am Außenstandort Theodor-Neubauer-Straße in der Verwaltung. Den nach wie vor engen Bezug zu den Ehemaligen erklärt sie auch mit den weiterhin stattfindenden Jahrestreffen.
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Möbel aus der DDR wurden mit Preisen ausgezeichnet
„Nichts voreilig wegwerfen oder verheizen“, hofft Autor und Referent Heinz Möller auf Brigadetagebücher, Fotos, persönliche Unterlagen. Er kommt aus der Branche, lernte im Möbelwerk Dessau, ging dann nach Berlin, debattierte auf Augenhöhe mit den Besuchern. „Die Schrankwände mit Furnier waren nachhaltig, als es den Begriff noch gar nicht gab“, begründet er anhand der Langlebigkeit. Ein Schlafzimmermodell hieß Rubin, es gab die Kuba-Reihe.

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Das Modell Heine ging nur in den SU-Export. Die Schrankwand Smaragd 80 holte 1976 eine Goldmedaille. Ein Durchbruch in der Produktion war der Pur-Schaum-Zuschnitt in Gispersleben, womit die schweren Sesselgestelle abgelöst werden konnten. Eine Mustermappe zeigt die zeitlose Attraktivität der Entwürfe von „Ina“ bis „Karina“.
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Mit der Treuhand kam der Konzern Steinhoff-Möbel. Die Visita Polstermöbel GmbH war damit Geschichte, gehört jedoch weiterhin zu vielen Lebensgeschichten. Autor Heinz Möller will trotz vieler weißen Flecken 2026 seinen Erfurter Chronikband in einer privaten Auflage von 100 Stück bei der Buchhandlung Peterknecht vorstellen.
Wer Hinweise zu alten Erfurter Möbelbetrieben liefern kann: moeller.berlin@kabelmail.de







